Neustadt Dabei sein ist alles

Das britische Künstlerduo „Action Hero“ reist mit dem Wohnmobil durch ganz Europa, um Stimmen für eine Song-Bibliothek einzusamm
Das britische Künstlerduo »Action Hero« reist mit dem Wohnmobil durch ganz Europa, um Stimmen für eine Song-Bibliothek einzusammeln – am 25./26. Mai sind dabei auch die Neustadter gefordert.

«Neustadt». 15 Projekte mit 30 Künstlern aus zehn Ländern soll das Hambacher Demokratiefestival im September nach Neustadt bringen. Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was dann geboten wird, wollen die Macher des Kulturbüros der Metropolregion und der Stadt Neustadt den Bürgern aber bereits am übernächsten Wochenende, 25./26. Mai, mit einer „Sneak Preview“ auf dem Juliusplatz vermitteln.

Das Festival, das den Anspruch erhebt, mit künstlerischen Mitteln nach der Zukunft der Demokratie in Europa zu fragen, setzt in fast allen seinen Angeboten ganz bewusst auf Bürgerbeteiligung – auch schon im Vorfeld. Um die noch ein bisschen anzukurbeln und auch um das bislang für viele vielleicht noch etwas abstrakte Festprogramm richtig anschaulich zu machen, wird der Juliusplatz nun am Freitag und Samstag des letzten Mai-Wochenendes zur Bühne für drei der im September eingeladenen Künstlergruppen. Außerdem präsentiert die Kulturabteilung der Stadt den Heidelberger Graffiti-Künstler Aaron Diesbach, der im Herbst zwar nicht selbst mit dabei sein wird, aber auf dem Juliusplatz am Samstag live einen jener monumentalen Würfel besprayt, die bei der „Querfälltein“-Workshop-Woche auch den jungen Teilnehmern des Graffiti-Workshops zur Verfügung gestellt und anschließend ihren Platz dauerhaft in der Wallgasse finden werden. An beiden Tagen auf dem Juliusplatz präsent sein werden das britische Performance-Duo „Action Hero“ und das niederländische Künstlerkollektiv „Third Space“. Gemma Paintin und James Stenhouse, die sich 2005 zu „Action Hero“ zusammenschlossen, wollen dabei vor Ort in einem bunten Wohnmobil Stimmen und Lieder von Neustadter Bürgern sammeln, die in eine Song-Bibliothek voller Liebeslieder eingehen sollen, die die beiden auf einem über 30.000 Kilometer langen und sechs Monate währenden Roadtrip durch Europa in verschiedenen Ländern bereits aufgenommen haben oder noch aufnehmen werden. Daraus soll ein Beitrag entstehen, der unter www.oheuropa.com dann im Netz rund um die Uhr abgerufen werden kann. Derzeit ist das Duo gerade in Spanien unterwegs. Es geht bis Oktober aber auch noch in den hohen Norden Skandinaviens, ins Baltikum, der Ostgrenze der EU entlang bis nach Griechenland. Die von der niederländischen Regisseurin Lotte van den Berg ins Leben gerufene Gruppe „Third Space“ will in Neustadt mit Teilnehmenden aus der Region das Gesprächsformat „Building Conversation“ erproben, ein performatives Projekt ohne Schauspieler und ohne Publikum, bei dem durch die Beschäftigung mit Gesprächstechniken aus aller Welt die Art und Weise reflektiert werden soll, wie wir im Alltag miteinander kommunizieren. Im Hintergrund der Idee steht die Erkenntnis, dass wir zwar alle viel Energie darauf verwenden, unser Auto, unser Haus, unseren Körper zu pflegen, aber kaum beachten, wie wir sprechen und mit den Menschen um uns herum Verbindungen und Beziehungen eingehen. Die Gespräche bei „Building Conversation“ finden auf Deutsch oder Englisch statt. Da die Platzzahl begrenzt ist, bitten die Verantwortlichen des Metropol-Büros um Anmeldung (und eventuell Angabe der bevorzugten Sprache) unter matchbox@m-r-n.com. Nur am Samstag ist außerdem das Mannheimer Planungs- und Stadtentwicklungsteam „Yalla Yalla – Studio for Change“ auf dem Juliusplatz präsent, das aus Holz die mobile Festivalarchitektur für das Wochenende im September entwirft und gemeinsam mit den Bürgern baut. Am 26. Mai soll es dazu einen Bauworkshop geben, bei dem gemeinsam kreative Möbel gefertigt werden. Und weil grundsätzlich alles bei dem Festival in bester demokratischer Tradition partizipativ ablaufen soll, laden die Verantwortlichen auch am Freitag zur Gründung eines Unterstützernetzwerks mit dem Titel „Hambach! Das Komitee“, bei dem sich jeder einbringen können soll, der in irgendeiner Form Interesse an dem Demokratiefest hat. Dem hohen Wert, der der Bürgerbeteiligung hier eingeräumt wird, entspricht auch der äußere Rahmen: Veranstaltungsort ist der Neustadter Ratssaal, also das Zentrum der demokratischen Willensbildung in der Stadt.

Der rote Kopf ist das Symbol der Matchbox-Kulturprojekte in der Metropolregion.
Der rote Kopf ist das Symbol der Matchbox-Kulturprojekte in der Metropolregion.
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