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Freitag, 08. Februar 2019 Drucken

Neustadt

Kirchenglocken in Neustadt: Zu laut für die Nachtruhe?

Von Wolfgang Kreilinger

Streitobjekt: der Glockenschlag der St.-Remigius-Kirche.

Streitobjekt: der Glockenschlag der St.-Remigius-Kirche. (Foto: LM)

Ist der Glockenschlag vom Kirchturm störender Lärm oder wichtig, um die Uhrzeit anzusagen? Darüber wird immer mal wieder gestritten. Derzeit in den Neustadter Ortsteilen Diedesfeld und in Lachen-Speyerdorf.

Der Diedesfelder Ortsbeirat ist damit einverstanden, dass die Uhr der katholischen Kirche in der Nacht nur noch einmal in der Stunde schlägt. Die Stadt will mittlerweile zwischen 22 und 6 Uhr sogar ganz darauf verzichten. In Lachen-Speyerdorf hat es der Ortsbeirat abgelehnt, dass auf den Glockenschlag in der Nacht alle 15 Minuten verzichtet wird.

„Wir versuchen, bei Beschwerden immer ein Einvernehmen mit dem Ortsbeirat und auch der jeweiligen Kirchengemeinde herzustellen“, erklärt Stadt-Sprecherin Runa Hess. Regelbedarf gebe es selten.

Wenig Aussicht auf Erfolg

Zuständig für die Einhaltung der Lärmschutzrichtlinien ist die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd. Beschwerden gegen das sakrale Geläut, aus kirchlichen Anlässen für Gottesdienste, Hochzeiten oder Beerdigungen, sind noch seltener. „Wir hatten so einen Fall seit über 15 Jahren nicht“, erklärt SGD-Sprecherin Nora Schweikert.

Die Beschwerden hätten auch wenig Aussicht auf Erfolg. Das Bundesverwaltungsgericht hat 1983 das liturgische Geläut als zumutbare, sozial adäquate Einwirkung bezeichnet, das auch durch die Religionsfreiheit gedeckt sei.

Beschwerdeführerin ist zugezogene Nachbarin

Für das weltliche Geläut, das die Uhrzeit angibt, gilt das Immissionsschutzrecht, insbesondere die Technische Anleitung (TA) Lärm. Der zulässige Spitzenwert für ein Dorfgebiet liege bei 65 Dezibel in der Nacht und werde in Diedesfeld überschritten. Deshalb habe die Stadt den Glockenschlag durch eine Fachfirma neu einstellen lassen. Zusätzlich plane die Kirchengemeinde eine Sanierung der defekten Schallläden im Herbst.

Beschwerdeführerin ist laut Ortsvorsteher Roland Henigin eine zugezogene Nachbarin. Der Ortsbeirat habe im Dezember dem Vorschlag der Stadt zugestimmt, in der Nacht nur noch stündlich zu läuten, statt wie bislang viertelstündlich. Da die Grenzwerte aber weiterhin überschritten werden, schlägt das Gebäudemanagement der Stadt nun vor, dass der Glockenschlag zwischen 22 und 6 Uhr komplett eingestellt wird. Darüber muss nun erneut der Ortsbeirat entscheiden.

Die zulässigen Grenzwerte liegen in Diedesfeld in einem Mischgebiet am Tag bei 60 Dezibel (Einzellärmspitzen 80 Dezibel) und in der Nacht bei 45 Dezibel (Einzellärmspitzen 65 Dezibel). Die Stadt hatte am 10. Januar um 20 Uhr mit einem Handschallmessgerät 67 Dezibel gemessen, mit einer Lärmmessapp sogar 70 Dezibel.

"Es gibt dem Schlaf Struktur"

Auch aus Lachen gibt es eine Beschwerde. Dort geht es um den Glockenschlag der protestantischen Kirche. „Das war ein deutliches Votum bei der Abstimmung im Ortsbeirat. Der Glockenschlag gehört zu unserem Dorfleben. Wir wollen daran festhalten“, erklärt Ortsvorsteher Claus Schick. Der Lachener Fall ist der SGD Süd bislang noch nicht bekannt.

In der Innenstadt sind die Kirchengemeinden selbst zuständig. Die Protestanten kümmern sich um den Glockenschlag der Stiftskirche. Dekan Armin Jung hat dafür laut eigener Aussage noch keine Kritik geerntet. Die Stiftskirche schlägt alle 15 Minuten, auch in der Nacht. „Vielen älteren Bürgern ist das hilfreich, weil es dem Schlaf eine Struktur gibt“, so der Pfarrer. Es seien keine Änderungen geplant.

Anfragen der RHEINPFALZ per Mail und per Telefon an den katholischen Dekan Michael Janson zu dem Kirchengeläut blieben unbeantwortet.

Neustadt-Ticker