Neustadt
Der Kunstverein meldet sich nach längerer „Konsolidierungsphase“ zurück
Es war zuletzt etwas still geworden um den Neustadter Kunstverein. „Wir befinden uns mitten in einer Konsolidierungsphase“, bestätigt Hans Gareis, Vorsitzender seit September, diesen Eindruck. Doch jetzt meldet sich der mit über 350 Mitgliedern immer noch sehr gut aufgestellte Verein in Kürze zurück: mit einer Ausstellung in der Villa Böhm, die auch überregional auf Interesse stoßen könnte.
Denn der Gastkünstler ist zwar einer, der aus der Region stammt – geboren 1983 in Neustadt, aufgewachsen in Lambrecht –, und sogar selbst Mitglied im Verein, aber provinziell wird es hier keinesfalls zugehen: Dominik Schmitt, der in Landau studierte und dort bis heute als freier Künstler lebt und arbeitet, ist mit seiner ganz unverwechselbaren Bildsprache längst zu einem Kunststar mit internationaler Ausstrahlung avanciert. Seine Arbeiten werden in renommierten Museen und Galerien gezeigt und auf internationalen Messen in New York, Basel, Wien, Kopenhagen oder Miami präsentiert. Wie umschwärmt der Künstler ist, habe er selbst unlängst bei der „Art Karlsruhe“ hautnah erlebt, berichtet Hans Gareis.
In Neustadt wird Schmitt nun von 13. März an in einer Solo-Ausstellung mit dem Titel „Mischkonsum“ zu sehen sein. Was der vielseitige Künstler genau mitbringen werde, wisse er noch nicht, sagt der Kunstvereinsvorsitzende, aber die Auswahl sei groß und Malerei als Schwerpunkt gesetzt. Für Schmitt ist es quasi eine Rückkehr zu den Wurzeln, denn 2010 erhielt er noch als Student den „Preis für Junge Kunst“ des Kunstvereins und hatte dann zwei Jahre später in der Villa Böhm seine erste große Einzelausstellung. „Wer die Bilder von Dominik Schmitt einmal gesehen hat, vergisst sie nicht mehr so schnell“, schrieb diese Zeitung damals – eine Einschätzung, die heute viele teilen, auch wenn sich das düster-surreal-alptraumhafte Szenario der zumeist großformatigen Figurenbilder inzwischen etwas aufgelockert zu haben scheint. Seine ganz eigene, individuelle Mythologie verfolgt der 42-Jährige aber nach wie vor. Der Ausstellungstitel „Mischkonsum“ stehe metaphorisch für die zunehmende Überlagerung von Wissen und Glauben, von überprüfbaren Fakten und persönlichen Überzeugungen in unserer Gesellschaft, ist in der Ankündigung zu lesen. Man darf gespannt sein.
Da wo Dominik Schmitt schon ist, wollen Boglárka Balassa und Ann-Kathrin Krächan erst noch hin. Die beiden Künstlerinnen teilten sich 2024 den bislang letzten „Junge Kunst“-Preis und werden nun im November bei der zweiten Ausstellung des Neustadter Kunstvereins in größerem Rahmen vorgestellt. Die in Karlsruhe lebende Ungarin Balassa stach damals mit zwei Beispielen ihrer Serie „Auflösung“ hervor, fahnenartig arrangierten Textilarbeiten, die mit ihrem Spiel mit Texturen und Farben einen ganz eigentümlichen Reiz ausübten, Krächan, wie Schmitt Absolventin des Kunstinstituts der Uni Landau, zeigte vier informelle Bilder in der Tradition chinesischer Lackmalerei. Ob die Werke, die Ende des Jahres zu sehen sein werden, daran anknüpfen, lässt sich jetzt naturgemäß noch nicht sagen.
Eine „Junge Kunst“-Ausstellung soll es dann nach Worten von Hans Gareis auch 2027 wieder geben – sowie einen weiteren Kunstsenkrechtstarter aus der Region: Benjamin Burkard. Den Nachwuchspreis würde der Vorsitzende gerne perspektivisch erheblich aufwerten: mit Preisgeld und überregionaler Ausstrahlung. Vorher sind aber erst noch einige „Hausaufgaben“ zu erledigen. „Im Verein war einiges in Schieflage geraten“, sagt er und nennt eine Vielzahl von Feldern – vom Kontostand über die Mitgliederliste bis zur Gemeinnützigkeitserklärung gegenüber dem Finanzamt. Auch das Engagement der Mitglieder lasse zu wünschen übrig: Der Wechsel bei den mit Werken aus dem Kunstverein bestückten Saalbau-Galerie liege deshalb erst mal auf Eis, und auch beim „Art-Shop“, der Schaufenster-Galerie in der Neustadter Innenstadt, tue sich bislang mangels geeigneter Läden nichts. Die befürchtete Austrittswelle, weil es keine Mitgliederschauen in der Villa Böhm mehr geben wird, sei indes ausgeblieben. Zehn Abgänge seien durch ebenso viele Neueintritte vollständig kompensiert worden, so der Vorsitzende.