Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Montag, 18. Februar 2019 Drucken

Neustadt Land

Sichere Spürnasen

Maikammer: Wenn andere in Notlagen geraten, ist sie zur Stelle: die Rettungshundestaffel Mittelpfalz. Dass die Ehrenamtlichen und ihre Vierbeiner bestens ausgebildet sind, hat eine Übung auf der Kalmit eindrucksvoll demonstriert. 15 Hunde wuselten mit Plan durchs unwegsame Gelände. Fazit: Wer sich verläuft, darf sich auf die Retter verlassen.

Von Hildegard Janssen-Müller

Erfolgreiche Suche im Felsenmeer unterhalb des Kalmitgipfels: Rettungshündin Schnecke findet den „abgestürzten“ Julian Feth und wird von Herrchen Karlheinz Guntzler gebührend belohnt.

Erfolgreiche Suche im Felsenmeer unterhalb des Kalmitgipfels: Rettungshündin Schnecke findet den „abgestürzten“ Julian Feth und wird von Herrchen Karlheinz Guntzler gebührend belohnt. ( Foto: Linzmeier-Mehn)

Hunde mit Glöckchen und Lichtern am Halsband und der Nase im Wind suchten am Samstagvormittag auf der Kalmit nach „Vermissten“. Da wurden Spaziergänger auch schon mal freundlich gebeten, ihre Picknickdecke besser an einen anderen Platz auszubreiten als im Felsenmeer, denn das diente am Samstagvormittag der Rettungshundestaffel Mittelpfalz als Übungsgelände.

Den Hunden wäre es dabei nicht um das Frühstück gegangen; sie werden darauf trainiert, vermisste Menschen zu finden, erklärt Karlheinz Gutzler, kommissarischer Ausbildungsleiter und zweiter Vorsitzender der Rettungshundestaffel Mittelpfalz im Bundesverband Rettungshunde. Dafür lernen sie sogar, den Jagdtrieb auszuschalten. Die Vermissten können Kinder sein, die sich verirrt haben, demenzkranke Menschen mit Rollator oder an Krücken, Unfallopfer unter Schock, verletzte Jogger oder Wanderer.

Rettungshunde sind für Polizei und Feuerwehr wichtige Helfer bei der Suche nach vermissten Personen. Deshalb hat Peter Breitner, Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr der Verbandsgemeinde Maikammer, zum Training auf die Kalmit eingeladen. Hier gibt es gleich zwei Trainingsmöglichkeiten: auf dem ehemaligen Nato-Gelände für die Suche in Gebäuden sowie im Felsenmeer für das Auffinden von Menschen im Gelände und auf Flächen, was am häufigsten vorkommt, so Breitner.

Für die Hunde ist Abwechslung wichtig, damit sie nicht auf den Gewöhnungseffekt setzen können, sagt Barbara Jung, Erste Vorsitzende der Rettungshundestaffel.

An diesem Morgen sind 15 Hunde mit ihrer Begleitung gekommen, darunter Golden Retriever, Labrador, Border Collie, Boxer, Australian Shepherd und Mischlinge.

„Zum Rettungshund geeignet ist fast jeder Hund“, sagt Barbara Jung. Er sollte sozialverträglich sein mit Mensch und Tier und „auf jeden Fall schon die Begleithundeprüfung abgelegt haben“. Jungs 15 Monate altes Malinois-Weibchen Enya muss noch viel lernen. Ihr Vorgänger sei ein „Freiverweiser“ gewesen, erzählt Jung. Der wurde auf die Suche geschickt, kam dann zu ihr zurück, um den Fund zu melden und sie dann dorthin zu führen. Eine ähnlich hohe Laufleistung hat ein „Bringsler“. Er zeigt den Fund mit einem Halsband an. Das streift er ab, wenn er die gesuchte Person gefunden hat, bringt es im Maul zu Herrchen oder Frauchen und führt ihn oder sie dann zum Vermissten, erklärt Karlheinz Gutzler.

Die meisten Rettungshunde aber sind „Verbeller“. Sie bleiben vor dem gefundenen Menschen stehen und bellen so lange, bis Hundeführer oder -führerin kommen und sie belohnen – mit einem Spielzeug oder Leckerli. Im Gegensatz zu den „Mantrailern“, die eine bestimmte Person suchen, „suchen unsere Flächensuchhunde alles, was Mensch ist“, sagt Jung.

Die neunjährige „Schnecke“, Gutzlers kleine Mischlingshündin, auf Fläche und Trümmer geprüft, macht es vor. Sie bekommt noch eine Schluck „Zaubertrunk“, denn Wasser hält die Schleimhäute feucht und lässt den Geruchssinn besser funktionieren. Dann zieht Gutzler ihr die „Kenndecke“ an, ein breites Band wie eine Art Stola mit Glöckchen und Leuchte, damit der Hund auch in der Dunkelheit und in schwierigem Gelände zu orten ist. Für den Hund signalisiert die Kenndecke „Arbeit“, für den Förster, dass dieser Hund im Einsatz und kein Streuner ist.

Schnecke saust zielgerichtet den Hügel im Felsenmeer hinauf. Kurz darauf ist ihr Bellen zu hören. Sie hat ihr „Opfer“ gefunden, den 16-jährigen Julian Feth. Gutzler geht dem Bellen nach. Das hört bald auf und Schnecke trabt mit einem Spielzeug im Maul, ihrer Belohnung, wieder zurück.

Als nächste geht Ronja, das knapp elfjährige Golden-Retriever-Mädchen, los. Auch sie wird schnell fündig. Sie hat schon 60 reale Einsätze hinter sich, erzählt ihre Führerin Christine Wellacher. Damit ist sie das, was die sieben Monate alte Snoopy der 18-jährigen Nele Pelzer erst noch werden soll: eine Expertin. Auch Claudia Brunners Border Collie Tom-Tom weiß genau, woher der Wind den Geruch trägt. Sein noch etwas ungestümer junger Kollege Hui Buh tobt dagegen lieber noch mit Snoopy.

Das Suchen und Finden von Vermissten, sagt Gutzler, sei nicht das Problem. Schwieriger sei es, dem Hund das richtige Verbellen beizubringen, denn er darf dabei der gesuchten Person nicht zu nahe kommen.

Rettungshunde müssen so in vielen kleinen Schritten eine ganze Handlungskette erlernen und das einmal jährlich in einer Prüfung zeigen. Auch ihre Führerinnen und -führer, alles Ehrenamtliche, werden regelmäßig geschult. Sie sollen ihren Hund „lesen“ können, denn Hund und Hundeführer bilden ein enges Team, zu dem beim Einsatz auch ein Suchtrupp-Helfer gehört.

Neustadt-Ticker