Neustadt Ausrüstung für Wanderer und Schinken für Genießer

Ideales Wetter für den Herbstmarkt. So lautete die einhellige Meinung der Aussteller am Samstag. Im Ortszentrum von Maikammer, im Hof und in den Innenräumen des Bürgerhauses fanden sich fast 50 Stände. Dort wurden an zwei Tagen Dekoratives, Nützliches sowie Ess- und Trinkbares angeboten.

„Wir hatten noch nicht fertig aufgebaut, da waren schon die Ersten da“, sagt Reinhard Schneider, Inhaber des gleichnamigen Textilgeschäfts. Er präsentiert fast alles, was Wanderer brauchen: Schuhe, die leicht sind und trotzdem Halt bieten, Rucksäcke, Anoraks, Fleecejacken sowie Hemden. Schneider hat nach eigenen Worten mittlerweile eine Stammkundschaft, die extra zu den Märkten im Frühjahr und Herbst anreist, um sich auszustatten. Obwohl der Aufwand sehr hoch sei – „wir schleppen zweimal jede Menge Kleider und Schuhe morgens her und abends wieder ins Geschäft“ – lohne sich die Teilnahme. Denn übers Jahr kämen Kunden, die „uns hier gesehen haben“. Gleich nebenan wiegen Marius und Melina Äpfel ab. Die Kundin will Elstar und Rubinette. Die zwei Mini-Verkäufer von der kommunalen Kindertagesstätte (Kita) müssen nicht lange überlegen. Sie haben schließlich das Abwiegen geübt, erzählt Leiterin Elisabeth Buchenberger-Klodt. Melina mag die Sorte Elstar am liebsten, Marius bevorzugt Rubinette. Beide sind mit Feuereifer bei der Sache. Jeweils eine Stunde seien die Vorschulkinder am Stand, sagt die Leiterin. So lernten sie ein wenig, was es heiße, sich etwas zu erarbeiten, den Umgang mit Geld und mit Erwachsenen. Der Erlös – „die Äpfel und Birnen stammen vom Weingut Hubert Müller“ – fließe ins Naturprojekt der Kita. Während die Kita jedes Jahr hier Obst vertreibt, sind Walters zum ersten Mal da. In Schälchen liegen Seifen-Tonsteine. „Das ist ein Naturstein aus Ton und Erde“, erklärt Helga Walter. Der Stein oder vielmehr die Seife entferne alle möglichen Verfärbungen von Obst oder Gemüse und ebenso die Gerüche von Fisch, Zwiebeln oder Knoblauch. Selbst vom Nikotin oder roten Trauben verfärbte Finger seien gleich sauber gewesen, habe sie von Kunden erfahren. „Das Beste ist, dass sich diese Seife nicht abnutzt.“ Der Seifen-Tonstein stamme aus Frankreich, sagt die Pirmasenserin, die den Vertrieb in Deutschland inne hat. Der Herbstmarkt in Maikammer sei ihr empfohlen worden. „Wir sind gern hier“, ergänzt ihr Mann. Ebenfalls aus Pirmasens, „das ist aber reiner Zufall“, kommt Christa Männel. Sie war mit ihrem „leckeren Schwarzwälder Schinken“ schon öfter hier. „Den kann man immer essen“, meint sie lachend. Und weil dem so ist, finden sich etliche Abnehmer. Vor allem Marktbesucherinnen können sich kaum genug an den herbstlichen Kränzen und dekorativen Hängern für Haustür und Fenster satt sehen. Petra Sohn bindet gerade wieder ein Sträußchen. „Vor 25 Jahren habe ich damit angefangen. Erst haben Nachbarn und Bekannte nachgefragt, irgendwann habe ich begonnen, die Sachen zu verkaufen“, erzählt die Otterstädterin. Die Materialien, Fette Henne, Hagebutte, Buchs, Gräser oder Kräuter hat sie selbst im Garten oder sie werden ihr von Nachbarn geschenkt. „Nein“, sagt sie, „Vorlagen brauche ich keine, „das mache ich einfach so.“ Gut 100 Teile hat sie dabei. „Mehr passen nicht ins Auto.“ Groß ist die Nachfrage nach Kaffee und Kuchen im Bürgerhaus. Eltern, Lehrer und Schüler der Realschule plus bieten die Stärkung an. „Zum Glück haben wir genug Helfer und 95 gespendete Kuchen“, meint Marion Sell, Vorstandsmitglied im Förderverein. Die Einnahmen sind für Basketballkörbe sowie Spielmaterialien für den Pausenhof und die Nachmittagsbetreuung bestimmt. Marktmeisterin Christina Rechner ist zufrieden. Freuen würde sie sich über weitere Anbieter von Gemüse, Obst oder neuem Wein, „eben Typisches für den Herbst“. Ganz typisch für die Jahreszeit sind Pilze. An ihrem liebevoll dekorierten Tischen gibt Viola Kirschke-Deck Auskunft zu den essbaren und nicht-essbaren. (giw)

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