Neustadt Über den Kirchturm hinaus: Wie eine gerechte Gesellschaft aussehen kann
Der Weltfrauentag am 8. März ist ein guter Anlass zu resümieren, wie weit wir bei der Gleichstellung in der Gesellschaft gekommen sind. Manche meinen vielleicht sogar, der Weltfrauentag sei nicht mehr nötig. Die Frauenbewegung habe schon vieles erreicht und die Gesellschaft sich weiter entwickelt. Frauen definieren sich weltweit als eigenständige, wertvolle Menschen. Das ist eine erfreuliche Entwicklung.
Zugleich bleibt viel zu tun. Frauen werden weiterhin bedroht und umgebracht, nur weil sie Frauen sind oder weil sie für ihre Rechte als Frauen kämpfen, wie die Ermordung der Frauenrechtlerin Yanar Mohammed im Irak diese Woche zeigt.
Wir müssen aber gar nicht so weit weggehen. Auch in Deutschland sind Frauen täglich von Gewalt und Diskriminierung betroffen. Ich habe den Eindruck, dass sich der Ton in den vergangenen Jahren wieder verschärft hat. Frauenfeindliche Aussagen, manchmal sogar regelrechter Frauenhass, sind wieder öfter zu hören. Alte Rollenbilder drängen wieder stärker an die Oberfläche und werden über soziale Medien an Kinder und Jugendliche herangetragen. Das schadet Frauen und der gesamten Gesellschaft.
Mehr Anerkennung für Care-Arbeit
In vielen Bereichen haben Männer und Frauen weiterhin ungleiche Chancen. Armut trifft auch hierzulande besonders häufig Frauen. Nach wie vor leisten sie den größten Teil der Care-Arbeit in Familien, das heißt, die Fürsorge für Kinder und pflegebedürftige Angehörige. Diese Arbeit braucht gesellschaftliche Anerkennung und eine angemessene finanzielle Berücksichtigung.
Es gibt also trotz der Fortschritte noch eine Menge zu tun, bis wir eine gerechte Gesellschaft erreicht haben – eine Gemeinschaft, von der ich glaube, dass Gott sie so für uns vorgesehen hat. Die Bibel gibt jedenfalls zahlreiche Hinweise darauf, wie eine gerechte Gesellschaft aussehen könnte: eine Gemeinschaft, in der alle zu ihrem Recht kommen und ihr Auskommen haben.
Wir sind nicht alle gleich – Gott sei Dank, würde ich sagen. Es gibt Unterschiede und das ist auch gut so. Denn es macht die Welt bunt und spannend. Wir haben unterschiedliche Fähigkeiten und Begabungen, Männer und Frauen sind verschieden, es gibt Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und Herkunft. Doch wir gehören zusammen und sind gleich viel wert. Alle müssen die Chance erhalten, sich zu entfalten und sich in die Gemeinschaft einzubringen. Das gilt es umzusetzen. Die Chance ist da – nutzen wir sie.
Die Autorin
Martina Horak-Werz ist Pfarrerin und Bildungsbeauftragte im Kirchenbezirk Neustadt.