Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Deutsches Weinlesefest: Was Besucher zum neuen Standort des Jahrmarkts sagen

Trotz Familientags war der Besucherandrang auf dem Jahrmarkt am Nachmittag überschaubar.
Trotz Familientags war der Besucherandrang auf dem Jahrmarkt am Nachmittag überschaubar.

Wegen der Baustelle auf dem Bahnhofsvorplatz ist der Jahrmarkt des Deutschen Weinlesefests diesmal im Bereich Exterstraße/Alter Turnplatz aufgebaut worden. Am Familientag will die RHEINPFALZ wissen: Wie kommt der neue Standort an?

„Halloooo Mamaaa!“ – Ein kleines Mädchen steht ganz oben auf dem Spiegelkabinett und winkt enthusiastisch seiner Mutter zu, die mit dem Geschwisterkind im Kinderwagen vor dem Fahrgeschäft auf sie wartet. Der Familientag auf dem Jahrmarkt des Deutschen Weinlesefests lockt am Mittwoch mit vergünstigten Preisen – in diesem Jahr aber nicht mehr auf den Bahnhofsvorplatz, der gerade eine riesige Baustelle ist, sondern in die Exterstraße und auf den Alten Turnplatz.

Eltern zücken am Karussell die Smartphones, um die erste Fahrt ihrer Kinder für die Ewigkeit festzuhalten. Mancher Bub brüllt sogar, wenn er wieder runter muss. Solange sich die kleinen Fahrzeuge drehen, ist die Begeisterung aber groß. Beim Entenangelspiel reichen die Kleinsten – auf Stühlchen gestellt – gerade so weit über den Tresen, dass sie die Angel ins Becken halten können. Die gewonnenen Kuscheltiere dürfen die Eltern im Anschluss unterm Arm behüten.

„Hier ist es so laut“, meint der 11-jährige Felix. Seine Mutter Sarah Wiedmann erklärt ihm, dass das an den Häusern in der Exterstraße liegt. „Die wirken wie ein Kessel.“ Für die 42-Jährige zielt der Jahrmarkt mehr auf Kinder ab, das Herz des Weinlesefests seien die Haiselscher. „Dieses Ursprüngliche, dass man einfach mit Freunden Wein verkostet, macht das Fest aus. Der Jahrmarkt war, als ich klein war, noch auf der Festwiese. Das fand ich super.“ Sie glaubt, dass die Entfernung nicht das Problem wäre, da das Publikum bei Haiselschern und Jahrmarkt unterschiedlich sei.

„Fest verbindet ganz Neustadt“

„Auf dem Bahnhofsvorplatz hat es mir besser gefallen“, sagt Gerhard Prokasky. Dort sei die Geräuschkulisse angenehmer und der Platz habe weniger gedrückt gewirkt. Die Festwiese als Standort sei zu weit weg, „da machen Familien den Sprung zum Rummel nicht“, meint der 63-Jährige. „Der muss kompakt dabei sein.“ Mit den Enkelkindern sei der Besuch außerhalb des Familientags teuer, „da muss man schon öfter mal nein sagen“. Solange sie klein seien, sehe man das etwas lockerer, wirft seine Frau Susanne (61) ein, die sich den Jahrmarkt auch auf dem TSG-Parkplatz in der Volksbadstraße vorstellen kann.

„Ich find’s gut“, sagt Melanie E. zum Standort. In ihrer Jugend sei der Jahrmarkt schon mal hier gewesen, es gebe gefühlt mehr Platz, trotzdem sei der Bahnhof nah. „Weiter weg sollte es nicht sein“, sagt die 46-Jährige mit Blick auf die Festwiese. Außerhalb des Familientags sei der Jahrmarkt mittlerweile sehr teuer. „Auf die Haiselscher gehe ich nicht mehr so oft, weil es meist voll ist – aber eigentlich ist das ja schön, dass alle da sind und das Fest ganz Neustadt verbindet.“

„Oben war’s gemütlicher“

„Wir sind als Neustadter immer da, das hat etwas Kulturelles, Heimisches“, sagt ein 31-Jähriger. Am Familientag sei ein Besuch mit Kindern erschwinglicher. „Wir legen uns ein Budget fest, aber wenn es dann überschritten wird ... naja, ist das so“, sagt er und zuckt die Schultern. Die Atmosphäre am neuen Standort gefällt dem Mann nicht, er würde lieber die Festwiese ertüchtigen. „Da würden Haiselscher wie Kerwe Verlust machen“, ist sich seine Begleiterin (28) sicher. Sie findet den neuen Aufbau zu langgezogen, das Straßenbild in der Exterstraße sei nicht schön. Zudem bemängelt sie die verschärfte Parkplatz- und Verkehrssituation in der Stadt. „Durch die Zufahrt zur Hetzelgalerie geht ein Riss durch den Festplatz.“ Die Arbeiten am Bahnhofsvorplatz seien nötig, „aber man hätte die Kerwe mit einplanen sollen“.

„Oben war’s gemütlicher“, meint Christine Rauwolf. Ganz automatisch sei man da zwischen Haiselscher und Jahrmarkt gewechselt. „Jetzt sind sie zu weit weg“, findet die 34-Jährige, die deshalb ebenso in der Festwiese keine Alternative sieht.

Familientag ein „Trauerspiel“

Für Irene Neubauer-Fass (51) ist der Jahrmarkt dieses Jahr ein „Trauerspiel“: „Ich habe noch nie einen so leeren Familientag gesehen, und ich hab’ früher hier gearbeitet.“ Der Standort sei ja nicht neu, sondern früher schon mal ausprobiert worden. „Alle waren unzufrieden.“ Sie wünscht sich den Jahrmarkt auf die Festwiese zurück, „so wie es früher war“. Dann könne man das Schoppebähnel reaktivieren, meint sie.

„Ungewohnt, aber mit Kindern praktisch“, sagt Christina Utech zum Rummel in der Straße, der es leichter mache, den Nachwuchs im Blick zu behalten. Wie viel sie ausgebe, hänge von der Laune ihrer zwei Kinder ab. „In der Regel machen wir jede Reitschule einmal, dann gibt’s noch etwas zu essen.“ Für die 38-Jährige machen die Haiselscher das Weinlesefest aus, „die sollen da oben bleiben“.

„Muss über die Straße“

Aylin Worms kann sich nicht für den neuen Standort begeistern, nicht nur wegen der Belastungen für den Verkehr. „Hier ist es enger, und um zu den Haiselschern zu kommen, muss man über die Straße. Das wird mit Kindern schnell anstrengend“, sagt die 26-Jährige. Sie würde das ganze Weinlesefest in Richtung Festwiese/Wallgasse verschieben. „Die Leute würden trotzdem kommen.“

Fragt man die Schausteller nach den Auswirkungen des neuen Standorts auf den Andrang an den Fahrgeschäften, fällt ihnen kein großer Unterschied zum Bahnhofsvorplatz auf. Viel entscheidender sei für sie das Wetter, der Regen in den vergangenen Tagen habe die Festlust der Besucher spürbar getrübt.

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