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Mittwoch, 17. April 2019 Drucken

Haßloch

Haßloch: Baupläne bergen „Zündstoff“

Von Gerd-Uwe Haas

Bisher ruhige Spielstraße: die Emil-Schneider-Straße.

Bisher ruhige Spielstraße: die Emil-Schneider-Straße. ( fotos: Frei/Prins)

Geplant sind zwei Mehr- und drei Einfamilienhäuser.

Geplant sind zwei Mehr- und drei Einfamilienhäuser. ( ZEICHNUNG: reisch )

Anwohner aus mehreren Straßen im Bereich des Alten Friedhofs haben sich zur Initiative „Pro Wohngebiet“ zusammengeschlossen. Sie befürchten Auswirkungen eines Bauprojekts mit Ein- und Mehrfamilienhäusern zwischen Langgasse und Friedhofstraße. Statt dessen fordern sie eine „ökologische und familienfreundliche“ Bebauung.

Morgen, Donnerstag, 18.30 Uhr, ist ein Vorhaben der Reisch-Gruppe Thema im Bau-, Verkehrs- und Entwicklungsausschuss (BVE). Das Unternehmen aus Ludwigshafen hat bei der Gemeinde ein Konzept zur Bebauung von drei Flurstücken mit drei Einfamilien- und zwei Mehrfamilienhäusern mit jeweils bis zu zehn Wohneinheiten eingereicht („Quartier Friedhofstraße“). Bei dem Areal handelt es sich um den hinteren Bereich von Langgasse 51 – in Haßloch besser bekannt als „Bienen-Hammann“.

 

Initiative „Pro Wohngebiet“: Lebensqualität wird gemindert

Als die Unterlagen zur BVE-Sitzung mit den Reisch-Plänen am vergangenen Wochenende auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht waren, wurden viele Bürger, die in der Nähe des geplanten Bauprojekts wohnen, sofort hellhörig. „Wir haben uns spontan getroffen und zu einer Initiative zusammengeschlossen“, berichtet Natalie Prins, die selbst mit ihrer Familie in der Emil-Schneider-Straße wohnt, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Aktuell haben sich nach ihren Angaben bereits knapp 30 Anwohner der Initiative „Pro Wohngebiet Emil Schneider- und Kurt-Flockert-Straße“ angeschlossen.

Die Reisch-Gruppe hat zwei Vorschläge ausgearbeitet, wie eine Zufahrt zum Gelände erfolgen könnte:

Variante 1, Planung ohne Verbindungsstraße: Erschließung der Mehrfamilienhäuser von der Friedhofstraße aus, wo auch eine Tiefgarage für die Bewohner vorgesehen ist. Oberirdisch nur wenige Parkplätze. Erschließung der Einfamilienhäuser nur über die Kurt-Flockert-Straße.

Variante 2, Planung mit Verbindungsstraße: Friedhof- und Emil-Schneider-Straße werden miteinander verbunden. Dafür werden der öffentliche Weg („Trampelpfad“) am Friedhof entlang und ein Teil des Grünzugs an der Emil-Schneider-Straße gebraucht. Erschließung der Einfamilienhäuser auch hier nur über Kurt-Flockert-Straße.

Beide Varianten – insbesondere die zweite – sorgen laut Prins für „Zündstoff“ bei Anwohnern der Kurt-Flockert-, Emil-Schneider-, Friedhof-, Freiherr-von-Stein-, Heinrich-Heine- und Moltkestraße sowie des Deidesheimer Wegs. Ihre Forderung: Die Interessen der betroffenen Bürger sollten berücksichtigt werden und nicht nur die des Bauträgers.

Die Initiative „Pro Wohnen“ kritisiert, dass eine Zufahrt zum „Quartier“ laut der Vorschläge von Reisch über die Friedhofstraße und Emil-Schneider- beziehungsweise Kurt-Flockert-Straße erfolgen solle. Bei beiden Varianten aber komme die „eigentliche Zufahrt“ zum Gelände über die Langgasse 51 nicht vor. Das finden die Initiatoren unverständlich. Auch der nur wenige Häuser entfernte „Dietzer Hof“ (Nummer 63) habe seine Zufahrt von der Langgasse aus. „Wir wollen, dass auch eine solche Zufahrtmöglichkeit zur Diskussion gestellt wird“, sagt Prins.

