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Freitag, 12. Oktober 2018 Drucken

Haßloch

Haßloch: Moderne Landfrauen sagen Vorurteilen Kampf an

Von Stephanie Becker

Frische Farben, frische Ideen: Marion Schneider und Andrea Jung (Mitte) sowie Rose Reber (rechts) informieren interessierte Bürger über den Neustart der Landfrauen.

Frische Farben, frische Ideen: Marion Schneider und Andrea Jung (Mitte) sowie Rose Reber (rechts) informieren interessierte Bürger über den Neustart der Landfrauen. ( Foto: LM)

Sie sind jung, modern, haben viele Talente in Beruf und Hobby und möchten ein starkes Netzwerk gründen. Haardutt, Backschürze oder Stricknadeln brauchen sie hierfür jedoch nicht. Um den vor Jahren aufgelösten Ortsverein der Landfrauen neu aufleben zu lassen, kämpfen Andrea Jung und ihre Mitstreiterinnen für ein zeitgemäßes Image.

„Ihr habt euch aber ganz schön verjüngt!“: Schmunzelnd läuft der ältere Herr mit Gehstock am Infostand von Andrea Jung samt ihren Landfrauen-Kolleginnen vom Kreisverband Vorderpfalz vorbei. Mit Humor und Wissen werben sie zurzeit um Frauen, die gerne bei der Neugründung eines Haßlocher Ortsvereins dabei sein wollen. „Gell!“, ruft Jung amüsiert und schlagfertig zurück. „Graue Schürzen und sowas tragen wir halt schon lange nicht mehr.“

Die Veränderung ist in der Tat gut sichtbar. In beerenfarbenen Poloshirts, die exakt zum frischen, verjüngten Landfrauen-Logo in identischer Farbe passen, präsentiert sich der Vorstand des Kreisverbands in Sachen Nachwuchssuche. So auch am vergangenen Samstag beim Herbstfest auf dem Wochenmarkt. „Da haben alle etwas mehr Zeit als sonst“, vermuten die Vorreiterinnen. Erklärtes Ziel und große Hoffnung ist, viele neue - und gemeint sind damit auch junge - Landfrauen für die Neugründung eines Ortsvereins zu begeistern. Denn die Biene im Logo steht nicht nur für Fleiß, sondern auch für ausgeprägte soziale Kompetenz, so Jung.

Zahlreiche Themen auf der Agenda

Vor mehreren Jahren hat der frühere Ortsverein sich letztlich, wie fünf weitere im Kreisverband auch, auflösen müssen. Und das nicht etwa mangels Mitgliedern, sondern „rein aus Überalterung“, wie sowohl die früheren Landfrauen als auch die amtierenden Kreisvorsitzenden betonen. Ob berufliche Bildung, Soziales, Persönlichkeitsentwicklung, Ernährungsbildung, Kreatives Gestalten oder gesundheitliche und rechtliche Themen - all das haben die Landfrauen laut Andrea Jung längst auf ihrer Agenda. Jetzt geht es aber vor allem darum, deutlich zu zeigen, warum bei einem Neustart auch deutlich jüngere Semester ihren Platz bei den Landfrauen finden können. „Dabei haben wir leider täglich gegen verstaubte Vorurteile zu kämpfen“, macht die 54-jährige Technische Angestellte klar.

Schürze tragend, am Kochtopf oder mit der Rührschüssel im Arm, so würden die Landfrauen jedenfalls noch von den meisten gesehen, „obwohl das so längst nicht mehr stimmt“. Jung argumentiert so: „Wir Landfrauen engagieren uns bei gemeinnützigen und sozialen Projekten in der Region und sogar weltweit. Mit unserem großen Angebot an Weiterbildung im beruflichen, sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Bereich sind wir die einzige Interessenvertretung für alle Frauen auf dem Land.“

Dass die früheren Landfrauen sich immer noch als Ehemalige ganz privat zum Kaffee treffen, findet Rose Reber, die aktuelle Vorsitzende des Kreisverbands, gut: „Einmal Landfrau, immer Landfrau. Das sieht man überall ganz deutlich. Mitgliederzahlen sind dabei gar nicht mal das Problem, doch wir brauchen neben den langjährigen Landfrauen nun mehr jüngere, die bereit sind, leitende Aufgaben zu übernehmen.“

Auch Männer willkommen

Nur dann können die Landfrauen auf längere Sicht modern sein und weiter bestehen, bekräftigt Jung: „Wir müssen auf jeden Fall zukunftsfähig bleiben.“ Vor sieben Jahren kam das „gebürtige Haßlocher Mädel“, wie sie sich aufgeschlossen allen Interessentinnen vorstellt, selbst zu den Landfrauen und bald schon in den Kreisvorstand. Als Dozentin in Kreativkursen wie Taschen oder Etagèren basteln fand sie schnell Gefallen an der Gemeinschaft und dem Gedanken, dass Frauen sich mit ihren Talenten untereinander vernetzen und dabei nur gewinnen können. „Auch, wer Anschluss sucht oder neu zugezogen ist, kann so Teil unserer Gemeinschaft werden.“ Darum wünscht sich Jung sehr, dass es „auch in Haßloch endlich wieder einen Ortsverein gibt“.

Mit den Vorurteilen von wegen Kuchen backen und Schürze tragen „können wir gut umgehen“, findet Landfrau Marion Schneider aus Lachen-Speyerdorf. Zum modernen Image zählt, dass Männer bei den Landfrauen willkommen sind, denn die Satzung erlaubt das. „Ich finde das richtig“, meint Jung, „denn auch sie zeigen Interesse an unseren Themen und Kursen.“

  Noch Fragen?

—Die Infoveranstaltung der „neuen“ Landfrauen Haßloch findet am Donnerstag, 18. Oktober, ab 19.30 Uhr im Nebenzimmer des Restaurants „Bacchus“ (früher „Pälzer Buwe“), Rathausplatz 2, statt. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

— Weitere Details auf www.landfrauen-pfalz.de/kreisverband/vorderpfalz/das-sind-wir und auf Facebook; E-Mail: vorderpfalz@landfrauen-pfalz.de.

—Morgen, Samstag, können Interessierte sich noch einmal vorab von 9.30 bis 12 Uhr vor dem Bastelgeschäft „Chaoskeller“, Am Jahnplatz 6, informieren.

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