Neustadt / Bad Dürkheim / Grünstadt
Die Bestseller im März: Positiver Blick auf das Altern
Vielgefragt war allerdings in drei Läden Gisèle Pelicots erschütternde Autobiografie „Eine Hymne an das Leben – Die Scham muss die Seite wechseln“. Den Schwerpunkt bildeten Kriminalromane und Bücher zum Thema Altern. Keinen Platz fand der auf der Leipziger Buchmesse ausgezeichnete Roman „Goldstrand“ von Katerina Poladjan.
Näher beleuchtet sei hier Lisa Ridzéns Roman „Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“, der bei Hofmann erfolgreich lief. Der Titel ist zunächst etwas irreführend, denn den Leser erwartet keine Schilderung der Zugbewegung dieser Vögel, vielmehr lässt sich darunter eine bildhafte Umschreibung des fortschreitenden Alters verstehen. Die 1988 in Schweden geborene Autorin beleuchtet darin die Biografie des 89-jährigen Bo, der im ländlichen Nordschweden zu Hause ist. Seit seine Frau in einem Pflegeheim für Demenzkranke lebt, beschränkt sich sein Kontakt zur Außenwelt nur auf seinen Hund und die Besuche von Pflegern. Sein Sohn Hans lässt sich nur selten blicken und traut ihm kaum noch etwas zu. Zum Konflikt kommt es, als Hans ihm seinen Hund wegnehmen will. Doch Bo braucht diesen je älter er wird umso mehr. In seiner Einsamkeit nimmt die Erinnerung an Schlüsselmomente seines Lebens einen wichtigen Platz ein.
Frei für unbequeme Wahrheiten
Auch die bekannte Autorin Ildikó von Kürthy blickt in „Alt genug“ auf ihr Leben zurück. Dabei erlebt sie ein Gefühl von Freiheit, weiß sie doch jetzt genau. wohin sie nicht gehört, zudem fühlt sie sich frei für unbequeme Wahrheiten. Sie reflektiert über innere und äußere Ausnahmezustände ihres Lebens, in dem sie häufig scheiterte und einen Neubeginn wagte. Sie erinnert sich, wie sie sich am Grab von ihren Eltern verabschiedete oder wie sie sich nachts in New York selbst begegnete. Am Ende hat sie das kostbare Gefühl, mit Ängsten, Zweifeln und tiefgreifenden Abschieden nicht alleine zu sein. „Alt genug“ ist ein Buch reich an Bekenntnissen und Erkenntnissen, mutig, bewegend und optimistisch.
Die 1968 in Aachen geborene Autorin ist die Tochter des ungarisch-stämmigen Hochschullehrers Tamar Kürthy und einer Buchhändlerin. Ihr Debütroman „Mondscheinfahrt“ erschien 1999. Ildiko von Kürhty lebt mit ihrem Mann, dem Autor Sven Michaelsen, und den beiden Söhnen in Hamburg.
Ein Jugendbuch von Ferdinand von Schirach
Zum Abschluss eine Überraschung: Ferdinand von Schirach, bekannter Jurist und Schriftsteller, veröffentlichte unter dem Titel „Alexander“ sein erstes Jugendbuch, das in der Bahnhofsbuchhandlung und bei Frank in Dürkheim viel Anklang fand. Von den Einwohnern seiner Heimatstadt Kaliste erhält der Junge den Auftrag, „gute Gesetze“ zu finden, damit nie wieder eine Tyrannei entstehen kann. Nur einem Kind trauen die Menschen zu, vorurteilslos gerechte Regeln für ein friedliches Zusammenleben zu finden. Diese Herausforderung nimmt der Junge an und befragt die unterschiedlichsten Menschen: einen Soldaten, einen Modeschöpfer und einen Philosophen. Tatsächlich gelingt es ihm rechtzeitig, den Prinzipien der Demokratie auf die Spur zu kommen. Denn es droht Gefahr: Der König des Nachbarlandes beabsichtigt, die Stadt zu überfallen. Das kann nur Alexander verhindern, indem er rechtzeitig auf seiner Reise wichtige Menschen und Gesetze kennenlernt, die er in seine Heimatstadt mitbringt.
