Neustadt Bilder der Großstadt

Neustadt. „Urban Places – Eindrücke der Großstadt“ haben Birgit und Johannes Manz die Fotografie-Ausstellung genannt, mit der sie das Jahr in ihrer Galerie Aspekt in der Maximilianstraße 18 beschließen. Zu sehen sind Arbeiten von Matthias Hoch, Julia Smirnova und Jürgen Bürgin.

Mit Matthias Hoch aus Leipzig hat das Ehepaar Manz einen deutschlandweit renommierten Fotokünstler an die Weinstraße geholt, diesem mit Julia Smirnova eine aufstrebende Münchnerin und mit Jürgen Bürgin einen Berliner Street-Fotografen zur Seite gestellt. Und damit drei ganz individuelle Sichtweisen auf das Leben in der Großstadt in einer Ausstellung vereinigt. Jürgen Bürgin, 1971 in Lörrach geboren, arbeitet seit 2009 als freier Fotograf in Berlin, London, Paris, Barcelona, New York, San Francisco, Chicago, Tokio und Shanghai. Sein Markenzeichen sind unverstellte Straßenszenen, die jede für sich eine Geschichte erzählen, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht. Mit genauem Blick auf die Details fängt Bürgin Augenblicke ein, die mitunter die Einsamkeit des Individuums inmitten des großstädtischen Treibens in Szene setzen, bisweilen aber auch intime Momente der Zweisamkeit dokumentieren. Alltägliche Situationen werden so künstlerisch verdichtet und vermitteln eine gewisse warmherzige Melancholie und immer mal wieder einen subtilen situativen Witz. Ganz anders kommen die Fotografien von Matthias Hoch daher: Er widmet sich weniger dem Menschen, sondern richtet seinen Fokus auf die Infrastruktur und die Formensprache der Großstadt. Er sucht und findet Orte, die eine individuelle Aura ausstrahlen, löst seine Bildmotive aus dem zeitlichen und räumlichen Rahmen heraus und schafft so eindringliche Werke voller poetischer Dichte. Großen Raum nimmt in der Galerie Aspekt auch seine 2013 entstandene, bislang unveröffentlichte Fotoserie von Hochs Aufenthalt am Goethe-Institut im japanischen Kyoto ein, in der er moderne Architektur mit asiatischer Ästhetik kontrastiert. Dabei ist auch das hochverdichtete Video „Japanskizzen“ entstanden, das bei der Ausstellung ebenfalls zu sehen ist. Es zeigt, wie standardisiert sich der Mensch in einer hoch entwickelten Gesellschaft bewegt und wie durchsetzt das heutige Leben von visuellen Metazeichen ist. Hoch, 1958 geboren, ist in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten, seine Arbeiten hängen unter anderem in New York, Wien und Stockholm. Dritte im Bunde ist die gebürtige Russin Julia Smirnova, deren kleinformatige Arbeiten einen genaueren Blick einfordern. Smirnova fängt mit ihrer Mittelformatkamera alltägliche und flüchtige Motive ein, die sich nicht oder nur schwer verorten lassen. Ihre Fotografie ist nicht erzählend, bisweilen still oder poetisch und lässt jedes Motiv für sich selbst stehen. Ihre Hof- und Straßenansichten sind zurückhaltend und authentisch, sind teils Chiffren für die Melancholie der Großstadt. Und so ist die gesamte Ausstellung ein spannender Spaziergang durch urbane Räume und deren Vielfalt, durch die zahlreichen Ausprägungen des menschlichen Wirkens und Bewirkens und der daraus resultierenden eigenen Ästhetik. Smirnova pendelt heute zwischen München und Paris, wo sie an der Ecole des Beaux Arts studiert hat. Studienaufenthalte führten sie unter anderem nach Indien, in die Ukraine und in die Türkei.

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