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Samstag, 08. September 2018 Drucken

Haßloch

Im Westernsattel zum Sternritt

Von Stephanie Becker

Heinz Berninger auf Smoky und Sina Brandt auf Papago.

Heinz Berninger auf Smoky und Sina Brandt auf Papago. ( Foto: Mehn)

Sina Brandt und die Treppe zur Unterführung.

Sina Brandt und die Treppe zur Unterführung. ( Foto: Berninger)

HASSLOCH: Über Stock und Stein, unter Baumstämmen hindurch und über Treppen ging es für Heinz Berninger und seine Nichte Sina Brandt auf dem Sternritt zur Pferdemesse „Eurocheval“ nach Offenburg. Eine Woche lang und über 200 Kilometer dauerte der bisher längste Reitausflug der erst 13-Jährigen Schülerin.

„Soll ich die Medaille mal zeigen?“ Stolz öffnet Sina Brandt das kleine Kästchen in ihren Händen. Das Abzeichen, das zum Vorschein, kommt glitzert silberfarben. 200 Kilometer Wegstrecke hätte die 13-jährige Haßlocherin zusammen mit ihrem Onkel Heinz Berninger auf dem Rücken ihrer Pferde „Papago“ und „Smoky“ bis zur Pferdemesse „Eurocheval“ zurücklegen müssen, um das goldene „Leistungsabzeichen für Wanderreiter“ zu erhalten. Hätte das Pferd einen Kilometerzähler getragen, wären 240 Kilometer angezeigt worden, aber: „Weil die Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer die Entfernung nach der Postleitzahl berechnet, wurden wir mit exakt 199 Kilometern bewertet, und das bedeutet Silber“, erzählt der 49-jährige Berninger amüsiert.

 
Nur einen Kilometer am Gold vorbei

 

Dass das Onkel-Nichte-Gespann somit nur einen Kilometer am Gold vorbeigeschrammt ist, nehmen die Zwei dafür mehr als sportlich. Sie wissen, was sie geschafft haben: „Die Sina hat hier ganz schön was geleistet“, sagt Berninger stolz. Alles hatte im Dezember 2017 angefangen, als der Kraftfahrer seine Nichte mit der Idee zum großen Ritt überraschte. Sina berichtet mit gespieltem Entsetzen: „Er hat mir verkündet, dass ich 2018 das Opfer sein werde, das mit ihm nach Offenburg reiten muss und dass wir bis dahin jede Menge üben werden.“

Sinas Pflegemutter Manuela Webel war sofort einverstanden, hatten sie und ihr Bruder Heinz doch als Kinder schon Pferde. Vor einigen Jahren dann wurde für Webels Sohn Maurice ein Pferd angeschafft, und eine Weile später fand Webel ihren „Papago“, ein Polnisches Warmblut. Seine Schwester nennt ihn nur ihr „Little-Joe-Pferd“, verrät Berninger, weil er dem Schecken aus der Westernserie „Bonanza“ so ähnlich sehe. Da Sinas Spanisches Vollblut „Soberano“ schon 23 Jahre alt ist, durfte sie „Papago“ für den Sternritt wählen: „Meine Mama meinte, wenn ich diese Riesenstrecke schaffe, gehört er mir. Aber ich sagte, dass er dann immer das Pferd von uns beiden sein würde“, freut sie sich.

Tagelang im Sattel, schlafen im Zelt

 

Mit Westernsattel und Horntaschen ausgerüstet – die werden an den „Knubbel“ des Sattels namens Horn eingehängt – machten sich Onkel und Nichte in den Ferien also auf zur ersten Etappe nach Burrweiler, wie der Streckenausweis belegt. Alles unfallfrei. Übernachtet wurde gleich im Zelt. Die Pferde „Smoky“ und „Papago“ genossen derweil die Aussicht auf die Hügel: „Die hatten vielleicht mal ein großes Kino“, findet Sina. „Sie haben dauernd in die Ferne geschaut und sich vermutlich gefragt, was wir hier machen.“

Weiter ging es über Bad Bergzabern und Schleithal. 35 bis 40 Kilometer darf eine Sternritt-Etappe laut Heinz Berninger schon haben. „Weil Sina noch nie zuvor im Leben so weit geritten war, hatten wir das vorher monatelang geübt und waren auf dem Hambacher Schloss, im Silbertal oder Lambertskreuz.“ Seine Nichte ruft lachend dazwischen: „Ich war einfach überall im Pfälzerwald und hatte ständig Muskelkater.“

Wäschetausch und hohe Hindernisse

 

Zweimal brachte Sinas Mutter Manuela mit dem Auto frische Wäsche zum Austausch, und einmal hätten ihre beiden Reiter sie fast gebeten, sie mit dem Pferdeanhänger nach Hause zu holen. „Zwischen Schleithal und Sinzheim hat es so geregnet, dass unser GPS-Gerät ausgefallen ist und wir nur noch mit Müh’ und Not aus dem Wald herausgefunden haben“, erzählt Berniger. „Da war es dann Sina, die mir gesagt hat: Wir sind jetzt so weit gekommen, wir machen weiter.“

Gut in Erinnerung geblieben ist den Haßlochern auch eine Bahnunterführung bei Bühl. Aus einem vermeintlichen Ritt durch eine Unterführung mit schräger Rampe folgte ein notgedrungener Aufstieg mittels Treppe. Berninger weiß noch gut: „Ich dachte, ich seh’ nicht recht. Aber da müssen wir jetzt durch, haben wir uns gesagt.“ Und in Waldhambach bekamen die Pferde spontan sechs Eimer Wasser und Karotten über einen Gartenzaun gereicht. Die Reiter wurden mit Getränken und Eiscreme versorgt. Berninger findet dafür kaum Worte: „Dass es sowas Nettes noch gibt, hat uns einfach gefreut.“

Glücksbringer gerettet, neue Ziele gesetzt

 

In Bad Bergzabern hatte sich Sina mit der elfjährigen Paula angefreundet, die ihr beim Weiterritt eine Whats-App-Nachricht schreibt, dass Sina ihren Glücksbringer, einen Teddybären vergessen hat. Und während das Plüschtier per Postpaket zurück nach Haßloch reist, erreicht die 13-Jährige mit ihrem Onkel die Messe.

Auch wenn die Rückfahrt nach zwei Messetagen dann per Auto mit Pferdeanhänger erfolgt, sind Berninger und seine Nichte glücklich über die 240 zurückgelegten Kilometer. Sie haben sich bereits neue große Ziele gesetzt: „Wir würden gern in Haßlochs französische Partnerstadt Viroflay reiten, aber das sind an die 600 Kilometer Strecke.“ Ob das klappt, soll im November mit der Gemeinde Haßloch und der französischen Delegation besprochen werden. Und es kommt auch darauf an, ob sich noch Mitstreiter finden. „Wir würden uns freuen, wenn sich Interessierte aus Haßloch und Umgebung melden“, hofft Berninger schon jetzt auf Unterstützung.

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