Deidesheim
Aus Rebholz wird Zukunft: Pfälzer Winzer setzt auf Pflanzenkohle im Weinberg
Groppenbächer, 57, hat Physik studiert und arbeitet als Softwareentwickler in Landau. Als Feierabendwinzer ist er auch gerne in seinem Riesling-Weinberg in Deidesheim aktiv. Die Verbindung von Physik und Weinbau brachte ihn auf eine Idee. Er sagt: „Ich stelle aus dem Rebholz, mit Hilfe eines selbstgebauten Ofens, Holzkohle her. Diese bringe ich dann in den Weinberg zurück. Das gibt dem oft sandhaltigen Boden die Fähigkeit, Wasser besser zu speichern.“ Der Ofen beruhe auf dem „Top Lit Up Draft“-Prinzip. Dabei werde aufgrund des Designs erreicht, dass die Verbrennung zum großen Teil unter Sauerstoffmangel geschehe. Dadurch würden die Pflanzenbestandteile nicht vollständig verbrennen und am Ende des Prozesses ein Rest verkohlten Holzes übrig bleiben, so Groppenbächer.
Vor Ort an seinem Weinberg zeigt er anschaulich, wie das im Kleinen in der Praxis funktioniert. Er legt Rebholz in seinen selbstgebauten Ofen, entzündet das Rebholz und nimmt später die daraus entstandene Holzkohle heraus. „Es gibt im Internet zahlreiche Bauanleitungen für derartige Öfen, und sie können auch von handwerklich komplett unbegabten Personen in kurzer Zeit und ohne großen Aufwand selbst hergestellt werden. Es braucht lediglich noch etwas Erfahrung, um den richtigen Moment des Ablöschens der Glut abzuschätzen“, erläutert der Deidesheimer.
Eine alternative Wärmequelle?
Von der technischen Seite gebe es laut Groppenbächer im Prinzip für alle anstehenden Probleme eine Lösung. Es existierten Geräte, die das Rebholz häckseln und aufsammeln könnten. Um das Rebholz effektiv verbrennen und zu Pflanzenkohle verarbeiten zu können, müsse es über den Sommer getrocknet werden, auch dafür gebe es etablierte technische Lösungen. Es gebe auch Öfen, die das gehäckselte Rebholz unter kontrollierten Bedingungen zu Pflanzenkohle verarbeiten könnten und dabei Wärme freisetzten. Groppenbächer sieht viele Vorteile: „Diese Wärmequelle steht jährlich zuverlässig, nachhaltig und regional zur Verfügung, was gerade in Zeiten, in denen sich jeder fragt, wie man in Zukunft seine Wohnung warm bekommt, ein nicht zu unterschätzender Vorteil sein könnte.“
Leider wird dabei übersehen, welches Potential in eben diesem Abfall steckt.
Peter Groppenbächer ist kein Theoretiker, sondern auch leidenschaftlicher Feierabendwinzer, erledigt alle anfallenden Arbeiten selbst, seine Trauben liefert er an den Winzerverein Deidesheim. Im Februar war der Rebschnitt angesagt, daraus entsteht Rebholz. Das beim Rebschnitt anfallende Holz wird normalerweise zwischen die Rebzeilen geworfen und an Ort und Stelle mit entsprechenden Geräten kleingehäckselt. Dies ist eine sehr effektive und ökonomische Methode, um mit dem anfallenden Restholz umzugehen. „Leider wird dabei übersehen, welches Potential in eben diesem Abfall steckt. Pro Hektar fallen, je nach Anlage und Wüchsigkeit, etwa zwei bis drei Tonnen Rebholz an. Bei einer Holzfeuchte von 40 Prozent entspricht dies etwa eineinhalb Tonnen organischen Materials“, erklärt der studierte Physiker.
Kohle soll dem Boden beim Wasserspeichern helfen
Und weiter: Übersetze man diese eineinhalb Tonnen in thermische Energie und Pflanzenkohle, dann seien das circa 2000 Kilowattstunden sowie 300 bis 400 Kilo Pflanzenkohle. Die thermische Energie könne man direkt zum Betrieb einer Heizung verwenden, die Kohle selbst sei ein hochwertiger Rohstoff, für den es eine Fülle von Verwendungsmöglichkeiten gebe, so Groppenbächer.
Der aktuelle Marktpreis für Pflanzenkohle liege bei etwa 300 bis 400 Euro pro Tonne. Der Deidesheimer sagt: „Die vermutlich naheliegenste Idee ist es wohl, die erzeugte Kohle mit Nähstoffen anzureichern und als sogenannte ,Terra Preta’ wieder zurück in den Weinberg zu bringen.“ Dies habe nicht nur einen positiven Effekt auf die Speicherfähigkeit des Bodens in Hinblick auf Nährstoffe und Wasser. Gerade bei den in der Vorderpfalz häufig anzutreffenden Sandböden sei dies ein nicht zu unterschätzender Vorteil, gerade im Hinblick auf die immer trockener werdenden Sommermonate. Auch bleibe das in der Pflanzenkohle gebundene CO2 aus der Atmosphäre dauerhaft im Boden.
Es gibt auch Nachteile
Peter Groppenbächer ist sich sicher: „Ein Weinbaubetrieb, der in einer solchen Weise wirtschaftet, darf sich mit Fug und Recht als klimaneutral bezeichnen. Sofern er dafür zertifiziert ist, kann er sogar CO2-Zertifikate verkaufen und damit einen zusätzlichen Erlös erzielen.“
Es gibt auch Nachteile. Groppenbächer ist Realist: „Dies klingt alles zu schön, um wahr zu sein, weshalb an dieser Stelle eine Prise ökonomischer Realismus angebracht ist. Die oben beschriebenen Mengen an Energie und Pflanzenkohle entsprechen zur Zeit etwa 300 bis 400 Euro Ertrag pro Hektar.“ Diese Menge rette weder das Klima noch den Weinbau in der Pfalz. Dies müsse an dieser Stelle klar und unmissverständlich hervorgehoben werden, vor allem wenn man bedenke, dass diesen Erträgen auch nicht unerhebliche Investitionen und Mehrarbeit gegenüberstehen würden. Des Weiteren müsse laut Groppenbächer die Logistik für ein solches Vorgehen erst etabliert werden. Es gebe, Stand heute, noch keine Erfahrungen und Vorbilder dazu.
Kann es in größerem Maßstab funktionieren?
Aber Groppenbächer hat eine Vision. Es wäre vermutlich sinnvoll, wenn sich Weinbaubetriebe oder sogar ganze Weinbaugemeinden zusammenschließen, um im Rahmen einer kommunalen Wärmeplanung Skaleneffekte in Hinblick auf die Kosten zu realisieren, so der Deidesheimer. Und weiter: Die Unwägbarkeiten und Risiken sollten nicht kleingeredet werden, dem gegenüber stünden allerdings die beschriebenen Vorteile. „Es wäre für mich bereits eine Bestätigung, wenn es mir gelänge, diese Idee als Samen in einen Weinbaubetrieb oder einer Kommune zu platzieren, wenn sie sogar funktioniert, dann umso mehr“, so Peter Groppenbächer abschließend.

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