Sport Allgemein
Aktionstag Inklusion: TSG Haßloch begeistert Jung und Alt
„Die wollen teilweise gar nicht mehr raus aus den Rollstühlen.“ Drei Stunden lang fast durchgehend gefordert war Evi Weis als zuständige Betreuerin für den Rollstuhlparcours beim ersten Aktionstag Inklusion der TSG Haßloch und des Behindertenbeirats der Gemeinde. Vor allem viele Kinder nutzten die Gelegenheit das für sie ungewohnte Fortbewegungsmittel auszutesten. Dazu gab es im TSG-Sportzentrum zahlreiche weitere Sport- und Spielmöglichkeiten für die Teilnehmer, deren Altersspanne von der gerade einmal vier Monate alten Emilia bis zu Senioren über 70 reichte.
Vom Landessportbund hatte die für die Region Vorderpfalz mit einer Kollegin zuständige Inklusionslotsin verschiedene Rollstühle besorgt, mit denen man sich durch einen Stangenparcours und über Hindernisse bewegen konnte. Zusammen mit Sebastian (9) und Matthias (7) wagte sich dann auch mit Franz Krätschmer ein Erwachsener in einen Rollstuhl. Zusammen mit Evi Weis leistete er anschließend seinen Enkeln zudem Hilfestellung beim Überfahren einer Wippe. Spielerisch wurde bei weiteren Aufgaben den Benutzern auch klar, mit welchen Hindernissen Rollstuhlfahrer im täglichen Leben umgehen müssen.
Mikschs spielen Tischtennis
Gegen Ende der Veranstaltung aber nutzten viele Kinder die Rollstühle in erster Linie zu kleinen Rennen und spannenden Verfolgungsjagden, während nebenan auf vier Tischtennisplatten die kleinen Bälle hin und her flogen. Mit Walter und Anna Miksch waren dabei auch zwei der ältesten Teilnehmer aktiv, die sich dabei durchaus ansehnliche Ballwechsel lieferten. „Das war nur Ping-Pong“, wehrte der 74-Jährige Komplimente ab, „eigentlich müsste ich mehr Sport treiben.“ Bis vor einigen Jahren sei er noch Mitglied in einer Ü60-Kegelgruppe gewesen, meinte der Haßlocher weiter, und habe deshalb beim Aktionstag auch auf der Kegelbahn vorbei geschaut.
Auch dort freute sich Karl-Heinz Nied über das rege Interesse der Besucher, die auf vier Bahnen die Kegel abräumen und in diesem Raum wie die siebenjährige Ella nebenbei auch Pfeile auf eine höhenverstellbare Dartscheibe werfen konnten. Das Interesse am Sportkegeln lasse leider immer mehr nach, bedauerte der TSG-Abteilungsleiter das Fehlen von Nachwuchsspielern und geeigneten Bahnen. „Die Anlagen benötigen für einen Sportbetrieb zudem eine spezielle Zulassung“, ergänzte der aktive Spieler Marcel Schaurer, bevor er mit Robert Fath dem im Rollstuhl sitzenden früheren Vorsitzenden des Haßlocher Behindertenbeirats beim Wurf auf die Vollen assistierte. Vor Ort war während der Veranstaltung als Ansprechpartner zudem dessen Nachfolger Jürgen Hess.
In der großen Halle sah sich derweil Thorsten Gall von den „Glückspanthern“ der HSG Dudenhofen/Schifferstadt im Handballtor dem Dauerbombardement von Leon (5) und Charlie (3) ausgesetzt. „Der ältere von beiden spielt schon Fußball beim VfB Haßloch, aber vielleicht hat er jetzt auch noch eine andere Sportart für sich entdeckt“, kommentierte Vater Simon Neubauer die sichtliche Freude von beiden Söhnen beim Umgang mit dem kleineren Ball. „Ich finde die heutige Aktion eine gute Gelegenheit einmal mehrere Sportarten kennen zu lernen und überall reinschnuppern zu können“, lobten er und seine Frau das Engagement des Vereins, „und die Trainer nehmen sich dabei auch viel Zeit für die Kinder.“
Bruns hilfsbereit
Man habe die Kollegen in Haßloch gerne unterstützt, so Steffen Bruns als Verantwortlicher der seit September 2025 aktiven und mittlerweile vierten inklusiven Handball-Gruppe in der Pfalz. Alle 14 Tage trainieren momentan regelmäßig 15 Kinder und Jugendliche mit geistiger und körperlicher Behinderung gemeinsam und den jeweiligen Fähigkeiten angepasst in der Ganerbhalle Dudenhofen, „und fast immer kommen jeweils zwei bis drei Neue zum Schnuppern dazu.“ Zwar kämen die meisten Teilnehmer, darunter viele mit Autismus, aus der Umgebung von Speyer. Aber auch aus Landau und sogar Kaiserslautern reisen mangels anderer Sportangebote Eltern mit ihren Kindern an, berichtet er weiter von einem großen Interesse, „und die Erfolge sind teilweise erstaunlich.“
Ein positives Fazit der Veranstaltung zog angesichts des guten Besuchs und der regen Aktivitäten in der Halle trotz der eigentlich ungünstigen Mittagszeit an einem Samstag schließlich der TSG-Vorsitzende Hans-Jürgen Armbrust. „Wir haben den Aktionstag Inklusion mit drei Sitzungen vorbereitet und über Social Media, Plakate und Flyer dafür geworben, aber nicht so genau gewusst was letztlich auf uns zukommen und wie er angenommen wird.“ Seine leichten Bedenken hinsichtlich der Einbeziehung der Tischtennis-Abteilung hätten sich dabei nicht bestätigt und vielleicht sei die Teilnahme an der Veranstaltung für den einen oder anderen Besucher auch ein Anlass, zukünftig in einer der TSG-Abteilung sportlich aktiv zu werden. Jetzt werde man im Nachhinein vereinsintern besprechen, ob und in welchem Rahmen es eine weitere Veranstaltung dieser Art geben wird.