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Montag, 11. April 2016 Drucken

Haßloch

Großes Kino

Hassloch: Konzertantes Blasorchester des Musikvereins zeigt, was es kann

Von Hildegard Janssen-Müller

 

Die Musiker unter Leitung von Franz Zimnol begeisterten vor allem mit Filmmusik und lateinamerikanischen Klängen. ( Foto: Linzmeier-Mehn)

Zu Beifallstürmen verleitete am Samstagabend in der Aula des Hannah-Arendt-Gymnasiums das „Konzertante Blasorchester“ des Musikvereins Haßloch unter der bewährten Leitung von Franz Zimnol. Eins zeigte sich von Anfang an: Dieses Blasorchester bewegt sich in allen Genres auf sicherem Parkett.

 

Wie ein roter Faden zieht sich das Thema „Musik in Bewegung“ durch das Programm. Liegt der Schwerpunkt im ersten Teil auf Filmmusik, geben nach der Pause Musik aus Südamerika und aus der Karibik sowie Kompositionen von Bands mit starken Bläsergruppen wie „Earth, Wind & Fire“ oder „Blood, Sweat and Tears“ den Ton an. Viel in Bewegung ist auch Posaunist Stefan Weis, der zusätzlich zu seinem Instrument die Moderation übernommen hat und den Konzertbesuchern Anekdoten und Hintergründen zu den einzelnen Werken liefert. Franz Zimnol wiederum beeindruckt nicht nur dadurch, wie gut er ohne große Gesten mit dem Taktstock seine Musiker im Griff hat, sondern im zweiten Teil des Konzerts auch durch den angemessenen karibischen Hüftschwung.

Auf welch hohem Niveau das Orchester spielt, macht es gleich mit dem ersten Stück deutlich, der Ouvertüre zu „Punchinello“ von Alfred Reed, einem Auftakt voller technischer Schwierigkeiten und einer Ausdruckstiefe, die bereits ein großes Spektrum an Emotionen abdeckt. Reed, der erklärte Lieblingskomponist des Konzertanten Blasorchesters, hat auch die „Ballade für Altsaxophon und Blasorchester“ geschrieben, mit der Rainer Dietz am Saxophon brilliert; eine der weniger bekannten Komposition Reeds, in dem das Instrument wie im Dunstkreis eines Märchens bleibt und sich verträumt, in einem klanglichen und auch melodischen Eigenleben immer wieder vom Orchester wegzubewegen scheint.

Ganz großes Kino serviert das Orchester unter anderem mit der Filmmusik zu „Ben Hur“, die Miklos Rozsa, einer der wichtigsten Filmkomponisten überhaupt, geschaffen hat. Umso triumphierender ist sie, wenn Anklänge an die amerikanische Folklore aufblitzen, und stellenweise so bedrohlich, als schritten die gepanzerten römischen Soldaten höchstselbst in den Raum. Sehr sanft hebt sich dagegen Martin Böttchers Filmmusik zu „Winnetou & Old Shatterhand“ ab, die bei vielen Zuschauern mit ihrem Hufgetrappel und romantischen Sequenzen Erinnerungen an ebenso spannende wie rührende Kinoerlebnisse wachgerufen haben dürfte.

Wo’s um den Wilden Westen geht, dürfen auch Elmer Bernsteins Klänge zu dem „Glorreichen Sieben“, musikalisch mit Peitschenknallen und Sporenklirren in Szene gesetzt, nicht fehlen. Wie ein frischer Wind weht dann „Miss Marple’s Theme“ von Ron Goodwin herein. Selten wird Verbrechensaufklärung dem Zuschauer musikalisch so unbeschwert, so kurz und knapp schmackhaft gemacht wie mit diesem Thema der liebenswerten alten Dame. Einen weiteren Höhepunkt setzt das Orchester vor der Pause dann mit Jan van der Roosts vielschichtigem Werk „Dynamica“, bei dem noch einmal ein Höchstmaß an Präzision, technischem Können und Einfallsreichtum gefordert sind. Roosts Konzertmarsch „Arsenal“, der gleichermaßen vor Energie nur so strotzt, spielt das Orchester nach viel Schlussbeifall für das Publikum als „Rausschmeißer“.

Dazwischen halten die Musiker die Besucher mit viel südamerikanischem Sound in Atem, darunter Medleys von „Blood, Sweat and Tears“, in deren „Hi-De-Ho“ auch das Publikum begeistert einstimmt, sowie „Earth, Wind and Fire“ und Carlos Santanas Latin-Rock. Rainer Dietz am Saxophon entführt mit Günter Noris’ „Rumba of Love“ in eine schwüle Sommernacht voll fließender Trägheit und lasziver Sinnlichkeit, während die vierköpfige Percussion-Gruppe bei einer Zusammenstellung mitreißenden kubanischen Rhythmen im Mittelpunkt steht.

 

 

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