Neustadt Am Rande der Bande:

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Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen: Bevor die Fans des Handball-Oberliga-Spitzenreiters TSG Haßloch Meisterschaft und den Aufstieg ihres Teams in die Dritte Liga feiern dürfen, machen sie die La-Ola-Welle bereits auf der Anreise zum entscheidenden Spiel bei den SF Budenheim. Genauer auf einem Autobahnparkplatz bei Bad Kreuznach. Die Haßlocher Fans stärken sich gerade mit Getränken und Fleischkäse für die wichtige Handballpartie, als plötzlich ein weiterer Reisebus vorfährt und lauter junge Frauen aussteigen. Das Hallo ist groß, ganz besonders, als sich herausstellt, dass die Reisegesellschaft aus Neustadt ist. Doch sind die jungen Frauen nicht auch auf dem Weg nach Budenheim, sondern nach Köln. Dort feiern sie nämlich den Junggesellinnenabschied der aus Lambrecht stammenden Isabell Langohr, die bald Kölsch heißen wird. Und damit die lustige Reisegesellschaft genügend Geld für Getränke in der Domstadt hat, hat die Braut einen Bauchladen umhängen, aus dem sie allerlei buntes Zeugs verkauft. Auch Tröten und Trillerpfeifen, welche sie den Haßlocher Anhängern erfolgreich feilbietet. „Ich heirate, die anderen sind nur zum Saufen hier“, gibt die künftige Frau Kölsch auf ihrem T-Shirt preis. Um Geld geht’s nach dem Zwischenstopp bei Bad Kreuznach auch im Bus der Haßlocher Fans. „Ich sammel jetzt das Geld für die Fahrt ein. Sonst kommt ihr nicht in die Halle“, kündigt der Fanbus-Organisator Jürgen Armbrust an. „Wir wollen doch gar nicht in die Halle“, entgegnet ein Reisegast, der den noch auf dem Rastplatz pausierenden jungen Frauen nachblickt. Armbrust kontert: „Wer nach Köln will, ist hier im falschen Bus.“ (sab) Noch mal das Stichwort Haßlocher Handballer. Und noch mal geht’s ums Geld. Auf dem Weg zum Oberligaspiel bei den SF Budenheim lässt Peter Stuhlfauth die TSG-Anhänger im proppenvollen Fanbus das Endergebnis tippen. Immerhin soll sich in dem Spiel entscheiden, ob die Handballer in die Dritte Liga aufsteigen. „Es gibt tatsächlich einen, der dagegen tippt“, verrät Stuhlfauth erstaunt. Einer das TSG-Fans geht tatsächlich von einem 31:28-Sieg für Budenheim aus – der TSG-Aufstieg wäre damit vertagt gewesen. Ob er sich vielleicht noch zu gut an die schmerzhafte Niederlage in der vergangenen Saison bei den Sportfreunden erinnert? Damals hatte Haßloch im allerletzten Saisonspiel die Tabellenführung und auch den Aufstieg verspielt. Aber nein, „der will nur in die Zeitung“, posaunt ein anderer Haßlocher heraus. „Und jetzt schafft er es auch noch.“ Genau. Aber das Tippspiel gewinnt er nicht, denn mit seinem Ergebnis liegt er vollkommen daneben. Mit 27:26 setzt sich nämlich die TSG in einer bis zum Schluss spannenden Partie in Budenheim durch und steigt auf. Der Tippspielgewinner ist der Organisator selbst. „Ich schäme mich ja fast“, gesteht er schmunzelnd und fügt lachend hinzu: „Aber ich habe viele Jahre Handball gespielt, da kann man solch ein Ergebnis schon mal vorhersehen ...“ Das Geld aber steckt er sich nicht in die eigene Tasche. „Das stifte ich für die Aufstiegsfeier mit der Mannschaft und den Fans.“ Handball ist halt Mannschaftssport, und Fans sind Teil des Teams. (sab) Wer im zweiten Glied steht, kann sich gegen Privilegierte aus der ersten Reihe in der Regel nur schwer behaupten. Das ist im täglichen Leben so, das ist im Sport so, das ist speziell beim Fußball nicht anders. Spieler aus Zweiten Mannschaften, die irgendwo in unteren Klassen schlecht und recht herumkrebsen, weil sie eben gerne kicken, weil ihre Leistung für die erste Garnitur (noch) nicht genügt oder weil sie einfach aus Freude an der Bewegung ein paar überflüssige Pfunde von den Rippen rennen möchten, werden von der „Ersten“ selten geachtet. Die von der „Zweiten“ werden selten ernst genommen, geduldet, kritisiert, als „Reserve“ und „Ersatz“ beschmunzelt. Entscheidendes zu sagen haben sie meistens nicht. Man braucht sie allenfalls hie und da zur Aushilfe. Sie gehören halt zum Verein. Ganz anders ist das beim Fußball-Landesligisten SV Geinsheim. Dort genießt nämlich die Zweite Mannschaft, die in der B-Klasse kickt, im wahrsten Sinne Vorrang vor der erfolgreichen Landesliga-Elf. Zumindest, was den Zeitplan betrifft. Denn sonntags, wenn Heimspiele am „Wäldchen“ angesagt sind, läuft zu allererst mal die zweite Garnitur des SVG zum Punktspiel auf den satten, samtweichen Rasen. Ausweichquartier Hartplatz – nein danke. „Unsere Zweite Mannschaft möchte auch auf dem Rasen spielen“, zeigt die Vorsitzende des SV Geinsheim Ursula Kästel, Verständnis. So muss die Erste brav, aber einsichtig warten, bis die Reservisten ihr Punktspiel, das um 13 Uhr beginnt, hinter sich haben und das Grün dann gegen 15 Uhr räumen. So. Und weil die Herren Landesliga-Kicker sich vor Spielbeginn ja richtig warm und locker laufen sollen, ist rasch einleuchtend beantwortet, warum Sonntagsspiele in „Goise“, dank Segen des Verbandes, regelmäßig erst um 15.30 Uhr beginnen, während überall anderswo Landesligisten eine halbe Stunde früher antreten. „Wir haben alle Möglichkeiten ausgelotet, aber die besondere und ungewöhnliche Anspielzeit ist für den Verein die günstigste Lösung“, berichtet die Chefin des Traditionsclubs. Man schlage damit sozusagen drei Fliegen mit einer Klappe, sagt Ursula Kästel: „Erstens kann die Zweite Mannschaft sonntags auf dem Rasen spielen, dazu steigert die Doppelveranstaltung Zuschauerzahlen und damit den Umsatz der Vereinsgaststätte, und außerdem benötigen wir weniger Hilfskräfte, weil das Clubhaus nur jeden zweiten Sonntagnachmittag, eben zu doppelten Heimspielen, geöffnet werden muss.“ Lediglich Frühschoppen gebe es jeden Sonntagmorgen, fügt Kästel einladend hinzu. Na dann Prost auf das verständnisvolle Miteinander der „Ersten“ und „Zweiten“ beim SV Geinsheim. (crd)

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