Neustadt
40 Jahre Bioweinbau bei Schwarztrauber: Aus der Nische zum preisgekrönten Winzer
Seine Eltern hatten zuvor konventionellen Weinbau betrieben. Als es um die Übergabe des Guts an Sohn Gerhard ging, stellte er die Bedingung: „Ich werde nur Winzer, wenn wir auf Bio umstellen“. Diese Entscheidung führt Schwarztrauber auch auf seine Großmutter Susanne, genannt „Sannchen“ zurück: „Sie war damals schon Vegetarierin und im Dorf als Kräuterhexe bekannt“, sagt Schwarztrauber. Auch sei das die Zeit gewesen, in der die „Eine Welt“-Idee entstanden sei und in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für den Einsatz gefährlicher Pflanzenschutzmittel entstanden sei. „Das wollte ich nicht“, meint er entschieden, schränkt aber ein, dass er dafür viel lernen musste.
„Die Grundidee, dass es dem Boden gut gehen muss, ist ja bei allen Kollegen gleich, aber wie das gelingt, ist eine individuelle Lernkurve“, beschreibt er die ersten Jahre, in denen er herausfand, wie Humus aufgebaut wird und welche Kräuter sich zur Begrünung der Weinberge eignen. Einschlägige Literatur habe es seinerzeit ja nur sehr wenig gegeben. Praktisches Wissen habe er in den Anfangsjahren vor allem von Kollegen erworben.
Dabei musste er „viel Lehrgeld zahlen“, sagt er. Viel sei ausprobiert, so mancher Rückschlag eingesteckt worden: „Was nutzt der grünste Wingert, wenn am Schluss die Qualität der Weine nicht stimmt“ , blickt er zurück. Etwa sieben Jahre habe es gedauert, bis er eine Routine entwickelt hatte und alle Weinberge auf Bio umgestellt gewesen seien.
200.000 Flaschen pro Jahr
Etwa 20 Jahre habe es gedauert, bis bei den Weintrinkern die Erkenntnis gereift sei, dass Bio und Qualität einander nicht ausschließen, erinnert er sich. Auch habe es lange gedauert, bis er seinen Kundenstamm aufgebaut und die Bevölkerung ein Bewusstsein für die Umwelt und Biodiversität entwickelt habe. Als Schwarztrauber als Bio-Winzer an den Start ging, seien 0,1 Prozent der Pfälzer Weingüter diesen Schritt mitgegangen, heute, 40 Jahre später liege der Anteil bei elf Prozent in Rheinland-Pfalz. „Das hätte ich damals nie gedacht“, sagt er heute. Dass sich das Durchhalten durchaus gelohnt hat, beweisen zahlreiche Preise und Auszeichnungen, die das Weingut vorzuweisen hat: Neben zahlreichen Medaillen bei Mundus Vini, Empfehlungen im Gault & Millau und falstaff nicht zuletzt den Umweltpreis der Stadt Neustadt.
Dass immer mehr Kollegen auf Bio gesetzt haben, habe auch zur Nachfrage nach entsprechenden neuen landwirtschaftlichen Geräten gesorgt, so Schwarztrauber: Maschinen zur Unterstockbearbeitung für die Förderung der Luftzirkulation um die Rebe herum beispielsweise habe es zuvor nicht gegeben. „Dass immer mehr Betriebe diesen Weg gegangen sind, beweist der Rundgang entlang der Weinstraße zwischen Neustadt und Bad Dürkheim: Nahezu jedes namhafte Weingut ist entweder Bio oder bei Fair ’n’ Green.“
Heute bewirtschaftet das Weingut etwa 18 Hektar Rebfläche und produziert mit dem Zukauf von Trauben befreundeter Bioland-Kollegen rund 200.000 Flaschen pro Jahr. Neben Schwarztrauber selbst arbeiten eine Vollzeit- und drei Teilzeitkräfte, außerdem Helfer bei der Weinlese.
Aktive Kundenbindung
Die aktuelle Situation auf dem Weinmarkt beschreibt Schwarztrauber als „äußerst herausfordernd“: Einerseits sei die Pfalz mit hervorragenden Rahmenbedingungen für den Weinbau, tollen Qualitäten und top ausgebildeten Leute dafür gesegnet, andererseits herrschten weltweit schwierige Marktbedingungen. Obwohl Bio-Lebensmittel auch im Weinbau durchaus gefragt seien, werde Wein aus aller Welt nach Deutschland importiert. Gleichzeitig gehe der Alkoholkonsum vor allem beim jüngeren Publikum zurück. Dem könne man mit alkoholfreien Weinen und Schaumweinen begegnen, müsse da bei aber die Qualität und die Kosten im Blick behalten.
Er setze im Weingut auf einen Mix aus Endverbrauchern, Gastronomie, Bio-Einzelhandel und Export, was schon einen gewissen Aufwand erfordere: „Gerade im Handel muss ich lieferfähig sein und viele unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen“, sagt er – andererseits bringe das eine gewisse Stabilität in den Betrieb. Wichtig sein auch, aktiv Kundenbindung zu betreiben, sei es über soziale Medien – oder auch über Hoffeste wie im Mai, wenn er am 16. und 17. Mai seinen 40. „Geburtstag“ als Bio-Winzer feiert.

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