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Montag, 07. Mai 2018 Drucken

Neustadt Land

Lambrecht: Kampf gegen die Flammen (mit Video)

Von Jennifer Back

Eine schweißtreibende Angelegenheit war es für die Feuerwehrleute, den Brand in den Griff zu kriegen.

Eine schweißtreibende Angelegenheit war es für die Feuerwehrleute, den Brand in den Griff zu kriegen. ( Fotos (2): LM)

Mit Spezialwerkzeug und Löschrucksack haben sie es letztendlich geschafft.

Mit Spezialwerkzeug und Löschrucksack haben sie es letztendlich geschafft. (Foto: Mehn)

Reportage: Drei Tage lang haben Feuerwehrleute aus den Verbandsgemeinden Lambrecht und Deidesheim sowie aus dem Kreis Südliche Weinstraße am Wochenende mitten im Pfälzerwald oberhalb von Elmstein Brände bekämpft. Die hatten sie zuvor selbst gelegt, als Übung für den Ernstfall.

Erst züngeln die Flammen sachte vor sich hin. Dann wird es plötzlich richtig heiß. Die Feuerwehrmänner – und eine Frau – graben und hacken mit einem Universalwerkzeug, was das Zeug hält. Ihre Mitstreiter spritzen Wasser aus dünnen Schläuchen, die mit den 20 Liter Wasser fassenden Rucksäcken auf ihren Rücken verbunden sind. Mit Handwerkzeug und besseren Spritzpistolen einen Waldbrand bekämpfen? „Unbedingt! Das ist hier oben effektiver als mit dem Schlauch“, sagt Detlef Maushake vom Verein Waldbrandteam. Bis die Fahrer der Löschfahrzeuge sich einen Weg durch das unwegsame Gelände gekämpft und die Wehrleute die schweren Schläuche den Hang hinauf getragen hätten, verginge zu viel Zeit – mindestens 15 Minuten, erklärt Maushake. Und wenn eines am Samstagvormittag deutlich wird, dann das: Ein Brand breitet sich auf trockenem Laub rasend schnell aus.

Für Übung Wald angezündet

 

Der Mann in der gelben Jacke und mit dem roten Helm auf dem Kopf aus Salzgitter muss es wissen. Gemeinsam mit seinen Kameraden, die sich aus ganz Deutschland in einem Verein zusammengetan haben, hat Maushake schon Waldbrände in den Vereinigten Staaten und Portugal bekämpft. An dem steilen Hang oberhalb von Elmstein hat Maushakes Kollege Max Scholz kurz zuvor den Waldboden auf einer etwa vier Meter langen Linie mit einer Flämmkanne, gefüllt mit einem Diesel-Benzin-Gemisch, in Brand gesteckt. Und das absichtlich. Denn das Waldbrandteam probt hier zum zweiten Mal mit Feuerwehrleuten der Verbandsgemeinde (VG) Lambrecht den Ernstfall – diesmal unterstützt von Kräften aus den VG Deidesheim und Maikammer sowie vom Löschzug Wasser des Kreises Südliche Weinstraße.

 

„Wir sind an derselben Stelle wie letztes Jahr. Sie hat sich so weit erholt, dass wir sie wieder anzünden können“, hat Frank Flockerzi, Wehrleiter der VG-Feuerwehr Lambrecht, auf der Fahrt zum Einsatzort gesagt. Er kümmert sich am Fuß des Hangs um die Verpflegung der etwa 50-köpfigen Mannschaft. Die kann hier unten bei Bedarf ihre Rucksäcke auffüllen, aus einem roten, mit 5000 Liter Wasser gefüllten Kissen, dem Falttank.

Zusammenarbeit über Verbandsgrenzen

 

Auch sonst läuft alles ab wie vergangenes Jahr, nur, dass diesmal Teams anderer Feuerwehren mit dabei sind. Andreas Schwaab, stellvertretender Wehrleiter der Verbandsgemeinde-Feuerwehr Maikammer, ist sehr zufrieden mit dem Wochenende: „Ziel ist es, im Ernstfall eine Sprache zu sprechen, vor allem bezüglich der Vorgehensweise. Und das haben wir hier gelernt.“ Seine Mannschaft – zwischen Donnerstag- und Sonntagabend sind 40 Kameraden vor Ort – sei begeistert. Zustande kam die Kooperation mit der VG Lambrecht nach einem schweren Waldbrand vor vier Jahren auf Maikammerer Gemarkung. Dazu waren auch die Feuerwehren der VG Lambrecht alarmiert worden. „Eine Zusammenarbeit über die Verbandsgrenze hinweg ist sinnvoll, da unsere Wälder aneinander grenzen“, sagt Schwaab. Es sei denkbar, beim nächsten Mal auch die Neustadter Wehr einzubinden: „Damit wir näher zusammenrücken und besser zusammenarbeiten.“

 

Dass der gemeinsame Kampf gegen das Feuer funktioniert, beweisen die Kräfte am Hang, die das umsetzen, was sie zuvor mehrere Stunden lang theoretisch gelernt haben: Sie bestimmen einen Ankerpunkt unterhalb des Brandes. Von dem aus graben sie mit dem Universalwerkzeug rechts und links Schneisen bis in den tiefer liegenden Mineralboden, um dem Feuer Nahrung zu nehmen. Glühende Äste und brennendes Laub werfen sie in die Flammen, um zu vermeiden, dass sich Glutnester bilden. Sie ächzen unter der Anstrengung, der Hitze, und die Rucksackträger unter der Last auf dem Rücken. „Hier muss ein Rucksack her, sonst kriegen wir’s nicht in den Griff“, ruft Maushake und zeigt auf eine qualmende Stelle. „Das schwelt hier ohne Ende. Aber kein Wasser verschwenden!“ Schließlich müssen die Wehrleute den beschwerlichen Weg zum Auffüllen nicht nur runter, sondern auch wieder hoch.

Gut gerüstet für den Ernstfall

 

Irgendwann geht der Rauch zurück und hält die Sonne nicht mehr davon ab, auf die Lichtung zu scheinen. „Jetzt kommt die Aufarbeitung“, sagt Max Scholz. Soll heißen: Glutnester löschen. Denn eine vor sich hin glühende Wurzel kann noch Stunden oder Tage später erneut aufflammen. Am Ende wird dann doch noch ein Löschzug mit Schlauch angefordert. „Das war ein bisschen mehr Feuer als ich dachte“, sagt Seminarleiter und Berufsfeuerwehrmann Maushake den Wehrleuten, die die Gunst der Stunde nutzen und einen großen Schluck Wasser trinken. „Aber mit ein bisschen Übung kriegen wir das hin.“

 

Einen Tag später haben sie noch mal die Chance dazu – und die nutzen sie. „Es sind alle erschöpft“, bilanziert Björn Bürger, Sprecher der VG-Feuerwehr Lambrecht. „Aber auch richtig zufrieden, weil wir viel mitgenommen haben.“ Die Wehren in der Region sind für den Ernstfall gut gerüstet.


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