Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Samstag, 23. Juni 2018 Drucken

Neustadt

Neustadt: Protest gegen AfD-Vereinnahmung des Hambacher Festes

Von Kathrin Keller

An der Veranstaltung auf dem Marktplatz beteiligten sich das regionale Bündnis gegen Rechts, die Grünen und die SPD.

An der Veranstaltung auf dem Marktplatz beteiligten sich das regionale Bündnis gegen Rechts, die Grünen und die SPD. ( Foto: Mehn)

Die Kundgebung der AfD am Fuß des Schlosses.

Die Kundgebung der AfD am Fuß des Schlosses. ( Foto: FREI/KELLER)

Rund 300 Menschen haben gestern Abend auf dem Marktplatz gegen die Vereinnahmung des Hambacher Festes durch die AfD demonstriert. Diese hatte zuvor erneut zu einer Kundgebung auf dem Schlossparkplatz aufgerufen und die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Merkel kritisiert.

Noch bevor die Redner auf dem Marktplatz das Mikrofon ergriffen, erklang die Melodie, die an diesem Abend die Menschen zusammenhielt: die Europahymne. Hambach, das Hambacher Fest von 1832, steht für Offenheit und für ein Miteinander in Europa, und eben nicht für nationalen Egoismus und für Abschottung: Das war die Botschaft der Veranstaltung, die vom regionalen Bündnis gegen Rechts organisiert worden war, nachdem die AfD bereits zum dritten Mal das Schloss für ihre eigenen Botschaften genutzt hatte.

17 Uhr war Treffpunkt am Saalbau. Eine zunächst überschaubare Gruppe von Demonstranten wurde schnell größer, startete schließlich mit rund 150 Teilnehmern, denen sich bis zum Marktplatz noch etliche anschlossen. Die Polizei schätzte die Zahl schließlich auf 300. „Hambach ist Vielfalt“, „Hambach steht nicht für Nationalismus, Ausländerhass, soziale Kälte“ und „Weil wir aus der Geschichte gelernt haben“ war auf den Transparenten zu lesen, die durch die Straßen getragen wurden. Letzteres von einer Gruppe von Schülern des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums, die zur „Courage-AG“ gehören.

Erste Rednerin auf dem Marktplatz war die Beigeordnete Waltraud Blarr (Grüne), die im Namen des Oberbürgermeisters und des gesamten Stadtvorstandes sprach. Sie appellierte an die Zuhörer, selbstbewusst und entschlossen für die Demokratie zu kämpfen. „Wir haben die besseren Argumente“, sagte sie mit Blick auf die AfD. Deutschland sei eben kein Land wie jedes andere, sondern in der Pflicht dafür zu sorgen, dass sich das „dunkle Kapitel“ des Landes – Nationalsozialismus und Krieg – nicht wiederholten.

Von politischer Seite sprachen außerdem die SPD-Landtagsabgeordnete Giorgina Kazungu-Haß und der Landesvorsitzende der Grünen, Josef Winkler. Auch sie riefen die Bürger dazu auf, sich zu engagieren. „Das, was zurzeit hier passiert, kann unser ganzes Leben verändern“, sagte Kazungu-Haß. Es heiße ja immer, dass Ängste ernst genommen werden sollten, fuhr sie fort. „Und es gibt Menschen, die inzwischen Angst haben – beispielsweise, weil sie eine andere Hautfarbe haben.“ Auch sie selbst habe inzwischen Angst, in bestimmte Regionen Deutschlands zu fahren. Die Situation sei bereits weit fortgeschritten. „Sprecht Leute an, damit sie sich empören“, forderte die SPDlerin.

Auch aus der Zivilgesellschaft kamen mehrere Appelle an die Bürger. „Die Demokratie lebt davon, dass Männer und Frauen für ihre Werte einstehen“, sagte beispielsweise Stefan Werdelis vom Verein Neustadt gegen Fremdenhass. Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit seien nicht vom Himmel gefallen, sondern von vielen ganz unterschiedlichen Menschen erarbeitet worden.

Gegen den erneuten Versuch der AfD, die Symbolik des Hambacher Schlosses im eigenen Sinne zu deuten, wandte sich auch die Hambach-Gesellschaft. Organisator Rüdiger Stein verlas einen Brief des Vorsitzenden Wilhelm Kreutz, der an der Universität Mannheim Geschichte lehrt. Die Freiheitskämpfer des Jahres 1832 hätten sich Deutschland im Rahmen eines „conföderierten, republikanischen Europa“ vorgestellt, heißt es darin. Nationalistische, antieuropäische Töne hätten deshalb in Hambach keinen Platz.

Am Nachmittag auf dem Parkplatz des Hambacher Schlosses war indes zu hören, dass die AfD den „kleinen Metternich Wolf“ ablösen wolle. Joachim Paul, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag und Hauptredner der Kundgebung, setzte damit den rheinland-pfälzischen Kultusminister Konrad Wolf (SPD) mit dem Hauptgegner der liberalen und nationalen Bewegung zur Zeit des Hambacher Festes gleich. Und kündigte vor den rund hundert AfD-Anhängern an: „Wir werden Zeugen dieser Umwälzung sein.“

Neustadt-Ticker