Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Blue note Big Band: Stimmen und Instrumente zum Jahresauftakt

Lieferten den Gesangspart des Konzerts: Sarah Heinz und Simon Siener.
Lieferten den Gesangspart des Konzerts: Sarah Heinz und Simon Siener.

Was braucht es, um ein Neujahrskonzert auf die Beine zu stellen, das überregionalen Ruf genießt und dabei doch in Eigeninitiative von engagierten Amateuren gespielt wird?

Die Neustadter Blue note Big Band weiß die Antwort: ganz viel Liebe zur Musik. Dazu kommen 18 herausragende Orchestermusiker, ein namhafter Dirigent, zwei Vokalisten, die dem Ganzen ein sympathisches Gesicht geben, ein Techniker, der für den guten Ton sorgt, sowie ein Moderator, der mit natürlichem Charme und Fachwissen überzeugt.

Ergänzt durch eine ebenso gemütliche wie traditionsreiche Location wie den Saalbau und ein Programm, das nicht aus Wiederholungen besteht, sondern jeden Jahresanfang zu einem frischen musikalischen Hochgenuss macht, ergibt sich ein Gesamtpaket, das alles andere als selbstverständlich ist. Nicht einfach, all diese Voraussetzungen zu erfüllen. Aber Neustadts Vorzeigeklangkörper schafft das regelmäßig so sicher, wie der Jahresanfang stets auf den 1. Januar fällt. Um eine derartige Herausforderung annehmen zu können, bedarf es logischerweise einer langen Vorbereitung. Kernstück dieser intensiven Probenarbeit ist traditionell ein Workshop in der Landesmusikakademie Rheinland-Pfalz im Neuwieder Schloss Engers. Zwischen Weihnachten und Silvester zieht sich die Blue note Big Band dorthin zurück und arbeitet mehrere Tage konzentriert an ihrem Programm.

Bassposaunist Erik van Lier am Pult

In diesem Jahr stand dabei der niederländische Bassposaunist Erik van Lier am Pult. Bereits in den ersten Proben zeigte sich, mit welcher Ruhe und Klarheit van Lier an den Big-Band-Sound herangeht. Präzise Gesten, wenige Worte, dann wieder Zuhören – ein Arbeiten auf Augenhöhe, das der erfahrenen Formation noch letzte Nuancen entlockte. Kein Wunder, schließlich hat van Lier unter anderem als Mitglied der legendären Kenny Clarke/Francy Boland Big Band internationale Maßstäbe kennengelernt und war zudem als Gastmusiker der Rockgruppe Ekseption tätig. Zusätzlich zu seiner Rolle als Workshopleiter übernahm er beim Neujahrskonzert in Neustadt, auf Einladung von BnBB-Kapellmeister Bernd Gaudera, auch das Dirigat.

Moderator Markus Lichti stellte ihn dem Publikum als einen Meister seines Fachs vor, der die Band mit seinem unerschöpflichen Erfahrungsschatz nicht nur in Neuwied, sondern nun auch im Saalbau nachhaltig bereichert habe. Wer nun aber einen elitären, etwas weltfremden Menschen auf der Bühne erwartet hatte, sah sich Gott sei Dank grundlegend getäuscht. Der Star präsentierte sich bodenständig, geerdet und mit keinerlei Allüren behaftet. In schlichtem schwarzem Anzug, schlohweißem Haar, akkurat geschnittenem Schnurrbart, die goldumrahmte Brille ganz vorne auf der Nasenspitze sitzend, erwies sich van Lier als Kumpeltyp, der mit sehr viel Humor ausgestattet ist und, obwohl kleingewachsen, doch ein ganz Großer der Szene ist.

So viel Gesang wie nie

Schwungvoll und mitreißend, wie es sich für ein Neujahrskonzert gehört, legten er und die Band mit einer Komposition von Wilton Gaynair, „The Healer“, arrangiert von Peter Herbolzheimer, los. Insgesamt 19 Stücke hatten van Lier und die Blue note zusammen einstudiert, allein zehn davon gesungen. So viel Gesang hatte es zuvor bei einem Neujahrskonzert der BnBB noch nie gegeben. Das Warum war aber leicht nachvollziehbar. Die menschliche Stimme war 2025 vom Deutschen Musikrat zum Instrument des Jahres gekürt worden. Grund genug also für das Orchester, mehr als 50 Prozent Gesang in seine Show einfließen zu lassen, zumal es mit Sarah Heinz und Simon Siener zwei ausgezeichnet singende Frontleute in seinen Reihen hat.

Neben den rein instrumentalen Nummern spielte der Gesang eine zentrale Rolle: Sarah Heinz interpretierte „A Natural Woman“ (Aretha Franklin) mit samtiger Stimme und feinem Soul-Touch, während Simon Siener mit „Ich atme ein“ einen deutschen Popsong von Roger Cicero als Novum in das Programm brachte. Auch Klassiker wie Duke Ellingtons „It Don’t Mean A Thing“ wurden unter van Liers Leitung rhythmisch neu gefärbt – mit Salsarhythmen, die den Swing in eine frische Bewegung hoben. Heinz’ „Is It A Crime“ (Sade) verlieh Neustadts guter Stube einen Hauch von James-Bond-Atmosphäre. Mit Stücken wie „Johnny One Note“ (Richard Rodgers/Arr. Francy Boland), „Groovin’ On Dr. John“ (Erwin Schmidt/Peter Herbolzheimer) oder „Avenue C“ (Buck Clayton/Frank Foster) setzten die Solisten der Blue note Big Band, unter anderem Fred Setzkorn (Tenorsaxophon), Tobias Weber (Trompete), Jochen Scammell (Klavier) und Thomas Jehle (Gitarre), starke Akzente und sorgten für die perfekte Balance zwischen Gesang und Instrumentalpassagen.

Trotz der zahlreichen vokalen Darbietungen blieb im Programmablauf immer noch genügend Raum, damit sie ihr Können voll entfalten konnten. Den krönenden Abschluss der Show bildeten zwei Duette, wieder mit Stimme von Heinz und Siener, „The Lady Is A Tramp“ und „For The Time Of Being“, die mit donnerndem Applaus, Pfiffen und stehenden Ovationen quittiert wurden.

x