Deidesheim
Boulevardtheater: Premiere von „Wer heiratet schon freiwillig?“
Boulevardtheater, das ist meist ein realistisch dekoriertes Zimmer auf der Bühne mit mehreren Türen durch die die Schauspieler hinein- und hinaustürmen, wobei skurrile Situationen durch Verwechslungen und Doppeldeutigkeiten mit Lachgarantie entstehen. So ist das auch bei „Wer heiratet schon freiwillig?“, der Komödie des Monsheimer Autoren Gerry Jansen, bei dem Tanja Götemann sowohl mitspielt, als auch Regie führt.
Götemann hat das Stück vor vielen Jahren bereits als Schauspielerin im Theater des Autors gespielt. Bei ihrer Inszenierung sei es ihr wichtig, dass jede Rolle für sich glänze – die fünf Akteure seien nahezu gleichberechtigt. Alle Mitwirkenden brachten in den Proben ihre Ideen ein, sie sei stolz auf diese Ensemblearbeit. Sascha Korf und Boris Stijelja haben zusätzlich das Ganze nochmal aufgepeppt – und es wurde gekürzt. Im Original dauere das Stück drei Stunden.
Narzisst stimmt seine Pläne nicht ab
Der Theaterabend beginnt harmlos: Ein Pärchen, der Dirigent Bernhard Nudel (Michael Lipponer) und seine Lebensgefährtin Karin Bach (Tanja Götemann), eine erfolgreiche Lektorin, möchte ein gemeinsames Wochenende in der Ferienwohnung des Geigers Tim Thomas (Sören Messing) verbringen. Sie dürfen die Wohnung nutzen, der Schlüssel liegt unter der Fußmatte.
Bernhard Nudel, der sich gerne französisch mit „Bernard Nudèle“ ansprechen lässt, eine Idee des Ensembles, ist ein selbstverliebter Narzisst, der keine Planungen abspricht. So kommt es wie es kommen muss: Der Eigentümer ist just an dem Wochenende selbst anwesend. Er hat eine Heiratsannonce aufgegeben und erwartet nun nervös die Unbekannte. Zusätzlich wartet er auf den Klempner Herrn Sack (Tom Holländer), der seinen Wasserhahn reparieren soll – und der immer wieder stotternd in die Szenerie hereinstolpert, was zu vielen Verwechslungen und doppeldeutigen Witzen führt.
Lacher bereits zum Auftakt
Gleich in der ersten Szene bei der Ankunft im Feriendomizil sorgt das Verhalten Nudèles für Lacher: Ganz ohne französischen Charme lässt er seine Lebensgefährtin alleine die Koffer schleppen. Er sei schließlich Dirigent und zum „dirigieren und delegieren“ da, wenn der liebe Gott ihn zum Tragen geschaffen hätte, hätte er ihn „Samsonite“ genannt und nicht „Monsieur Nudèle“. „Du bist nicht Monsieur Nudèle“, berichtigt ihn Karin, „sondern Bernhard Nudel aus Haßloch“. Ob sie heute einen Clown gefrühstückt habe, kontert Nudel, worauf sie antwortet: „Nein, aber ich bin mit einem Kasper zusammen.“
Mit offenem schrill-glänzendem Synthetikhemd steht er breitbeinig selbstverliebt da und präsentiert seinen sportlichen Oberkörper. Er hält sich für unwiderstehlich – eine Karikatur eines Machos. Es kommt noch besser: Als der Geiger Tim auftaucht, und ihm klarmacht, dass er die Wohnung selbst brauche, weil er auf sein Date warte, erntet dieser nur Häme. Welche Frau habe es schon nötig, auf eine Heiratsannonce zu antworten.
Macho sieht sich als Frauen-Zähmer
Der schüchterne Geiger ist für ihn lediglich ein „Saitenkratzer“, obwohl er in seinem Orchester spielt. Als dann aber die rassige Südländerin Letizia (Katrin Lohschütz) durch die Tür kommt, schaltet er den sensiblen Tim durch einen Trick aus. Ohnehin ist er der Überzeugung, nur er könne solch eine attraktive Frau „zähmen“, Tim solle derweil mit seiner Frau „üben“. Er erklärt Letitia, dass er es war, der die Annonce aufgegeben habe, Tim sei in Wirklichkeit mit Karin Bach zusammen und zudem schwul – er habe ihn mit dem Klempner im Keller erwischt. Tatsächlich schafft es der Fuchs die Schöne in ein Restaurant einzuladen. Aber er hat die Rechnung ohne seine Partnerin gemacht, die von der Sache Wind bekam: Telefonisch sperrt sie die Kreditkarten und der Filou kehrt verärgert mit seinem Seitensprung in spe zurück.
Nun geht’s rund: Die Frauen verbünden sich und stellen den Männern mit den Waffen von Frauen eine Falle, in die die beiden natürlich tappen. Schnell wird ihnen bewusst, dass sie den Bogen weit überspannt haben: Im wahrsten Sinne des Wortes nackt blicken die Männer dieser Tatsache ins Gesicht. Vor allem Nudèle ist nun bemüht Pläne auszuhecken, wie sie ihre Frauen zurückgewinnen können – mit Tricks, die krachend scheitern. Aber dann gibt es doch noch ein Happy End. Das Publikum: begeistert.
Info
Weitere Aufführungen am Samstag, 4. und 11. April um 17 Uhr und 20.15 Uhr, am Montag, 6.4. um 14.30 Uhr und 18 Uhr, am Sonntag, 12.4. um 14.30 Uhr und 17.30 Uhr. Tickets gibt es unter info@boulevard-deidesheim.de und 06326 2558855 ( Mo, Di, Do, Fr von 11 bis 15 Uhr).