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Freitag, 06. April 2018 Drucken

Neustadt Land

Was rankommt, muss auch wieder ab

Hintergrund: Die Pheromon-Dispenser zur Bekämpfung des Traubenwicklers sind aus den Weinbergen nicht mehr wegzudenken. Eigentlich müssen diese später wieder abgehängt werden. Aber nicht alle Winzer halten sich daran. Und so bleibt Plastikmüll im Wingert. Ist biologisch abbaubarer Kunststoff eine Lösung?

Von Judith Hörle

und Jennifer Back

Plastik-Ampullen im Weinberg: hilfreich, aber nicht verrottbar.

Plastik-Ampullen im Weinberg: hilfreich, aber nicht verrottbar. ( Foto: LM )

«Landau/Neustadt/Edesheim.» Gerade sind wieder zahlreiche Helfer im Wingert unterwegs, um die kleinen, braunen Pheromon-Dispenser auszuhängen. Damit wird der Traubenwickler bekämpft. Die Larven des Falters befallen Blüten und Trauben und mindern dadurch den Ertrag. Die künstlichen Pheromone verwirren die Männchen, sodass sie nicht mehr zu den Weibchen finden und sich paaren können. Für die Natur ist das wesentlich schonender als Insektizide.

Aber es bleibt ein Problem. Denn nicht alle Winzer halten sich daran, die Kapseln im Folgejahr wieder abzuhängen und einzusammeln. „Die liegen dann einfach auf dem Boden. Die sind aus Plastik, die verrotten nicht“, moniert Roland Schreieck den Plastikmüll im Wingert. Der Leinsweilerer hängt hobbymäßig für Winzer Pheromon-Ampullen aus. Nur ein Winzer hat ihn auch für den Abhang engagiert.

„Uns liegt sehr daran, dass diese Methode weiterhin großflächig zum Einsatz kommt“, sagt Andreas Kortekamp, Leiter des Instituts für Phytomedizin beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz in Neustadt, mit Blick auf die Vorteile für Naturhaushalt, Verbraucherschutz und Winzer. Auf 80 Prozent der Anbaufläche werde in der Pfalz die Verwirrmethode eingesetzt. Dabei seien gesetzlich vorgeschriebene Regeln einzuhalten: Die alten Dispenser müssen vor dem Ausbringen der neuen wieder eingesammelt werden. Das erledige man am besten beim Rebenschnitt oder beim Ziehen des Rebholzes, rät Kortekamp. Da die Dispenser nicht sehr groß seien und ihre Anzahl nicht so hoch, „bewerten wir den Verbleib auf dem Boden nicht als Müllbelastung und nicht als ein Problem für die Natur“. Dennoch will das DLR „mit Nachdruck auf die ordnungsgemäße Entsorgung der Ampullen hinweisen“.

Wie viele Plastik-Dispenser landen denn nun tatsächlich auf dem Boden? Schwierig festzustellen. Die Kontrolle übernimmt der Prüfdienst Agrarförderung beim DLR Mosel, erklärt Eveline Dziendziol, Pressesprecherin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier. In Rheinland-Pfalz gebe es 184 Anwendergemeinschaften – Zusammenschlüsse von Winzern, die Dispenser gemeinsam aushängen. 2017 habe die ADD zehn besucht. In zwei Fällen hätten die Winzer die Ampullen nicht vollständig abgehängt. Dafür gab’s eine Kürzung der Förderung. Denn der Pheromonaushang wird je zur Hälfte vom Land und von der EU gefördert. Auch die ADD schätzt die Müllbelastung durch nicht eingesammelte Ampullen im Verhältnis zu deren Nutzen als „relativ gering“ ein. Gleichwohl wolle man das Problem „so weit wie möglich minimieren“, so Dziendziol.

Eine Möglichkeit dafür könnten Dispenser aus biologisch abbaubarem Kunststoff sein. Bisher sei deren Einsatz aber daran gescheitert, dass die Duftstoffe nicht gleichmäßig und in notwendigen Mengen abgegeben worden seien, berichtet Kortekamp. Die BASF in Ludwigshafen hat in diese Richtung geforscht. Sie stellt auch Dispenser her. Allerdings hätten die Versuche keine befriedigenden Ergebnisse gebracht, sagt BASF-Sprecherin Christina Zeintl. Sie weist darauf hin, dass ihre vertriebenen Dispenser aus konventionellem Kunststoff seien. Die eingesammelten Dispenser könnten über das Entsorgungssystem Pamira entsorgt werden, so Zeintl. Das System starte mit bundesweit 365 Sammelstellen in die aktuelle Saison. Dort werden an ein- bis viertägigen Terminen gebührenfrei Verpackungen mit Pamira-Zeichen zurückgenommen und danach umweltgerecht entsorgt.

Der Vorsitzende der Bauern- und Winzerschaft Deidesheim, Franz Arnold, hofft darauf, dass es der BASF gelingt, biologisch abbaubare Dispenser herzustellen. Er könne sich vorstellen, dafür auch mehr Geld auszugeben als für herkömmliche Pheromon-Kapseln. „Die Arbeitszeit für das Einsammeln der Dispenser kostet ja schließlich auch Geld“, argumentiert Arnold. Etwa 30 Prozent der Plastikkapseln würden in Deidesheim nicht eingesammelt. „Die werden dann mitsamt den Reben gehäckselt und bleiben im Wingert liegen“, weiß Arnold. Die großen Weingüter sowie die Biobetriebe in Deidesheim sammelten die Dispenser alle selbst ein.