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Celina Sattelkau aus Neustadt: Golfprofi und Kleinunternehmerin
Die ersten beiden Siege nach dem Wechsel ins Profilager und Kängurus auf der Spielbahn: Für Golfspielerin Celina Sattelkau hat das Jahr 2026 sportlich höchst erfolgreich und exotisch begonnen. Nach Turnierteilnahmen in Südafrika und Australien kehrt die Neustadterin für einige Tage wieder einmal in ihre Wohnung in Hambach zurück und wird bei Trainingsrunden auf der Anlage ihres Heimvereins in Geinsheim an ihrem Spiel feilen.
Erst Ende 2024 ist Celina Sattelkau ins Profilager gewechselt, nachdem sie im gleichen Jahr neben guten Einzelplatzierungen mit der deutschen Damenmannschaft erstmals Team-Europameisterin geworden war. Zwei Jahre zuvor hatte sie mit dem Team D bereits mit der WM-Bronzemedaille Geschichte geschrieben. 2023 war sie Mitglied der Auswahl von zwölf Topspielerinnen aus Europa beim Sieg gegen die Mannschaft Asia-Pacific. Eine Erfahrung, die bei der Neustadterin Lust auf mehr macht: „Mein Traum ist jetzt neben einem Start für Deutschland bei Olympischen Spielen auch die Teilnahme am Solheim-Cup, dem traditionsreichen Vergleich zwischen Europa und den USA. Auch wenn ich weiß, dass die Konkurrenz groß und der Weg dahin weit ist.“
Kängurus auf dem Platz
Erfahrungen auf Golfplätzen im Austragungsland der Olympischen Spiele 2032 machte sie zuletzt schon bei zwei Turnieren in Australien. „Dabei habe ich in der letzten Woche sicher rund 100 Kängurus auf dem Platz gesehen, und das war insgesamt ein echt cooles Erlebnis.“ Die besten 80 Spielerinnen der Ladies European Tour trafen zweimal auf 40 Topgolferinnen aus Australien bei gemeinsamen Veranstaltungen mit besserem Preisgeld und TV-Möglichkeiten. Bei den Australien Open in Adelaide war sie daher zunächst überrascht über das ungewohnte Umfeld.
Sattelkau: „Das war für mich erst einmal ein großer Schock. Medien überall, alle Leute mit vielen Trainern und Mental- sowie Fitnesscoaches, und ich war mehr oder weniger allein unterwegs. Das hat sich angefühlt wie auf dem nächsten Level. Aber leider lief es dann erst einmal nicht so gut . Ich habe nicht das Golf gespielt, das ich kann.“
Weltranglistenplatz 564
Beim zweiten Turnierstart in Down Under bei den ebenfalls sehr stark besetzten Australien WPGA Championships lief es nach Anfangsproblemen mit Platz 81 deutlich besser, „und ich bin stolz darauf, danach in den wichtigsten Momenten mein bestes Golf gespielt zu haben“. Auf den verbleibenden drei Runden kämpfte sie sich von außerhalb des Cuts der besten 60 Spielerinnen immer weiter nach vorne und beendete das Turnier auf dem geteilten 27. Platz. Mit den dabei erspielten Punkten, den zweitmeisten nach Platz sieben bei den Swiss Ladies Open im Vorjahr, verbesserte sie sich in der Weltrangliste auf Platz 564.
Vielleicht genau so wichtig wie die Punkte waren die in der Turnierwoche gewonnenen Erkenntnisse: „Was funktioniert gut? Und wo habe ich noch Potenzial?“ Ihre positiven Fähigkeiten hatte sie eindrucksvoll zuvor bei zwei Turnieren auf der Sunshine Ladies Tour in Südafrika dokumentiert, bei denen sie ihrem ersten Sieg nach dem Einstieg ins Profilager Ende 2024 gleich einen zweiten folgen ließ. Bei der ersten Standortbestimmung des neuen Jahres trotzte sie Anfang Februar im Humewood Golf Club zunächst den schwierigen Bedingungen mit Nebel und Wind und siegte letztlich in einem dramatischen Stechen.
Starke Nerven
Nach mehreren Extralöchern nutzte sie ein Bogey ihrer mittlerweile in der Weltrangliste unter den besten 40 Spielerinnen notierten Gegnerin Cassandra Alexander und bewies gute Nerven, „das ist auf jeden Fall eine meiner Stärken.“ Eine Woche später triumphierte sie sogar mit fünf Löchern Vorsprung beim zweiten Erfolg am Kap beim NTT Data Ladies-Pro Am. „Auch ohne dabei Weltranglistenpunkte gewonnen zu haben, war das für mich ein Riesenerfolg. Auf dem Profilevel zu gewinnen, ist einfach richtig stark.“
Damit ist die Entwicklung bei den regelmäßigen Einsätzen auf den Turnieren der Ladies European Tour (LET) noch lange nicht zu Ende, hofft Celina Sattelkau. „An meiner Schwäche im kurzen Spiel muss ich vor allem noch arbeiten.“ Gerade bei einem starken Teilnehmerfeld zeige sich im Spiel um den Grüns der Unterschied zu etablierteren Spielerinnen. Man dürfe sich keine Fehler erlauben. Deshalb werde sie zukünftig mit einem neuen Trainer gezielt an ihrem Schwachpunkt arbeiten, kündigt sie Veränderungen in ihrem Umfeld an.