Zudem würde es nach Ansicht der Initiative „Pro Wohngebiet“ einen „Wortbruch“ der Verwaltung darstellen, sollte die Variante 2 (Verbindungsstraße) verwirklicht werden. Der Hintergrund: Vor einigen Jahren sei der ursprünglich geplante Spielplatz an der Kreissparkasse weggefallen, weil Parkplätze benötigt wurden. Die Anwohner hätten diesem Verzicht zugestimmt und dafür die mündliche Zusicherung der Verwaltung bekommen, dass sowohl die Kurt-Flockert- als auch die Emil-Schneider-Straße Spielstraßen bleiben und in Sackgassen enden. Prins erinnert daran, dass in diesem Bereich vor allem Familien mit Kindern wohnen, die auf der Straße spielen. Das werde bei einer Realisierung dieser Variante nicht mehr möglich sein.

Darüber hinaus würden der öffentliche Weg an der Friedhofsmauer und ein Teil des Grünzugs an der Emil-Schneider-Straße in Anspruch genommen. Diese Flächen würden aber als Versickerungsflächen benötigt.

„Pro Wohngebiet“ befürchtet eine „dauerhafte Minderung der Wohn- und Lebensqualität“. Zudem passe das Projekt städtebaulich nicht in die Umgebung. Die Initiative plädiert stattdessen für Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser. „Ökologisch, nachhaltig, familienfreundlich und sozial verträglich“ solle die Bebauung sein. Die Initiative fordert Verwaltung und Gremien dazu auf, in den Dialog mit den Anwohnern zu treten.

Lorch: Anwohner werden über Bebauungsplan einbezogen

„Wir stehen erst ganz am Anfang“, betont Bürgermeister Lothar Lorch (CDU) auf Anfrage der RHEINPFALZ: „Alles ist noch offen, nichts ist fixiert.“ Der BVE werde sich morgen Abend erstmals überhaupt mit dem eingereichten Bebauungskonzept befassen. Außerdem handle es sich nur um den ersten Entwurf. Lorch erinnert an die Bebauung des ehemaligen Raab-Karcher-Geländes nördlich der Langgasse zwischen Richard-Wagner-Straße und Deidesheimer Weg: Auch da hätten sich wegen der Art und Weise sowie dem Ausmaß der Bebauung im Lauf der Beratungen noch große Änderungen gegenüber dem ersten Entwurf ergeben. Laut Beschlussvorschlag hat die Verwaltung empfohlen, einen Bebauungsplan mit städtebaulichem Vertrag aufzustellen. „Das sollte man tun“, so Lorch, um zu gewährleisten, dass die Bürger in die Planung einbezogen werden. In diesem Rahmen würden die Bebauung selbst und auch die Frage der Anbindung diskutiert. Außerdem werde so die Planungshoheit der Gemeinde gewährleistet. Das Reisch-Konzept gehe bei den Mehrfamilienhäusern über die dort zulässigen Beschränkungen hinaus: „Auch das wird zu diskutieren sein.“

Die angesprochene Zufahrt über Langgasse 51 sei wegen des dort stehenden Gebäudes keine Überlegung. Ob es eine Zusage der Verwaltung wegen der Spielstraße gegeben habe, werde derzeit überprüft. Grundsätzlich hält Lorch aber für denkbar, dass dieser Status selbst bei einer Verbindungsstraße erhalten bleiben könne. Er erinnert an eine vergleichbare Situation in der Straße Zum Streitert.

Bereits heute Morgen trifft Lorch seinen Angaben zufolge mit Anwohnern aus dem betroffenen Bereich zu einem Gespräch zusammen.

Neustadt-Ticker