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Mittwoch, 11. Dezember 2013 Drucken

Haßloch

Nur jeder Vierte lässt sich beraten

Die ”Energiekarawane” im ”Vogelviertel” ist zu Ende. Rund ein Viertel der 400 Hausbesitzer, die von acht Energieberatern in den vergangenen sechs Wochen kontaktiert worden waren, haben eine kostenlose energetische Erstberatung in Anspruch genommen. Damit liegt das GfK-Dorf im Durchschnitt der bisherigen Aktionen.

Die ”Energiekarawane” hatte zum Ziel, die Eigentümer von Häusern aus den 1950er bis 1970er Jahren in den eigenen vier Wänden aufzusuchen und für energetische Schwachstellen wie eine schlecht gedämmte oder undichte Gebäudehülle, zugige Fenster oder eine alte Heizung zu sensibilisieren. Unterstützt wurde die Aktion von der ”Initiative Energieeffizienz” der Metropolregion Rhein-Neckar sowie der Sparkasse Rhein-Haardt und der Volksbank Kur- und Rheinpfalz als Sponsoren.

Die Beratungsquoten im ”Vogelviertel” - so heißt der Bereich im Süden zwischen Sägmühlweg und Kirchgasse , in dem die Straßen Vogelnamen tragen - lagen nach Angaben des Umweltbeauftragten Michael Müller zwischen 9 und 37 Prozent. Bei dieser Zahl seien die Rückmeldungen von sechs der acht Energieberater berücksichtigt. Der Beratungsschnitt entspreche dem Durchschnitt aller bisher in der Metropolregion Rhein-Neckar gelaufenen ”Energiekarawanen”.

Beispielhaft für die acht Energieberater steht Christina Fraude. Von den 48 Adressen habe sie 19 Absagen und 16 Zusagen bekommen, berichtete die Diplom-Ingenieurin im Klimaschutzbeirat. 13 Adressaten hätten sich gar nicht gemeldet. Neben der Aussage ”Wir sind zu alt” seien häufige Ablehnungsgründe ”Kein Geld für eine energetische Sanierung” und ”Kein Interesse an einer kostenfreien Beratung” gewesen.

Dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) neben Krediten auch Zuschüsse gewähre, sei auch kaum einem Hausbesitzer bekannt gewesen, bedauerte Fraude. Zitiert worden sei zudem oft der Bezirksschornsteinfeger mit den Worten: ”Die Abgaswerte sind in Ordnung”. Warum sollte man sich dann also einen neuen Heizkessel zulegen oder zu regenerativen Energien greifen?

”Die Aussage über die Abgasverluste, die sich im Schornsteinfegerprotokoll befindet, gibt keine Information über die Qualität der Gebäudehülle und über die tatsächliche Effektivität der Heizungsanlage, weil dabei beispielsweise die Stillstandsverluste nicht berücksichtigt werden”, sagte Michael Müller. Im Klimaschutzbeirat wurde darauf hingewiesen, dass hier bei den Schornsteinfegern ein Interessenskonflikt bestehen könne: Auch wenn diese wüssten, dass viele ältere Heizungen trotz guter Abgaswerte in energetischer Hinsicht schlecht seien, bedeute jede Empfehlung eines modernen Brennwertkessels auch eine Reduzierung ihrer Kehrpflicht und damit ihrer Einkünfte. Christoph Haas (CDU) wollte die Schornsteinfeger trotzdem als Unterstützer gewinnen. Eine endgültige Lösung wurde an dem Abend noch nicht gefunden.

Von den rund 500.000 Gebäuden mit den 1,1 Millionen Wohnungen in der Metropolregion Rhein-Neckar gehören laut ”Initiative Energieeffizienz” 250.000 Ein- und Zweifamilienhäuser mit 315.000 Wohnungen aus den Baujahren 1949 bis 1979 zur Zielgruppe. Die ”Initiative” hofft, durch den Motivationsschub in der gesamten Metropolregion Rhein-Neckar die Rate der energetischen Altbausanierungen von einem auf zwei Prozent zu erhöhen.

Etwa 60 Prozent der Bürger, die eine kostenfreie Erstberatung in Anspruch genommen haben, so hat die ”Initiative Energieeffizienz” festgestellt, haben im Jahr danach auch energetische Sanierungsmaßnahmen umgesetzt. Dementsprechend wollen die acht hier eingesetzten Energieberater in einem Jahr überprüfen, wie viele Haßlocher aus dem ”Vogelviertel” energetische Sanierungen - wenn auch in noch so kleinem Umfang - realisiert haben. Bei der Gemeindeverwaltung wird überlegt, 2014 die ”Energiekarawane” in einem anderen Viertel der Gemeinde zu wiederholen.

Seit Anfang 2009 hat die ”Initiative Energieeffizienz” 62 ”Energiekarawanen” in der Metropolregion Rhein-Neckar durchgeführt. 2014 sind 15 weitere dieser Aktionen geplant. Von Januar 2011 bis Sommer 2012 hatte das Projekt unter der Verantwortung der Länder Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg gestanden. Seit Sommer 2012 wird die Initiative vom Bundesumweltministerium unterstützt, das Fördermittel in Höhe von 500.000 Euro zur Verfügung gestellt hat. Als Sponsoren treten auch örtliche Geldinstitute auf. (feli)

Neustadt-Ticker