Maikammer
Das Weingut Dengler-Seyler öffnet seinen Keller: Zwischen Holz, Edelstahl und viel Geduld
An diesem Nachmittag herrscht besonders viel Leben auf dem Hof des Weinguts Dengler-Seyler. Die Vorbereitungen für die Eröffnung des zum Weingut gehörenden Restaurants „Zum Winzer“ des Sternekochs Joshua Leise sind in vollem Gange. Einige Winzer liefern ihre Weine für die legendäre Weinkarte an. Auch vor der Vinothek werden Paletten verladen, Transporteure holen bestellte Weine ab.
Der Innenhof verbindet Gasthaus und Weingut mit seiner modernen Vinothek. Matthias Seyler lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Er genießt an diesem sonnigen Nachmittag seine Arbeit im Vertrieb und in der Vinothek. Restaurant und Vinothek sind zwei wesentliche Meilensteine in der langen Tradition des Weinguts – entsprechend ist Seyler hier und da gefragt. Ansonsten gilt seine Konzentration der Arbeit im Büro und im Verkauf.
Weinkeller aus der Barockzeit
Die Vinothek besticht durch ihre Architektur, während die beiden Keller des Weinguts die lange Geschichte des Familienbetriebs widerspiegeln. „Die Architektur ist dann gut, wenn sie alt werden kann“, sagt Matthias Seyler. Das Anwesen in der Weinstraße Süd 6 vereint beispielhaft Tradition und Moderne. Der Weinkeller stammt aus der Barockzeit, der Ausbau im Holzfass hat hier eine lange Tradition. Seit über 200 Jahren besteht das Weingut, das heute von Eva und Matthias Seyler in vierter Generation geführt wird. Ein weiteres Wahrzeichen ist das Weinberghäuschen „Sonnentempel“ auf dem Heiligenberg, erbaut im Jahr 1913.
Ein Blick in die Unterwelt des Weinguts: Matthias Seyler steigt die Treppe neben dem Gasthauseingang hinab, öffnet eine schwere Metalltür, die an eine alte Gefängnistür erinnert, und tritt in die feuchten, dunkel gefärbten Sandsteingewölbe. Dort lagern in Reih und Glied die Holzfässer. Auf manchen entdeckt man kleine Figuren – etwa eine goldene Schnecke auf einem Eichenfass mit einem 2025er Chardonnay. Sie steht für die Slow-Food-Bewegung, der sich die Ortsgemeinde Maikammer verpflichtet hat und die auch die Eheleute Seyler unterstützen.
Im Hauptkeller „wacht“ eine graue Maus auf einem 500-Liter-Fass mit einem 2024er Riesling vom Heiligenberg. „Man ist im Keller nie allein“, sagt Seyler augenzwinkernd. Gegenüber stehen Edelstahltanks. Der historische Winzerkeller aus dem Jahr 1768 wird heute vor allem für die Lagerung der Rotweine genutzt. „In solchen alten Kellern zu arbeiten, hat eine Seele. Ihr Wert für den Weinbau lässt sich nicht beziffern – er ist auch emotional“, sagt Seyler.
Zusammenspiel aus Edelstahl und Holz
Eine Schatzkammer mit besonderen Raritäten gibt es ebenfalls – sie ist jedoch nicht öffentlich zugänglich. „Wir haben noch einige Flaschen aus früheren Jahren aufgehoben“, erzählt er.
Der Winzerkeller ist nicht der einzige unterirdische Bereich. Unter der Vinothek befindet sich der Hauptkeller, ein ehemaliger Teil der Winzergenossenschaft, den die Familie 1999 vollständig renoviert hat. „Das war notwendig, um moderne Edelstahltanks mit Kühlsteuerung einzurichten“, erklärt Seyler.
Er ist zugleich ein großer Freund des Ausbaus in Holz: Barriques mit 225 Litern und Tonneaus mit 500 Litern Volumen, meist aus Pfälzer Eiche. Seyler schätzt das Zusammenspiel von Edelstahl und Holz. Beide Systeme finden sich im Keller: große Tanks auf der einen, gestapelte Holzfässer auf der anderen Seite.
„Entscheidend was im Keller ankommt“
Insgesamt lagern hier derzeit mehr als 100.000 Liter Wein, überwiegend Weißweine aus Lagen wie Maikammer Kirchenstück, Heiligenberg und Kapellenberg sowie aus Gewannen wie Im Obern Weinsper, Schlangengässel und Am Heiligen Berg. Die Weinberge werden naturnah bewirtschaftet, das Weingut ist inzwischen biozertifiziert.
„Entscheidend ist, was aus dem Weinberg im Keller ankommt“, sagt Seyler. „Die Kunst liegt darin, den richtigen Erntezeitpunkt mit optimaler Reife und guter Säure zu finden.“ Ebenso wichtig sei das Raumklima im Keller. „Wir haben einige Jahre gebraucht, um Temperatur und Luftfeuchtigkeit optimal einzustellen.“
Im Keller selbst gilt dann ein einfaches Prinzip: Geduld. „Wir lassen Ruhe einkehren, stören nicht und geben den Weinen Zeit zu reifen“, sagt Seyler. Manchmal sei Nichtstun die größte Kunst im Weinbau – gerade dort, im wichtigsten Ort des Weinguts.
Die Serie
In unserer Serie „Weinunterwelten“ öffnen Pfälzer Weingüter Türen, die sonst verschlossen bleiben. Wir werfen exklusive Blicke in alte Kellergewölbe und verborgene Schatzkammern – dorthin, wo Raritäten lagern und besondere Jahrgänge reifen.

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