Neustadt
Berlinale-Winzer Friedrich: Bereit für Promi-Besuch
Bis 20. Februar werden bei der 72. Berlinale hochkarätige Filme präsentiert. Trotz der Corona-Auflagen werden einige Stars und Gäste in Berlin sein und können rund um die Vorstellungen auch ein Glas Wein genießen. Das Deutsche Weininstitut hat in einem Wettbewerb 21 Weine und Sekte ausgewählt, die während des Festivals ausgeschenkt werden. Auf der Karte steht auch ein trockener Spätburgunder des Hambacher Weinguts Friedrich.
Dort ist Felix Friedrich vor drei Jahren eingestiegen. Der 25-Jährige hat nach seinem Önologie-Studium in Geisenheim im Betrieb seines Vaters Bernhard Friedrich reingeschnuppert: „Ich wollte dann nicht mehr weg, und keiner wollte mich loswerden.“ Die beiden teilen sich inzwischen die Verantwortung im 8,5 Hektar großen Betrieb. Sohn Felix kümmert sich um Vertrieb, Verkauf und die Weine, Vater Bernhard verantwortet alles im Weinberg. Seit zwei Jahren sind die Weine zudem bio-zertifiziert. Felix Friedrich ist überzeugt, dass das die richtige Produktionsweise ist: „Wenn man mit der Natur arbeitet, sollte man vermehrt Rücksicht nehmen.“
Studium in Frankfurt
Bei seinem Einstieg habe ihn der Vater gleich richtig in die Pflicht genommen, erinnert sich der 25-Jährige. „Ich kam zwei Wochen vor dem Herbst und sollte dann allein über den jeweiligen Lesebeginn entscheiden.“ Das sei eine tolle und fordernde Erfahrung gewesen. Überhaupt sei sein Vater, „mein Ratgeber und immer da, wenn ich Fragen habe“. In den drei Jahren habe er gemerkt, wie viel Verantwortung es bedeutet, ein eigenes Weingut zu führen. Daher hat er nach dem Weinbau-Studium noch ein duales Wirtschaftsstudium begonnen. Er wolle lernen, wie man einen Betrieb führt. Dafür nimmt er es in Kauf, zusätzlich zur Arbeit noch alle zwei, drei Wochen samstags für Vorlesungen nach Frankfurt zu fahren und für Prüfungen lernen zu müssen. „Es ist ja nur für einen überschaubaren Zeitraum, da geht das.“
Der Freund fruchtiger und ausdrucksstarker Weine mag vor allem das Gesellige. „Wenn man beim Wein zusammenkommt, soll man Spaß haben“, so Friedrich. Er setzt dabei vor allem auf den Sauvignon blanc, aber auch auf seine „Fritzl“-Cuvées, deren Alkoholgehalt mit 10,5 Prozent sehr moderat sei, sowie einen Weißburgunder aus dem Barriquefass. Und Riesling? Felix Friedrich, der einen Pulli mit Riesling-Aufschrift trägt, lacht und antwortet ganz ehrlich: „Es ist eine schöne Rebsorte, aber nicht so ganz mein Favorit.“ Angebaut wird Riesling aber natürlich trotzdem.
Zufrieden mit 21er-Jahrgang
Felix Friedrich wohnt übrigens in Landau. Er nennt es die goldene Mitte, da seine Mutter Evi Ullrich-Friedrich ein Weingut in Pleisweiler in der Südpfalz führt. Dort sei sein Bruder Alex eingestiegen. Mit der Qualität des 21-Jahrgangs ist Friedrich trotz der schwierigen Wetterverhältnisse zufrieden. Friedrich: „Sie sind leichter als die 20er, fruchtiger und runder.“
Mit der Berlinale knüpft Felix Friedrich an eine kleine Familientradition an. Vater und Mutter waren 2011 bei den Filmfestspielen und durften sogar den roten Teppich genießen. Ein solches Vergnügen bleibt ihm dieses Jahr aufgrund der Pandemie-Auflagen verwehrt. Umso so mehr freut er sich, dass er auf die Berlinale-Ausschreibung reagiert hat und mit seinem Spätburgunder auch zum Zug gekommen ist. Da er mit 25 ja noch sehr jung sei, „kann ich die Berlin-Fahrt bestimmt noch nachholen“. Mit seinem Bruder sei er vor einigen Jahren schon mal als Lieferant bei der After-Show-Party der Bambi-Verleihung dabei gewesen. Es sei ein „super Gefühl“, wenn der eigene Wein in solchen Kreisen gut ankommt. Daher fände es Friedrich schon witzig, wenn demnächst ein Promi wie Schauspieler Elyas M’Barek den Weg nach Hambach finden würde, „um ein paar Flaschen Spätburgunder zu kaufen“.
Etiketten aus Berlin
Bis dahin will er den Berlinale-Zuschlag vor allem in der Vermarktung nutzen. Friedrich hat sich über die Veranstalter des Festivals Etiketten und Schilder besorgt, sodass Kunden des Weinguts auch einen Hauch Berlinale bekommen. Und er fühlt sich damit selbst gelobt, denn laut Etikett ist jeder Wein ein „Star unter den deutschen Spitzenweinen“. Friedrich grinst: „Das liest man doch sehr gerne über sich.“
Und wenn die Berlinale und Abfüllung rum sind, freut sich der 25-Jährige auf drei Wochen Mexiko – mit dem Rucksack. „Ich habe nur die erste Nacht gebucht, alles andere ergibt sich.“ Er liebe solche Reisen, um abzuschalten und Kraft zu tanken. Zuvor war er auch schon in Kambodscha und Costa Rica. Und auch in Sachen Wein möchte er nach drei Monaten in Südafrika noch mal Luft im Ausland schnuppern. Argentinien steht dafür auf dem Reiseplan. „Ich will einfach über den Tellerrand schauen.“
Zur Sache: Auch Christian Nett ist ein Berlinale-Winzer
Mit Christian Nett vom Weingut Bergdolt-Reif & Nett ist noch ein zweiter Neustadter im Kreis der 21 deutschen Berlinale-Winzer vertreten. Für den Duttweilerer ist die Berline nichts Neues, „aber immer etwas Besonderes“. Schließlich müsse man sich mit seinem Wein ja beim Deutschen Weininstitut bewerben und „freut sich dann, wenn man bei der Verkostung ausgewählt“ wird.
Nett ist jetzt zum vierten Mal beim großen Filmfestival in Berlin dabei. Zuvor schon zweimal mit einem Rotwein und jetzt zum zweiten Mal mit einem trockenen Sauvignon blanc. Einmal sei er sogar in Berlin gewesen. Bei einem anderen Mal habe ein Berliner Händler eine große Plakatkampagne gestartet, sodass seine Weine sehr auffällig präsentiert wurden. Auch wenn er aktuell wegen der Pandemie-Auflagen nicht zum Filmfestival fahren kann, „ist die Auswahl als Berlinale-Wein vergleichbar mit Gold bei einer Prämierung“. Neukunden erwarte er sich durch die Berlinale-Hinweise zwar nicht unbedingt, sagt Nett, „aber fürs Prestige ist das schon gut und wichtig“. Schließlich könne jeder Betrieb ja nur einen Wein einreichen. Er habe mitgemacht, „da aus der Pfalz ein Sauvignon blanc gewünscht war“.
Aktuell ist Nett mit dem Filtrieren des neuen Jahrgangs beschäftigt, ab Rosenmontag wird abgefüllt. Mit der Qualität ist er trotz des durchwachsenen Wetters 2021 zufrieden: „Das passt, man musste nur viel Arbeit investieren.“