Neustadt Absurdes Theater: Ionescos „Die Nashörner“ im Saalbau
Das Landestheater Detmold gastiert mit dem Schauspiel „Die Nashörner“ von Eugène Ionesco. Präsentiert wird die Aufführung von der Kulturabteilung der Stadt Neustadt an der Weinstraße.
An einem scheinbar gewöhnlichen Sonntag sitzen die Freunde Bérenger (deutsch Behringer) und Jean (deutsch Hans) auf einer Caféterrasse – bis plötzlich ein Nashorn über den Platz stürmt. Die Anwesenden reagieren schockiert und verwirrt, doch Bérenger scheint davon kaum berührt. Am nächsten Tag sorgt ein weiterer Vorfall im Büro für Aufruhr: Madame Boeuf (Frau Ochs) berichtet panisch, ein Nashorn habe sie verfolgt. Kurz darauf stürmt das Tier die Treppe hinauf – und wird von ihr als ihr eigener Ehemann erkannt. Nach und nach verwandeln sich immer mehr Menschen des kleinen Provinzstädtchens in wütende Dickhäuter. Bald sind sie in der Mehrheit. Wer dazugehören will, schließt sich an, denn schließlich müsse man „mit der Zeit gehen“.
Parabel über Massenbewegungen
Mit „Die Nashörner“ schuf Eugène Ionesco eine ebenso absurd-komische wie scharfzüngige Parabel über ideologische Massenbewegungen, Gruppenzwang und opportunistisches Mitläufertum. Das Stück gehört zu den Klassikern des absurden Theaters und hat bis heute nichts von seiner gesellschaftlichen Relevanz verloren.
Die Interpretation der Erzählung bleibt offen. Die wahrscheinlichste Interpretationsmöglichkeit ist die der Kritik an sämtlichen totalitären Regimen und am Verhalten des Volkes, das widerstandslos folgt, als einheitliche Masse und aus Angst vor dem Regime. Ionesco kritisiert im Speziellen das Verhalten der Franzosen zu Beginn der deutschen Okkupation. Außerdem zeigt er auf, wie sich alle totalitären Regime vermischen, um die Orientierung der Menschen anzugreifen und Intellektuelle sowie Bürgerliche in Herdentiere wie Nashörner zu verwandeln.
Nur einer widersteht
Behringer, dessen Veränderung der Zuschauer während des gesamten Stückes verfolgt, ist am Ende der Einzige, der der Krankheit, der „Rhinocérite“, widersteht. Seine Reaktion bleibt die einzige normale: „Ein Mensch, der sich in ein Nashorn verwandelt, das ist unbestritten nicht normal.“ Er könnte beispielsweise die Résistance repräsentieren, die sich während des Zweiten Weltkriegs formierte.
Ein anderer Bezugspunkt zur Interpretation des Stückes ergibt sich aus der Situation Ionescos, der, aus Rumänien geflohen, dessen quasi totalitäres Regime verabscheut und auf die Entstehung dieses Regimes verweist.
Info
Einlass: 18.30 Uhr, Beginn: 19.30 Uhr. Karten ab 19, ermäßigt 12 Euro zuzüglich Servicegebühr von Ticket Regional sind online unter ticket-regional.de, bei allen Ticket-Regional Vorverkaufsstellen (zum Beispiel Tabak Dürninger Neustadt, Tourist-Information Neustadt, Tourist-Information Maikammer) und telefonisch unter der Ticket-Regional-Hotline 0651 97 90 777 erhältlich.