Zimmer mit anderen teilen
Dann sollten auch die nächsten Ziele erreichbar sein, wobei ein Sieg bei einem der größeren Turniere auf der LET-Tour und Platz 70 beim Jahresabschluss im Mittelpunkt stehen. Damit wären 2027 ein Tourplatz gesichert und die Chance gewahrt, einmal den Aufstieg in die Ladies PGA-Tour als höchste Kategorie des Frauengolf zu schaffen.
Noch aber steht die Neustadterin am Beginn ihrer Karriere. „Der Anfang ist schwierig. Man hat erst einmal noch kein sehr glamouröses Leben. Man teilt sich oft die Zimmer und übernachtet nicht in einer Fünf-Sterne-Unterkunft“, macht sie auf die Probleme von jungen Spielerinnen beim Einstieg in das Profileben aufmerksam. Deshalb gebe es auch einen guten Zusammenhalt zwischen den momentan vier deutschen Spielerinnen auf der Tour und ihren Kolleginnen aus Österreich und der Schweiz. „Wir unternehmen auch außerhalb des Golfplatzes etwas zusammen.“
30 Turniere in 20 Ländern
Als selbstständige Kleinunternehmerin muss sie zudem alle Reisen selbst finanzieren, wobei die European Ladies Turnier im Vorjahr immerhin 30 Turniere in 20 Ländern umfasste – auch außerhalb Europas. Auf der Einnahmenseite stehen die erspielten Preisgelder und Einkünfte von Sponsoren. „Damit bin ich noch nicht so reich gesegnet“, verrät die Neustadterin, die sich aber über eine nennenswerte Unterstützung seitens des Deutschen Golf-Verbandes für den hoffnungsvollen Golfnachwuchs freut. Nicht nur aus Imagegründen, sondern auch finanziell geholfen hat dem Frauengolf in Deutschland dabei der Gewinn der Silbermedaille von Esther Henseleit bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris mit einer Erhöhung der Fördermittel vom Deutschen Olympischen Sportbund.
Weiter wird Celina Sattelkau auch von ihrem Heimatverein St. Leon Rot unterstützt, für den sie lange in der Bundesliga erfolgreich aktiv war. Zu dem für seine Nachwuchsarbeit bekannten Club in Baden war sie bereits im Alter von zehn Jahren gewechselt, nachdem sie drei Jahre zuvor im Golfclub Pfalz in Geinsheim die ersten Bälle geschlagen hatte. Mit dem Vereinswechsel erfolgte der Wechsel vom Neustadter Leibniz-Gymnasium in eine G8-Schule nach Mannheim.
Fünf Jahre im Ausland
Bereits seit 2016 gehört Celina Sattelkau dem deutschen Nationalkader an und zog nach dem Abitur mit ihren Erfolgen das Interesse von Trainern und Scouts amerikanischer Universitäten auf sich. „Nachdem ich fünf Jahre im Ausland gelebt habe, ist Neustadt wieder mein Hauptwohnsitz“, so die Pfälzerin. „Auch wenn ich wegen meines Sports viele Wochen unterwegs bin, freue ich mich vor allem im Herbst auf die Weinfeste mit Freunden. Und alkoholfreie Weinschorle gibt es ja mittlerweile auch.“
Nach dem Abitur hatte es sie in die USA gezogen, wo im Golf an den Universitäten über ein Sportstipendium eine optimale Kombination von Ausbildung und Sportkarriere angeboten wird. Letztlich habe sie fünf verschiedene Universitäten besucht und sich für die Vanderbilt-Universität in Nashville entschieden, so die 25-Jährige. „Neben den sportlichen Aussichten auch wegen des guten Wetters und einer guten akademischen Ausbildung.“ In Tennessee feierte sie zahlreiche Erfolge und erhielt unter anderen die zweifache Auszeichnung als All-American für ihre Leistung als Top-25-Spielerin. „Weil man im Golf später Profi wird als beispielsweise beim Tennis, ist der Collegesport die optimale Vorbereitung. Ich treffe auch bei Turnieren noch gute Spielerinnen aus der damaligen Zeit“, erzählt Sattelkau. „Ich habe mich an der Universität sehr wohl gefühlt und würde mich heute jederzeit wieder so entscheiden.“
Abschluss mit Auszeichnung
2024 schloss sie die Universität mit der Verleihung des renommierten Dinah Shore Trophy Award ab, mit dem neben ihren hervorragenden sportlichen Leistungen auch die akademische Exzellenz und das gesellschaftliche Engagement gewürdigt wurden. „Ich habe meine Liebe zur Natur in der Jugend durch meine Nähe zum Pfälzerwald kennen gelernt und intellektuell an der Uni weiter verfolgt“, erklärt sie das Interesse an dem Thema Umwelt und Nachhaltigkeit. Nach einem Bachelor-Abschluss nach einem Doppelstudium in Psychologie und Wissenschaftskommunikation absolvierte sie im Süden der USA in weniger als einem Jahr ebenfalls mit Auszeichnung noch den Master of Science in Finance.
Gerade im Golfsport sehe sie große Chancen, der gesellschaftlichen Verantwortung im Sport gerecht zu werden, sagt Celina Sattelkau, auch wenn er wegen des Flächen- und Wasserverbrauchs oft kritisch gesehen werde. So gebe es in Deutschland und den USA Programme zu Nachhaltigkeit und Biodiversität. Golf könne dazu einen wichtigen Beitrag leisten, „zumal wir auch selbst bei Turnieren von Wettereinflüssen betroffen sind“.