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Mittwoch, 16. Januar 2019 Drucken

Neustadt Land

Zwei Welten in einem Buch

Ludwigshafen: Eine Person, zwei Rollen – Céphas Bansah ist König in Ghana und Kfz-Mechaniker

Von Simon Gruber

König Bansah und das neue Werk: Vor 48 Jahren kam er nach Deutschland, seine Krönung liegt 27 Jahre zurück.

König Bansah und das neue Werk: Vor 48 Jahren kam er nach Deutschland, seine Krönung liegt 27 Jahre zurück. ( Foto: KUNZ)

Céphas Bansah ist König von Hohoe GBI Traditional Ghana. Das ist der Teil des Volkes der Ewe, der in Ghana lebt. Für die Ewe in den Nachbarländern Togo und Benin ist er spirituelles Oberhaupt. Er trägt dort die Verantwortung für etwa drei Millionen Menschen, wohnt aber in Ludwigshafen. Hier arbeitet er als Kfz-Mechaniker in seiner eigenen Werkstatt. Sein Volk regiert er täglich über Whats-App und durch mehrere Besuche im Jahr. Die Geschichte des Mannes, der sich im Blaumann am wohlsten fühlt, obwohl er oft goldene Gewänder und eine Krone trägt, ist nun als Buch erschienen.

In Deutschland wohnt der 70-Jährige seit 48 Jahren, seine Krönung liegt 27 Jahre zurück. In dieser Zeit ist viel geschehen. Genug, um ein Buch zu schreiben, beschlossen Bansah und seine Frau, Königin Gabriele Bansah. Fünf Jahre lang verfolgten sie den Gedanken, das Erlebte aufzuschreiben. „Bis wir eines Tages wussten: Jetzt ist der Topf voll“, erklärt Bansah bei einem Gespräch über sein neues Buch. Ein halbes Jahr habe sich seine Frau abends, nachts und am Wochenende Zeit genommen, um alles aufzuschreiben. Die Erzählungen aus seiner Jugend in Ghana, seine Lehrjahre in Deutschland, die Berufung zum König, und alles, was danach folgte.

Am 1. Januar ist das Buch mit dem Titel „Zwischen Krone und Schraubenschlüssel – König zwischen zwei Welten“ erschienen. 243 Seiten über Bansah, sein Volk, seine Arbeit und seine Projekte. Es ist nicht das erste Werk über den König. Bereits 1997, erst fünf Jahre nach der Krönung, erschien „Majestät im blauen Anton“ von Horst O. Hermanni. In diesem wie auch im aktuellen Buch werden auch Kultur und Bräuche des Ewe-Volks und die Einflüsse der Europäer während der Kolonialzeit thematisiert. Hintergründe, die dabei helfen, das Handeln des Königs besser zu verstehen und einzuordnen.

Denn wie der Titel des neuen Buchs verrät, lebt der König in zwei Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Auch in Ghana ist der größte Teil der Bevölkerung christlich, die Kultur unterscheidet sich jedoch erheblich in gesellschaftlichen Strukturen, Traditionen und Bräuchen. Das Buch gewährt einen Einblick in diese Kultur und erklärt den Voodoo-Kult und andere Rituale des Ewe- Volks.

Diese Aufklärung liegt Bansah am Herzen. Im Gespräch betont er, dass während der Kolonialzeit und durch Missionare viele falsche Informationen verbreitet worden seien. Dass Afrika heute noch oft als ganzer Kontinent verurteilt werde, ohne dass Rücksicht auf die Verschiedenheiten und Beweggründe der dort lebenden Kulturen genommen werde. So sei die Verbindung der zwei Welten nicht einfach. Bansah erhält nach seinen Worten nicht nur Unterstützung für den Versuch, eine Brücke zwischen Deutschland und Ghana zu schlagen: In Ghana stoße er manchmal auf Kritik. „Leute sagen, ich denke langsam wie ein Deutscher“, berichtet er.

Trotzdem sollte Céphas Bansah als Deutscher nach dem Tod seines Großvaters zum König gekürt werden. Sein Vater und Bruder schieden aus der Wahl aus, da sie Linkshänder sind. Die linke Hand ist der Tradition des Ewe-Volks nach unrein. Bansah willigte ein. Allerdings unter der Bedingung, in Deutschland zu bleiben und sein Volk von dort aus zu regieren. Seine Begründung: Er habe sich hier viel aufgebaut, sei Kfz- und Landmaschinenmeister und leite seine eigene Werkstatt. In Deutschland könne er Geld für sein Volk verdienen, Aufmerksamkeit erregen und Spenden sammeln. Seine Bitte wurde akzeptier. Der Krone stand noch eine traditionelle und schmerzhafte Zeremonie im Weg, die Bansah auf die Probe stellen sollte. Er bewies seine Stärke – und das Ewe-Volk bekam einen neuen König.

Durch die Krönung gewann Bansah nicht nur das Vertrauen seines Volks, sondern auch die Aufmerksamkeit der Presse. Es folgten Talkshows und Werbekampagnen. Bansah wurde Weinkönig und veröffentlichte Schlagerlieder. Er wurde oft gefilmt, fotografiert, eingeladen, was ihm die Möglichkeit bot, von vielen Menschen gehört zu werden. Er machte auf sein Volk aufmerksam, gründete einen Förderverein und fand immer wieder Partner, die halfen. Ein Projekt folgte dem nächsten. In seiner Heimat in Ghana sorgen Pumpen aus Deutschland für sauberes Wasser, eine Schule ist entstanden, Brücken wurden gebaut, ein Frauengefängnis errichtet.

All diese Projekte werden im neuen Buch ausführlich beschrieben und mit vielen Bildern veranschaulicht. 10.000 Exemplare seien gedruckt worden, bisher laufe der Verkauf gut. „Leute konnten das Buch nicht weglegen“, sagt Bansah über die Rückmeldungen, die er von ersten Lesern bekam. Der Gewinn solle in Projekte für sein Volk fließen.

Bansah möchte noch einige Jahre in Deutschland bleiben. Zumindest solange seine Frau Gabriele noch arbeitet. Danach, so überlegt das Ehepaar, wollen sie vielleicht nach Ghana ziehen. Jedoch nicht, um sich auszuruhen. Der 70-Jährige ist noch immer voller Tatendrang. Ein weiteres Buch schließt er nicht aus.

Termin

Am Samstag, 13 bis 15 Uhr, signiert König Céphas Bansah sein Buch „Zwischen Krone und Schraubenschlüssel – König zwischen zwei Welten“ in der Thalia-Filiale der Rhein-Galerie. Das Buch (19,90 Euro) kann nach Vorbestellung auch bei ihm abgeholt werden. Kontakt: 0174/1005357.

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