Neustadt Arthouse: Le passé – Das Vergangene

Neustadt. Nach vier Jahren Trennung kehrt der Iraner Ahmad zu seiner Noch-Ehefrau Marie nach Paris zurück, um endgültig die Scheidung zu vollziehen. Marie lebt mit ihren beiden Töchtern aus erster Ehe nun mit Samir und dessen kleinem Sohn zusammen. Die Patchworkfamilie vibriert vor Spannungen. Maries 16-jährige Tochter hasst den neuen Freund der Mutter und klagt ihrem Ex-Stiefvater ihr Leid. Und Samirs Frau Valeria liegt nach einem Selbstmordversuch im Koma, mutmaßlich, weil er sich von ihr getrennt hat ... Der iranische Filmemacher Asghar Farhadi knüpft in seinem ersten europäischen Film thematisch an seinen Berlinale-Erfolg „Nader und Simin“ an. So werden bei der Rekonstruktion der letzten Tage vor Valerias Selbstmordversuch immer neue Versionen der Ereignisse aufgezeigt. Und auch diesmal geht es um gestörte Kommunikation, um Trennungen, familiäre Dramen und Geheimnisse, die erst gegen Ende entschlüsselt werden. Besonders ästhetisch, anhand den vielen Baustellen in Maries Wohnung, vermittelt die bedachte Inszenierung jene Unordnung und Unbehaustheit, die von den Protagonisten verbal nicht ausgedrückt werden kann. Ein vielschichtiges Beziehungsdrama.