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Samstag, 15. Oktober 2016 Drucken

Neustadt

Verfilmt: Flüchtlinge kochen für Rentnerpaar

von Stephanie Becker

 

Die aus Neustadt stammende Filmemacherin und Kamerafrau Sanne Kurz hat aus einer wahren Geschichte, die im vergangenen Jahr durch die Medien ging, einen Film gemacht. Es geht um ein Rentnerpaar, das auf der Suche nach einem Wirtshaus in ein Flüchtlingsheim gerät und dort fürstlich bewirtet wird.

Vor wenigen Tagen hatten die aus Neustadt stammende Filmemacherin und Kamerafrau Sanne Kurz sowie Regisseurin Ysabel Fantou allen Grund zur Freude. Ihr aktuelles Crowdfunding-Projekt „Die Herberge“ nach einer wahren Geschichte hat schon die Marke von 4000 Euro auf dem Internetportal Startnext geknackt und somit die „Halbzeit“ auf dem Weg zum fertigen Film geschafft. Mit dem besonderen Kurzfilm und einem passenden, 40-sekündigen „Social Spot“ mit sozialer und gesellschaftlicher Botschaft wollen die Filmemacherinnen von „Kittelfilm“ zusammen mit „Sepiafilm“ und „democraticArts“ im Wahljahr 2017 jeden erreichen, der die Beiträge dann als Vorfilm im Kino oder TV sieht – vor allem aber auch im Internet.

Ende 2015 ging die schier unglaubliche Geschichte zu „Die Herberge“ durch alle Medien. Die Geschichte, wie Gabriele Stärz und ihr Lebensgefährte Hans Eppinger aus Karlsruhe auf Kanutour in Franken Hunger bekamen und in Zapfendorf-Unterleiterbach nach einem Wirtshaus suchten, wo sie eine ordentliche Mahlzeit erwarteten. Der zugemauerte Eingang hätte das Paar schon stutzig machen können: Die Touristen bemerkten aber Leben im Hof und kehrten beherzt ein.

Tatsächlich erhielten die damals 68-Jährige und ihr 72-jähriger Partner innerhalb kürzester Zeit eine Brotzeit mit allem Drum und Dran, erzählt Sanne Kurz lächelnd. „Sie hören Stimmen und wetzende Messer aus der Küche und sind eigentlich die ganze Zeit über skeptisch“, berichtet die Filmemacherin aus Gesprächen mit den „Originalen“. Erst als das Paar am Ende die Rechnung verlangt und keine bekommt, dämmert es den „Gästen“, dass sie sich in Wahrheit in einer Asylbewerberunterkunft befinden und gerade aus purer Freundlichkeit heraus fürstlich bewirtet worden sind.

Ihre amüsante und zugleich ernste Geschichte mit großer Bedeutung für multikulturelle Akzeptanz in der Flüchtlingskrise geben die gerührten Rentner als erstes der Zeitung „Fränkischer Tag“ zu Protokoll: Ab da verselbstständigt sie sich sozusagen und erreicht auch Kurz und Fantou.

„ Wir wollen mit dem Film zeigen, dass wir uns auch als zunächst Fremde gegenseitig unendlich bereichern können, wenn wir es nur wagen, aufeinander zuzugehen“, sagt Sanne Kurz im RHEINPFALZ-Gespräch in ihrer Heimatstadt Neustadt. Die Kamerafrau ist ebenfalls schwer beeindruckt von der Gastfreundschaft, mit der die echten Protagonisten in Franken bewirtet wurden. „Indem wir nun ihre Geschichte verfilmt im Kino und im Internet zeigen, möchten wir helfen, Ängste abzubauen und die Gesellschaft zusammenzuführen. Einerseits erleben wir in Deutschland gerade eine großen Welle der Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen, andererseits nutzen leider populistische Gruppierungen die Flüchtlingswelle für sich.“

Die Schauspieler Hede Beck alias „Hildegard“ und Christian Schneller als „Erwin“ haben ihre Arbeit inzwischen mit ihren Kollegen Jamir Fuchs, Yasin el Harrouk und Hadi Khanjanpour beendet. Auch die drei „Flüchtlinge“ sind im wahren Leben professionelle Schauspieler – Deutsche mit ägyptischen, marokkanischen oder persischen Wurzeln. Das Rohmaterial ist seit Ende September im Kasten, alles beeinflusst von Gesprächen mit den echten Protagonisten.

Gedreht wurde im Dachauer Hinterland statt im drei Stunden von München entfernten Franken. Einmal aus Kostengründen, denn die Anreise und Unterbringung der 30-köpfigen Filmcrew und Darsteller hätte sonst zu viel Geld gekostet, so Sanne Kurz. Zum anderen hatte das Filmteam beim Dreh nun so viele echte Flüchtlinge als Statisten zu Gast, dass das Projekt schon jetzt viele Menschen zusammengebracht hat. Auch die „Originale“ Gabi und Hans stehen mit dem syrischen „Flüchtlingswirt“ Kawa – von Beruf übrigens Anwalt – immer noch in gutem Kontakt.

 

Info

www.startnext.com/dieherberge

www.facebook.com/dieherbergederfilm

 

 

 

Neustadt-Ticker