Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Braucht Neustadt einen Sportverband?

Könnte ein Onlinebuchungssystem wie das des TC Rot-Weiß Neustadt eine Lösung für die Probleme bei den Belegungen der städtischen
Könnte ein Onlinebuchungssystem wie das des TC Rot-Weiß Neustadt eine Lösung für die Probleme bei den Belegungen der städtischen Hallen sein?

Brauchen Neustadter Sportvereine einen Sportverband? Der Oberbürgermeister gibt eine klare Antwort. In der Mitgliederversammlung des Verbandes geht es auch um eine Umfrage.

„Ist der Sportverband noch zeitgemäß? Welche Leistungen sollte der Sportverband übernehmen?“, fragte Armin Deitersen, Beisitzer im Neustadter Sportverband, und leitete damit zur Präsentation einer Umfrage unter den Neustadter Sportvereinen ein. Von 61 Vereinen hätten sich 27 an der Umfrage beteiligt, hätten anonym 50 Fragen sowie Freitext zu acht Themengebieten beantwortet, informierte Deitersen die anwesenden Vertreter aus 23 Vereinen. Die Mehrheit der Rückmeldungen sei aus Vereinen mit bis 300 Mitgliedern gekommen. Doch auch Vereine mit mehr als 750 Mitgliedern seien vertreten.

Marc Weigel, nicht nur Neustadts Oberbürgermeister, sondern ebenfalls Sportdezernent, findet „die Herangehensweise richtig, in den Vereinen zu hören, was sie von ihrem Dachverband erwarten“. Es ergebe ein repräsentatives Bild, wenn sich zirka die Hälfte der Vereine und gerade die großen an der Umfrage beteiligt hätten.

Bedarf an städtischen Anlagen

„Ein erheblicher Teil der Vereine, nämlich 40 Prozent, hat keine eigenen Anlagen“, sagte Deitersen zum Umfragethema „Infrastruktur und Sportangebote“. So sei ein großer Bedarf an städtischen Anlagen vorhanden. Nur geringes Interesse gebe es in den Clubs an gemeinsamen Großveranstaltungen und Festen. Deitersen: „50 Prozent der Vereine würden nicht aktiv mitmachen, da ihnen die Leute fehlen.“

Problem Hallenbelegung

Drittes Thema sind die zentralen Herausforderungen der Clubs: Hauptprobleme, so der Beisitzer, seien fehlende Übungsleiter (von 70 Prozent angegeben) und Mitgliederschwund (44 Prozent). „Es ist ein hartes Brot, Übungsleiter zu gewinnen“, weiß Deitersen. Begrenzte Hallenkapazitäten plagten 22 Prozent der Vereine. Ein Thema seien hier die Schließzeiten der städtischen Hallen während der Sommerferien. „Uns sind schon Spieltermine durch die Lappen gegangen“, berichtete Doris Jung, Vorsitzende der BSG Neustadt, von Problemen mit Hallenbelegungszeiten. Es könne ihr keiner sagen, dass Schulen erst 14 Tage vorher wüssten, dass sie an einem bestimmten Tag eine Theateraufführung in der städtischen Sporthalle hätten. „Bei uns muss man sich online einen Hallenplatz buchen“, schlug Bernd Eichhorn, Vorsitzender des TC Rot-Weiß Neustadt, eine Lösung vor. Ähnliches nannte Tobias Weisenburger, Vorsitzender des Sportverbandes: „Ich weiß von einem System, mit dem sich jeder mit seinem Handy online für eine Hallennutzung anmelden kann.“ Dass die Clubs von ihrem Sportverband eine Lösung zu diesem Problem erwarten, ergab die Umfrage: Deitersen nannte als Wunsch das Einführen eines transparenten elektronischen Buchungs- und Belegungssystems für städtische Sporthallen.

