Elmstein RHEINPFALZ Plus Artikel Bürgermeister investiert in Supermarkt: Eine Million für „Tante Enso“

Die Arbeiten für den Bau eines Tante-Enso-Ladens haben begonnen.
Die Arbeiten für den Bau eines Tante-Enso-Ladens haben begonnen.

Die Bauarbeiten für einen „Tante Enso“-Laden in Elmstein laufen. Ortsbürgermeister Rene Verdaasdonk investiert persönlich eine Million Euro, um die Nahversorgung zu sichern.

Im September vergangenen Jahres war den Elmsteinern in einer proppenvollen Bürgerversammlung das Konzept eines „Tante Enso“-Ladens erläutert und schmackhaft gemacht worden. Die Idee, die von der Enso eCommerce GmbH in Bremen stammt, kombiniert die Eigenschaften des traditionellen Tante-Emma-Ladens mit den Vorteilen eines modernen Online-Marktes. Das Vorhaben fand in Elmstein eine überwältigende Zustimmung. Und das Votum danach war entsprechend deutlich: Die Elmsteiner erwarben weit über 400 Genossenschaftsanteile, viel mehr als zur Verwirklichung des Mini-Supermarkts erforderlich gewesen wären. Mit dem neuen Supermarkt wird die Nahversorgung in der 2500 Einwohner zählenden Gemeinde nachhaltig verbessert und gesichert, ähnlich wie in 62 anderen „Tante Enso“-Standorten bundesweit. Denn ein Supermarkt befindet sich seit Jahren erst 15 Kilometer entfernt in Lambrecht.

Da in der Gemeinde kein leerstehendes und geeignetes Anwesen für einen Laden zu finden war, wird neu gebaut. Am südöstlichen Ortseingang aus Richtung Neustadt wurde der ehemalige Lagerplatz des früheren Sägewerks Franz Semmelsberger u. Söhne GmbH als Baugelände ausgewählt. „Dort können wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, betonte Ortsbürgermeister Rene Verdaasdonk (SPD). „Einmal bekommen wir hier einen schönen Supermarkt und zweitens machen wir das Ortsbild für uns Einwohner und unsere Besucher ein Stück weit attraktiver, was mir schon lange am Herzen liegt.“ Vor einigen Jahren schon wollte der Marken-Discounter Netto dort einen Markt eröffnen, was jedoch scheiterte.

Investor: Der Bürgermeister macht’s selbst

Die Suche nach einem Investor dagegen war schwieriger: „Ich sprach mit einigen Interessenten, doch allen war die Sache schließlich zu ungewiss und zu heikel.“ Der Bürgermeister beschloss daher, persönlich als Investor einzusteigen. Der Unternehmer und weltweit operierende Düngemittel-Fabrikant erwarb rund 4000 Quadratmeter aus einem großflächigen Grundstück von Semmelsbergers und wird in das gesamte Objekt letztendlich eine Million Euro aus eigener Tasche investieren. „Schlaflose Nächte“ hatte er bei dieser Entscheidung nicht. „Mir sind diese Summen von meinem Unternehmen bekannt“, sagt er schmunzelnd. Er habe das nachhaltige Projekt und nicht die Zahlen vor Augen.

Verdaasdonk wird, um nicht in einen Interessenkonflikt als Ortsbürgermeister zu geraten, nach Fertigstellung Neubau und Parkgelände als Privatmann an den Betreiber Enso GmbH vermieten. „Ich denke, dass so nach zehn Jahren die Sache finanziell rentabel wird“, schätzt Verdaasdonk.

Baufortschritt und Zukunftsperspektiven

Seit einigen Wochen sind Mitarbeiter des Elmsteiner Forst- und Baggerbetriebs Peter Löffler auf dem künftigen „Tante Enso“-Gelände im Einsatz. Sie räumen auf und sanieren die Brache. Bagger, Radlader und Baumaschinen wühlen und graben sich in den Boden, fördern allerhand brüchigen Beton, rostige Fundamente, Alteisen, Asphalt-Brocken oder anderen Unrat ans Licht. „Jeden Tag ist etwas Neues dabei“, berichtet Verdaasdonk. Mehrmals die Woche schaut er auf der Baustelle vorbei. „Wenn ihr Gold findet, gleich melden“, scherzt der Ortschef zu Baggerführer Nick Weitzel. Altlasten wurden bislang keine geortet, es werde aber kontrolliert, um der Sache sicher zu sein.

Mitte März wird der Elmsteiner Gemeinderat den Bebauungsplan beschließen. Wenn alle Auflagen für Naturschutz, Entwässerung oder den Landesbetrieb Mobilität (Zufahrt und Bürgersteig entlang der L499) erfüllt sind, rechnet Verdaasdonk mit dem offiziellen Spatenstich für Ende April. Das Architekturbüro Roland Blum aus Esthal hat Planung und Bauleitung übernommen. Bis auf die Betonarbeiten für die 400 Quadratmeter große Bodenplatte werden ausschließlich ortsansässige Firmen am Neubau mitwirken. „Absprachen wurden bereits getroffen, die Unternehmer stehen Gewehr bei Fuß“, sagt der Ortschef.

250 Quadratmeter Verkaufsraum

Das einstöckige Marktgebäude wird, bis auf das dem ehemaligen Sägewerk angepasste Schleppdach, in rustikaler Holzbauweise erstellt. Parallel zur Landstraße und auch auf deren Niveau. Der Eingang liegt auf der südöstlichen Seite. Moderne Technik wie Photovoltaik und Wärmepumpe kommen zum Einsatz. Der Verkaufsraum ist mit 250 Quadratmetern Größe geplant, dazu ein kleines Lager sowie ein Nebentrakt mit Sozialraum und Sanitärbereich. Im Außengelände, das Verdaasdonk mit viel Grün naturnah gestalten möchte, sind bis zu 15 Stellplätze geplant. An einem ehrgeizigen Ziel hält Rene Verdaasdonk fest: „Ich will an Weihnachten bei ,Tante Enso‘ einkaufen.“

Rene Verdaasdonk
Rene Verdaasdonk
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