Mit dem Verkauf im Frühlingsmonat März waren die Buchhändler/innen unterschiedlich zufrieden. Jeanette Jung von Quodlibet resümiert: „Unser Tag wird leider geprägt durch die Baustelle. Daher ist es ruhiger als sonst. denn die Menschen bummeln nicht mehr durch die Fußgängerzone. Immerhin gab es bei uns viele Vorbestellungen.“ Anja Gößling von Frank in Bad Dürkheim bilanziert: „Kürzlich war verkaufsoffener Sonntag, er verlief sehr erfolgreich, und wir können zufrieden sein.“ Monika Strefler von Frank in Grünstadt ist erfreut: „Der März lief auch durch die Kooperation mit Hugendubel gut. Wegen der neuen Sortimente im Bereich Non-Book, Legami, Spiele und Toniefiguren kommen auch neue Kund/innen in die Buchhandlung. Erfreulich: Das Ostergeschäft läuft gut. Ansonsten freuen wir uns sehr auf unsere Veranstaltung am 23. April mit Hans-Gerd Raeth und seinem neuen Buch ,Wir Freitagsmänner’„.“
Die Bestseller im März:
Bahnhofsbuchhandlung (Neustadt)
1. Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Rebellion
2. Ferdinand von Schirach: Alexander
3. Ildikó von Kürthy: Alt genug
Buchmarkt (Bad Dürkheim)
1. Torsten Woywod: Mathilde und Marie
2. Freida McFadden: Die Ehefrau – Was hat sie zu verbergen?
3. Elli Kutscha: Embodiment entdecken – körperliche Ressourcen nutzen
Frank (Bad Dürkheim)
1. Joachim Meyerhoff: Man kann auch in die Höhe fallen
2. Ferdinand von Schirach: Alexander
3. Jochen Gutsch: Frankie unter Menschen
Frank (Eisenberg)
1. Gisèle Pelicot: Eine Hymne an das Leben
2. Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Rebellion
3. Arno Strobel: Ungelöst
Frank (Grünstadt)
1. Siri Hustvedt: Ghost Stories
2. Jochen Gutsch: Frankie – Unter Menschen
3. Hans-Gerd Raeth: Wir Freitagsmänner – Wer wird denn gleich alt werden?
Hofmann (Neustadt)
1. Gisèle Pelicot: Eine Hymne an das Leben
2. Lisa Ridzén: Wenn die Kraniche nach Süden ziehen
3. Romy Fölck: Fünf Fremde
Neustadter Bücherstube
1. Patti Smith: Bread of Angels
2. Edvard Hoem: Der Geigenbauer
3. László Krasznahorka: Zsömle ist weg
Osiander (Neustadt)
1. Marc Elsberg: Eden
2. Gisèle Pelicot: Eine Hymne am das Leben
3. Colleen Hoover: Reminders of Him - Für immer immer ein Teil von dir
Quodlibet (Neustadt)
1. Valerie Jakob: Frag nicht nach Agnes
2. Michael Hatzenbühler: Der natürliche Sterbeverlauf
3. Christoph Marx: Hundert berühmte Zitate /wss
Buchtipp: „Ich bin ein Magnet für alle Verrückten“
Peter von Beckers Biografie „Ich bin ein Magnet für alle Verrückten“ (255 Seiten 24 Euro, Heyne Verlag) hat Werner Libor vom Buchmarkt in Bad Dürkheim mit großem Gewinn gelesen. Als Buch des Monats empfiehlt er ihn es heute:
„Charlie Chaplin sagte einmal treffend zu ihm: ,Mich versteht jeder. Sie versteht niemand, und doch bewundert uns die ganze Welt.’ Genau dieses Spannungsfeld zwischen öffentlicher Bewunderung und privatem Rückzug prägte die letzten Jahre von Albert Einstein. Knapp zwei Jahre vor seinem Tod führte er zahlreiche Gespräche mit seiner letzten Freundin Johanna Fantova. Ihre Aufzeichnungen lassen ein persönliches, kluges und selbstkritisches Bild des Jahrhundertphysikers entstehen. Wir erfahren in den Protokollen nicht nur etwas über seine Arbeit aus dem Bereich der Physik und Philosophie sondern ebenso über seine Haltung zu Politik, Gesellschaft und zwischenmenschlichen Beziehungen. Als ,ein Magnet für alle Verrückten’ sah Einstein sich selbst – eine Reaktion auf die unzähligen kuriosen Briefe, absurden Anfragen und Ehrungen aus aller Welt, die ihn in seinem Alltag in Princeton belagerten. Trotz dieses Trubels verlor er nie seinen inneren Kompass. ,Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle.’ Dieser Leitsatz bestimmte sein gesamtes Leben, da er das Staunen als Grundstein für jegliche Form von Kreativität und Wissenschaft sah. Dieses Buch zeichnet das zeitgeschichtliche, biografische Porträt eines Denkers, der weit über seinen Mythos des genialen Wissenschaftlers hinausreicht.“