Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Breite Zustimmung für Neuordnung

Sven Ohlinger übernahm zu Saisonbeginn erneut das Traineramt beim TuS Niederkirchen.
Sven Ohlinger übernahm zu Saisonbeginn erneut das Traineramt beim TuS Niederkirchen.

Die geplante Strukturreform im Südwesten stößt im Kreis Rhein-Mittelhaardt rund um Neustadt und Haßloch auf breite Zustimmung. Es gibt aber auch Bedenken.

Vor wenigen Tagen stellte der Südwestdeutsche Fußballverband (SWFV) einen Vorschlag zur künftigen Struktur der Spielklassen bei den Männern vor. Damit wurde das Präsidium von den Vereinen beim letzten Verbandstag einstimmig beauftragt, um dem massiven Mannschaftsschwund der letzten Jahre zu begegnen.

Dazu wurden 3000 Fragebögen der Vereine ausgewertet, angedacht sind drei substanzielle Änderungen: Der Wegfall der Kreisgrenzen, eine deutliche Erhöhung der Staffeln ab der Landesliga abwärts und die Abschaffung der C-Klassen. Unter künftig drei statt zwei Landesligen soll die Anzahl der Bezirksligen von vier auf sechs erhöht werden, es soll 15 statt zehn A-Klassen geben, bis zu 36 B-Klassen würden die unterste Stufe mit Aufstiegsrecht bilden. Zusätzlich sollen Ligen ohne Wettbewerbscharakter mit flexiblen Bausteinen wie Doppelrunden, variablen Mannschaftsstärken und Kleinfeldformat angeboten werden.

In der Südpfalz gibt es zahlreiche Bedenken, doch im Kreis Rhein-Mittelhaardt rund um Neustadt und Haßloch stößt die Initiative auf breite Zustimmung. Bei der Präsentation vertrat Abteilungsleiter Andreas Schlick den 1. FC Hambach. Der bekannte und viel beschäftigte Schiedsrichter meint: „Es ist gut, dass etwas passiert. Der Verband muss auf den demografischen Wandel und das schwindende Interesse der Jugend am Mannschaftssport eine Antwort finden. Doch es ist ein schweres und komplexes Ding.“ Er sieht in erster Linie die kleineren Vereine in der Pflicht, fordert mehr Investitionen in die Jugendarbeit. „Immer mehr Nachwuchsspieler schließen sich größeren Vereinen an, dort finden sie meist qualifizierte Trainer oder bekommen eine Jacke oder ein Shirt dazu“, so Schlick. Mit Hinweis auf die Landesligajahre des SV Geinsheim („die Vereine aus Mainz hatten kaum Fans dabei“) freut er sich auf mehr Derbys mit kürzeren Wegstrecken. Viel Zustimmung erhält der Verband auch vom FC 08 Haßloch. Trainer Steffen Litzel konstatiert: „Die vorgestellten Ideen waren schlüssig. Die Interessen aller Vereine wurden je nach Leistungsstärke berücksichtigt. Wir unterstützen dieses Konzept.“ Was meint der Übungsleiter der Bezirksligamannschaft zur Abschaffung der C-Klasse? „Ich denke, jeder ehrgeizige Sportler will sich mit anderen im Wettbewerb messen. Eine Alternative ohne Punkte und Titel wird ja angeboten. Aber Leistungsunterschiede und hohe Resultate hat es schon immer gegeben.“

Der TuS Diedesfeld nimmt aktuell nur mit einer aktiven Mannschaft am Spielbetrieb teil. Horst Rudolph, Präsident des Tabellendritten der B-Klasse West, schildert die aktuelle Situation seines Vereins: „Im Sommer hatte es personell nicht für zwei aktive Mannschaften gereicht. Doch im Laufe der Vorrunde hatten wir viel Zulauf, doch während der Saison kann man ja aktuell keine Mannschaft nachmelden.“ Deshalb wäre es aus Rudolphs Sicht für den TuS ideal, wenn es die angedachte Alternative ohne Aufstiegsrecht bereits geben würde.

Beim TuS Niederkirchen hat der Sportliche Leiter Sven Ohlinger zu Saisonbeginn wieder das Traineramt übernommen. Neben dem demografischen Wandel sieht er im veränderten Freizeitverhalten den Hauptgrund für die Reduzierung der aktiven Mannschaften von 1200 auf unter 900 im Verbandsgebiet während der letzten Dekade. Er begrüßt, dass dieser Entwicklung verbandsseitig aktiv Rechnung getragen wird. Doch Ohlinger befürchtet ein zu großes Leistungsgefälle in den künftigen B-Klassen. „Den Teams aus den hinteren Tabellenregionen der C-Klasse drohen dann hohe Niederlagen. Diese Spieler könnten die Lust verlieren und den Vereinen dann auch als helfende Hände fehlen.“

Vincent Waldmann vom Bezirksligisten TSG Deidesheim sieht es pragmatisch: „Wir sind stolz, dass wir seit zehn Jahren drei Mannschaften haben. Unsere Dritte will auch künftig um Punkte spielen.“ Bei einem verstärkten Aufstieg hofft er auf das Hochrücken der zweiten Mannschaft in die A-Klasse. Mit am stärksten vom Mannschaftssterben der letzten Jahre war die Region westlich von Neustadt betroffen. Viele Clubs verschwanden ganz von der Landkarte, einen eigenständigen hat fast niemand mehr. Björn Schöneberger ist zweiter Vorsitzender des FC Wacker Weidenthal, der eine Spielgemeinschaft mit dem ASV Esthal bildet. Er begrüßt die Reform: „Es ist womöglich die einzige Alternative, um künftig überhaupt noch einen organisierten Spielbetrieb zu gewährleisten.“

Steffen Litzel, der Trainer von 08 Haßloch.
Steffen Litzel, der Trainer von 08 Haßloch.
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