Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel „Andere werden folgen“: Pfarrei gibt Kirche St. Josef auf

Das Gebäude entstand in den 1930er-Jahren.
Das Gebäude entstand in den 1930er-Jahren.

Die katholische Pfarrei Heilige Theresia von Avila will die Kirche St. Josef in Neustadt-Winzingen profanieren. Der Termin steht bereits fest. Wie es nun weitergehen soll.

Die Kirche St. Josef an der Konrad-Adenauer-Straße verliert ihren sakralen Charakter, das Gebäude wird profaniert. Darüber informierte der leitende Pfarrer Michael Janson in einer öffentlichen Gemeindeversammlung am Mittwochabend in eben dieser Kirche. Am 22. November wird Bischof Karl-Heinz Wiesemann die Entwidmung des Gebäudes vornehmen. Dabei werden die Reliquien aus dem Altar genommen. Die Gründe für den radikalen Schnitt sind vielfältig und liegen hauptsächlich in der sich verschlechternden Finanzsituation der Pfarrei. Es ist kein einzigartiges Problem der Neustadter katholischen Kirche, denn die Frage der Finanzierbarkeit von christlichen Gebäuden müssen sich viele sowohl katholische als auch evangelische Gemeinden stellen. Einige Gemeinden sind den Schritt bereits gegangen.

Schon seit geraumer Zeit beschäftigen sich der Pfarreirat, der Verwaltungsrat und die Gemeindeausschüsse der katholischen Gemeinde mit der Finanzlage. Unterstützung durch Zuschüsse zu Baumaßnahmen sichert die Diözese in Speyer nur noch für die jeweilige Hauptkirche zu. Alle anderen Maßnahmen an Gebäuden müssen die Gemeinden aus eigener Kasse stemmen. Und darin liegt das Problem: Sinkende Zahlen von Kirchenmitgliedern und steigende Allgemeinkosten, hohe Energiepreise sowie anstehende Reparaturen zwingen die Gemeinden zur Aufgabe von Gebäuden.

„Andere werden folgen“

„Wir beginnen mit St. Josef. Doch es werden noch andere Gebäude folgen müssen“, gab Pfarrer Janson bekannt und bekräftigte: „Wir können nur halten, was wir finanzieren können.“ 14 Gebäude muss die Pfarrei unterhalten. Darunter befinden sich auch Pfarrheime und Kindergärten. Diese werden nun kritisch betrachtet und Daten zur Nutzung und den Kosten erhoben, um Entscheidungen treffen zu können. Die Kirche St. Josef, die 1933 geweiht wurde, ist eine große Kirche, die auch immer dann zur Verfügung stand, wenn viel Publikum erwartet wurde.

Doch die Größe hat auch Nachteile. St. Josef in den Wintermonaten mit einem veralten System zu heizen, ist teuer. In den vergangenen Jahren wurde die Kirche in den Wintermonaten deshalb gar nicht genutzt. Zudem müsste das Dach saniert werden. „In den Büchern stehen Kosten für ein neues Dach in Höhe von 500.000 Euro und für eine neue Heizung von 50.000 Euro. Allerdings sind die Zahlen schon alt, und wir müssen mit einem deutlich höheren Finanzbedarf rechnen“, sagt Janson. Die Kirche sei längst zu groß für die Gemeinde. Zudem stehe mit St. Bernhard und der Kapelle St. Ulrich genügend Raum in der Nähe für Gottesdienste zur Verfügung. In der Vergangenheit habe man über die Verhältnisse gebaut und nicht mit der Rückentwicklung von Mitgliederzahlen gerechnet. „Es sind nicht nur die Kirchenaustritte, die uns in Schieflagen bringen. Wir haben auch weniger Aufnahmen durch Taufen“, berichtet er.

Raum für Emotionen

Laut Janson hat sich die Pfarrei die Entscheidung nicht leicht gemacht und lange nach Lösungen gesucht. Im Oktober des vergangenen Jahres wurde die Aufgabe von St. Josef beschlossen, jedoch zunächst Stillschweigen vereinbart. Im März beantragte die Pfarrei die Profanierung in Speyer und erhielt kurz darauf die Genehmigung. Nun wollte Janson die Öffentlichkeit informieren. Bis zur endgültigen Entwidmung sind es nur noch wenige Wochen. Janson ermunterte die Gemeindemitglieder, den Tag würdig zu gestalten, der auch Raum für Emotionen haben dürfe.

Was mit der Kirche geschehen soll, ist noch unklar. Erst jetzt gehe die Suche nach einer Folgenutzung los, nachdem die Kirchengemeinde informiert worden sei, bestätigt der Pfarrer. „Wir werden mit Interessenten und möglichen Nutzern ins Gespräch kommen. Es liegt uns am Herzen, dass das Gebäude erhalten bleibt und seinen würdigen Charakter behält“, sagt der Pfarrer. Er rechnet nicht mit einer schnellen Lösung. Bis dahin liegt die Verkehrssicherungspflicht weiterhin bei der Pfarrei. Eine Grundtemperatur muss in der Kirche gehalten werden, um die Bausubstanz nicht zu schädigen, was weiterhin Kosten verursacht. „Im Moment müssen wir das Gebäude in der Schwebe halten“, bedauert Janson.

In der Aussprache mit den Anwesenden der Gemeindeversammlung wurden mögliche andere Nutzungen diskutiert. Janson betonte, dass es nicht um eine Umnutzung der Kirche unter der Trägerschaft der Gemeinde gehe, sondern diese verkauft werden müsse, um sich von der Last der Verantwortung und der Kosten zu befreien. Nun wird eine Inventarliste von St. Josef erstellt. „Die vorhandene Lautsprecheranlage ist die beste, die in der Pfarrei vorhanden ist“, so Janson. Wo was weiter sinnvoll verwendet werden könne, werde sich nun klären.

Einzelne Stimmen sprachen von Heimatlosigkeit der Christen vor Ort und äußerten Bedenken bezüglich der Erreichbarkeit von Gottesdiensten für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Auch wurde nach gemeinschaftlicher Nutzung von Kirchen durch Protestanten und Katholiken gefragt. Das ändert laut Janson aber nichts am Problem, denn dann werden noch mehr Kirche obsolet.

„Was macht die Aufgabe der Kirche mit der Neustadter Gesellschaft?“, fragte eine Anwesende. „Ja, es wird eine Auswirkung haben, die man der Gesellschaft jedoch nicht ersparen kann“, so Janson. Zum Abschluss gab er zu bedenken, dass sich das Christentum nicht durch Gebäude definiere, sondern durch das gute Miteinander und die christliche Gesinnung.

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