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Donnerstag, 17. Januar 2019 Drucken

Neustadt Land

Raus aus der Krise

Mannheim: Geschäftsführer arbeiten an Neuausrichtung des Uniklinikums

Von Oliver Seibel

Die Beschäftigten im Mannheimer Klinikum haben bewegte Zeiten hinter sich. Die Stimmung im Haus soll sich unbedingt verbessern.

Die Beschäftigten im Mannheimer Klinikum haben bewegte Zeiten hinter sich. Die Stimmung im Haus soll sich unbedingt verbessern. ( Archivfoto: KUNZ)

Ein neues Führungsduo soll das Universitätsklinikum wieder auf Kurs bringen – vor allem finanziell. Die Geschäftsführer Hans-Jürgen Hennes und Freddy Bergmann wollen schnell die ersten Akzente setzen. Die erste überraschende Entscheidung gibt es schon.

Der Neue ist da. Seit wenigen Tagen ist die Geschäftsführung des Universitätsklinikums komplett. Hans-Jürgen Hennes ist der erste hauptamtliche Ärztliche Direktor des größten Mannheimer Krankenhauses. Der 61-jährige Speyerer bildet ab sofort mit Freddy Bergmann (58), der für alles Kaufmännische zuständig ist, das neue Führungsduo. Die beiden kennen sich bestens, haben sie doch in derselben Konstellation von 2012 bis 2015 im Städtischen Klinikum in München zusammengearbeitet.

Für die Neuausrichtung des krisengeschüttelten Hauses erarbeitet die Geschäftsführung ein Konzept, das die aktuellen und zukünftigen medizinischen Angebote, die dafür nötige bauliche Infrastruktur und die Finanzen beinhalten wird. Ihre gemeinsame Amtszeit starten sie mit einer überraschenden Entscheidung. Die Stelle des Pflegedirektors, die erst im April des vergangenen Jahres abgeschafft worden ist, soll es wieder geben. Die Geschäftsführung rechnet aber nicht damit, dass diese vor dem Sommer besetzt wird. Geeignete Personen sollen angesprochen werden. Die Frage, ob es ein Fehler gewesen sei, die Stelle aufzulösen, beantwortet Hennes diplomatisch: „Ich werde mich hüten, die Vergangenheit zu bewerten, ohne Detailkenntnisse zu haben.“ Bergmann bestätigte, dass die große Unruhe, die diese Entscheidung erzeugt habe, sich in Teilen der Belegschaft bis heute halte. Bei einer Mitarbeiter-Versammlung am Donnerstag dürfte die 180-Grad-Wende wohlwollend aufgenommen werden. „Erste Reaktionen im Haus waren positiv“, sagt Bergmann.

Überhaupt wollen Bergmann und Hennes beim Thema Pflege einen Schwerpunkt setzen. Zum einen sollen offene Stellen so schnell wie möglich besetzt werden, zum anderen wolle man die Stimmung unter den Mitarbeitern verbessern. Es gebe einen Bedarf von um die 40 examinierten Pflegekräften. „Wir wollen uns in einer Kampagne als attraktiver Arbeitgeber präsentieren und um Pflegekräfte werben“, kündigt Hennes an. Der Fachkräftemangel in diesem Bereich trifft nicht nur das Klinikum. Er ist im ganzen Land allgegenwärtig. Das macht die Situation für das Mannheimer Krankenhaus nicht einfacher. Um besser auf kurzfristige Erkrankungen reagieren zu können, soll ein sogenannter Springer-Pool erweitert werden. Zehn bis zwölf Kräfte stehen darin bislang zur Verfügung, er soll idealerweise mindestens 30 Personen umfassen. „Pflege ist für uns beide Chefsache“, betont Hennes.

Um Kosten zu sparen, will das Klinikum stärker mit anderen Krankenhäusern zusammenarbeiten – auf vertraglicher Grundlage. Bergmann verdeutlicht diesen Ansatz so: „Es ergibt keinen Sinn, wenn jeder alles anbietet. Als Volkswirt nenne ich das Ressourcenverschwendung. Einen Zerfleischungsprozess kann sich keiner leisten.“ Als Beispiel nennt er die Zusammenarbeit mit dem Klinikum in Ludwigshafen. Stichwort Digitalisierung: Die beiden Krankenhäusern haben beispielsweise ihre IT-Abteilungen zusammengelegt. Auch medizinisch gibt es schon Kooperationen.

Um irgendwann nicht mehr oder nicht mehr so stark am Tropf der Stadt zu hängen, müssen die beiden Geschäftsführer dafür sorgen, dass mehr Patienten im Klinikum behandelt werden. In den vergangenen beiden Jahren seien es rund 47.000, 2018 rund 200 weniger als 2017 gewesen. Zum Vergleich: 2013 waren es noch mehr als 56.000. Es folgte ein Hygiene-Skandal, an dessen Folgen die Klinik bis heute leidet. Die Bettenauslastung – 1352 gibt es – habe zuletzt bei 75 Prozent gelegen. 80 bis 82 Prozent seien das Ziel, so Bergmann.

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