Neustadt Über den Kirchturm hinaus: Schwellentraining im Sozialraum
Haben Sie schon einmal bewusst wahrgenommen, durch wie viele Türen und Tore Sie täglich gehen oder fahren? Über welche Schwellen sie andere Räume betreten? Über eine Schwelle gehen bedeutet zunächst, einen neuen Raum betreten. In der Küche erwartet mich etwas anderes als im Schlafzimmer, das ich gerade verlassen habe. Im Bus treffe ich andere Menschen als im Büro. Hinter jeder Schwelle zeigt sich Leben von einer bestimmten Seite.
In meinen eigenen vier Wänden bin ich frei, selbst zu gestalten und zu regeln. Teile ich Räume mit anderen, braucht es im Miteinander mehr Achtsamkeit. Da kann man auch mal über eine innere Schwelle der anderen stolpern. Und erst recht ist Behutsamkeit gefragt, wenn ich an der Schwelle zu Räumen stehe, die sich die unterschiedlichsten Menschen teilen. Räume, die ganz andere gestalten und regeln.
Drei Tore zum Innehalten
In unserer bunten Welt sind wir eingeladen, uns über unseren Kirchturm hinaus zu öffnen. Uns auf Menschen einzulassen, die ihr Leben und ihre Räume anders gestalten. Die Respekt und Achtsamkeit erwarten, wenn ich über ihre Schwellen gehen will. Bei denen andere Regeln gelten als die meinen.
Bevor ich ein Urteil fälle, helfen mir drei Tore, an denen Rumi, ein Sufi-Meister, einlädt, innezuhalten. „Beim ersten Tor frage: Ist es wahr? Am zweiten Tor frage: Ist es notwendig? Am dritten Tor frage: Ist es freundlich?“ Es dauert nicht lange und macht einen großen Unterschied, wenn ich es schaffe, über diese Schwellen zu gehen. Probieren Sie es aus.
Die Autorin
Dagmar Pfeiffer ist Gemeindereferentin in der katholischen Pfarrei Hl. Theresia von Ávila in Neustadt.