Obrigheim
Der Künstler Manfred Binzer lädt zu den ersten „India Days“ nach Mühlheim an der Eis
Manfred Binzer hat nicht nur ein Faible für Kunst, sondern auch für Tanz. Als der aus Mannheim stammende Maler und Grafiker im Oktober 2024 sein Atelier in der Alten Schule im Obrigheimer Ortsteil Mühlheim eröffnete, waren zur Feier des Tages Tänzer in der Schlosskirche nebenan. Sie begeisterten die Besucher mit einer Performance zu „Fratres“ des estländischen Komponisten Arvo Pärt. Jetzt lädt Binzer rund um seine Wirkungsstätte an der Eis zu den ersten „India Days“.
Es wird am kommenden Wochenende eine Mischung aus zeitgenössischen Gemälden, kulinarischen Genüssen und hoch entwickelten Tänzen, die ihren Ursprung in der uralten hinduistischen Tempelkultur Indiens haben. Binzer hat in seinem bis unters Dach mit Kunst gefüllten Anwesen zwei Zimmer für die Bilder von Andrea Sommer freigeräumt. Die Heidelberger Malerin mit deutsch-griechischen Wurzeln, die sich Asya nennt, sei bereits öfter in Indien gewesen, berichtet der 65-jährige Gastgeber. „Ihre Arbeiten, die im Spannungsfeld europäischer und indischer Kultur entstehen, haben eine kontemplative Tiefe“, erläutert Binzer. Dass Sommer Kunst nicht studiert hat, sei bedeutungslos: Ihre Gemälde hätten eine herausragende Qualität. 20 bis 25 Stück werde sie bei ihm präsentieren.
Gesten und Mimik penibel einstudiert
Wer zur Ausstellung kommt, kann – bereits vor der offiziellen Eröffnung – im Hof des denkmalgeschützten Alten Schulhauses kulinarische Spezialitäten des Subkontinents genießen. Sie werden aus einem indischen Foodtruck verkauft, der aus Heilbronn anreisen wird. Im Zentrum der „India Days“ stehen jedoch die klassischen indischen Tempeltänze. „Das ist sehr hohe Kunst“, schwärmt Binzer. Mit enormer Präzision würden Gesten der Hände, Mimik und rhythmische Fußarbeit einstudiert. „Sogar die Bewegung der Augen wird penibel geübt“, sagt er. Nach ganz festen Regularien seien auch die Körper der Akteurinnen bemalt.
In der Obrigheimer Schlosskirche erwartet werden neun junge Erwachsene von der Nisari-Kalakshetra- Tanzakademie in Mannheim, wo der Tanzstil Bharatanatyam unterrichtet wird. Für ihre traditionsreichen Tempeltänze bietet der barocke Sakralbau aus dem Beginn des 17. Jahrhunderts sich eine grandiose Kulisse. „Die Dozentin Shany Mathew ist mit einer Gruppe schon im vergangenen Jahr in unseren Hafenateliers auf der Friesenheimer Insel aufgetreten. Das hat mich tief beeindruckt“, erzählt Binzer, der die „India Days“ als Kick-off-Veranstaltung für eine ganze Reihe solcher Events ansieht, mit denen er die seinem Atelier benachbarte Schlosskirche mit Kultur und Leben erfüllen will. Mathew, im Hauptberuf Integrationsbeauftragte der Stadt Bad Friedrichshall bei Heilbronn, ist Inderin der zweiten Generation und hat den Tempeltanz direkt in Indien studiert. Sie trat auch schon in Bollywood-Filmen auf. In Mannheim unterrichtet sie an der Akademie rund 100 Schüler(innen), von Kindern bis Erwachsenen. Sie engagiert sich auch in der Deutsch-Indischen Gesellschaft, die Mitveranstalter der „India Days“ in Mühlheim ist.
Termin
Die ersten „India Days“ rund um das Alte Schulhaus in Mühlheim an der Eis starten am Samstag, 9. Mai, ab 15 Uhr. Zur Eröffnung (auch der Ausstellung mit Werken von Asaya) sprechen Thorsten Riehle, Kulturbürgermeister in Mannheim, Nicole Eicher, Bürgermeisterin der Gemeinde Obrigheim, und der Künstler Manfred Binzer. Der indische Tempeltanz in der Schlosskirche beginnt um 17 Uhr. Am Sonntag, 10. Mai, ist das Atelier dann nochmals von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.