Um die Unterstützung bei der Suche nach Übungsleitern und anderen Ehrenämtlern geht es im Themenbereich fünf. In der Präsentation heißt es: „Die neue Webseite des Sportverbandes sollte vor allem für Übungsleiter/Ehrenamtssuche und Angebote genutzt werden – hier besteht der größte konkrete Bedarf.“

Stammtische nicht gewünscht

Nach Informationen und Weiterbildung hat der Sportverband ebenfalls gefragt. „Informationsangebote zu Kosten, Zuschüssen und Sportfördermitteln werden als wichtig bewertet“, teilte Deitersen mit. Regelmäßige Stammtische und ein formalisierter Erfahrungsaustausch würden als weniger wichtig eingeschätzt.

Zum Thema Kostenersparnis und gemeinsame Lösungen sähen die Sportvereine gemeinsame Energieverträge beispielsweise mit den Stadtwerken sowie vereinsübergreifende Erste-Hilfe-Aus- und Fortbildungen überwiegend als wichtig an.

Interesse an Landesgartenschau

Es gebe Interesse an der Sportplanung auf dem Gelände der Landesgartenschau, hat die Umfrage zudem ergeben. Um aber aktiv Sportangebote umzusetzen, wünschten sich viele Vereine „zuerst konkretere Informationen, bevor sie sich beteiligen“.

Deitersens Fazit zu den Umfrageergebnissen: „Der Sportverband Neustadt wird nicht automatisch als notwendig wahrgenommen, kann aber einen klaren Mehrwert bieten, wenn er sich auf wenige, praxisnahe Aufgaben konzentriert.“ Er denkt dabei an Unterstützung bei Ehrenamtsgewinnung, Information wie Beratung zu Fördermitteln, Koordination und Vermittlung zum Beispiel bei Hallennutzung und Weiterbildungen.

„Wir stehen als Stadt vor der Herausforderung, dass wir die Unterstützung der Vereine für die Zukunft sichern können“, sagte Marc Weigel. Wie herausfordernd dies wird, verdeutlichte er: „Wenn wir auf unsere Finanzen blicken, stehen wir vor einer Entwicklung, die wir seit Ende des Zweiten Weltkriegs so noch nicht erlebt haben.“ Die Situation der Landkreise und kreisfreien Städte sei desolat. Weigel: „Die Sozialkosten wachsen uns über den Kopf.“ Man rede im laufenden Jahr von über 60 Millionen Euro, die die Stadt selbst aufbringen müsse. Dieser Eigenanteil sei in den vergangenen fünf Jahren über 50 Prozent gewachsen. Im laufenden Jahr habe Neustadt ein Defizit von 25 Millionen Euro. „Nächstes Jahr sind es vielleicht 35 Millionen Euro.“ Um das Defizit zu verringern, müsse man die Ausgaben für freiwillige Leistungen, 14 Millionen Euro seien es insgesamt, reduzieren. Streiche man alle freiwilligen Leistungen, „wäre dies das Aus für die Stadtbücherei, sämtliche Schwimmbäder und die Sportförderung“, gab er zu bedenken. „Was bedeutet das für den Stadtverband für Sport? Wir brauchen Sie noch viel mehr als früher.“ Man werde künftig erklären müssen, was künftig nicht mehr gehe. „Wichtig ist, dass wir uns gut miteinander abstimmen“, hob der Oberbürgermeister hervor.

„Wir werden mit Sicherheit in Zukunft keine neuen Sportgelände bauen können“, sagte Weigel und verriet eine Idee, um Kosten zu sparen: So überlegte er, spät abends in den städtischen Sporthallen keine Hausmeister mehr vor Ort zu haben. „Stattdessen gibt es je einen Verantwortlichen in einem Verein, der abends das Licht ausmacht und die Türen abschließt.“ Ein starkes, funktionierendes Ehrenamt sei nötig, „wenn wir erhalten wollen, was uns lieb und wichtig ist“. Weigel: „Ich freue mich auf einen aktiven und starken Stadtverband.“

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