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Donnerstag, 31. August 2017 Drucken

Neustadt

Mundpropaganda kann helfen

Aktion „Alphamobil“ wirbt im Weinstraßenzentrum für Angebote bei Lese- und Schreibschwäche

Von Heike Klein

Im Gespräch: Sabine Kemler von „Alpha-Mobil“ und ein Passant.

Im Gespräch: Sabine Kemler von „Alpha-Mobil“ und ein Passant. ( Foto: LM)

Das „Alpha-Mobil“, eine Aktion des Bundesverbands Alphabetisierung und Grundbildung, hat Station im Weinstraßenzentrum gemacht. „Bitte weitersagen“ lautete die Devise der fünf Mitarbeiter, die am Dienstag Passanten ansprachen. Weitersagen deshalb, weil Menschen mit Lese- und Schreibschwäche das Informationsmaterial oder Zeitungsberichte nicht selbst erfassen können, um von Hilfsangeboten zu erfahren.

In Neustadt gehören dazu die Alphabetisierungskurse der Volkshochschule (VHS) und ab September das „Café Lückenfüller“ in der Bürgerecke. Daher half am Dienstag auch Susanne Lietz von der VHS mit, Passanten um die Weitergabe der Informationen zu bitten. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Betroffenen es erfahren, dass andere Menschen als Vermittler unterwegs sind, um diese Gruppe zu erreichen. In Deutschland gibt es rund sieben Millionen deutsche Muttersprachler, die Probleme beim Lesen und Schreiben haben“, erläuterte sie.

Die Ursachen seien dabei vielfältig. Lese-/Rechtschreibschwächen seien vor einigen Jahrzehnten noch nicht richtig erkannt und behandelt worden. Manche Betroffene hätten durch Krankheit oder Schulfrust den Anschluss verloren, andere Menschen seien beim Lernen kaum vom Elternhaus unterstützt worden, so Agnieszka Jaworski vom „Alpha-Mobil“. Andrea Michel-Schilling, die regionale Ansprechpartnerin des „GrubiNetzes“ (Grundbildung-Netzwerk) sagte: „Bei vielen Haushalten fehlte auch das Medium Zeitung oder Buch. Manche Betroffene quälen sich zwar durch den Hauptschulabschluss, wählen dann aber Berufe, bei denen sie wenig Schreiben oder Lesen müssen und vergessen dann viele Kenntnisse einfach.“

Aus dieser sogenannten Vermeidungsrolle sollen die Menschen jetzt abgeholt werden. Beispielsweise über freie Projekte wie das „Café Lückenfüller“, das am Mittwoch, 6. September, in der Bürgerecke startet. „Das Angebot richtet sich an alle, die Unterstützung im Alltag benötigen. Wir haben Lernhilfen für den Computer, geben Rat und Hilfe beim Lesen, Schreiben und weiteren Fragen“, informierte Lietz. Geleitet wird das Café von Sabine Schwarz, die von vielen Interessenten berichtet: „Einfach vorbeikommen, es ist keine Anmeldung notwendig.“

Am Ende der vierstündigen Info-Aktion im Weinstraßenzentrum standen mehrere Gespräche mit Menschen, in deren Umfeld Betroffene leben, die von der Unterstützung beim Lesen und Schreiben profitieren könnten. Dass das Spiel mit Buchstaben und Wörtern schwierig sein kann, durfte am Dienstag außerdem jeder selbst ausprobieren. Am Glücksrad zum Beispiel musste ein ganzer Satz gebildet aus Wörtern gebildet werdet, die alle mit demselben Buchstaben beginnen. Der Lohn war eine kleine Aufmerksamkeiten – wie Stofftaschen oder Kugelschreiber. Auch die bunten Buchstabenwürfel luden zum Rätseln ein. Ein sinnvolles Wort aus allen Lettern zu bilden, war dabei gar nicht so leicht.

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