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Freitag, 18. Januar 2019 Drucken

Neustadt: Kultur Regional

Eine Frau will nach oben

Paul Theobald hat einen historischen Roman über eine Elmsteinerin geschrieben, der viel Lokalkolorit bietet

Von Rainer Rausch

Maria, die Heldin in Paul Theobalds Roman, wächst in einem armen Arbeiterhaushalt in Elmstein auf. Schon ihre Geburt im verschneiten Winter 1894 (unser Foto zeigt das Kuckucksbähnel in einem nicht ganz so harten späteren Winter) gerät zum Abenteuer. Dank ihrer Klugheit und unter gütiger Mithilfe von Mitmenschen kann sie aber eine für die damalige Zeit beachtliche Karriere hinlegen.

Maria, die Heldin in Paul Theobalds Roman, wächst in einem armen Arbeiterhaushalt in Elmstein auf. Schon ihre Geburt im verschneiten Winter 1894 (unser Foto zeigt das Kuckucksbähnel in einem nicht ganz so harten späteren Winter) gerät zum Abenteuer. Dank ihrer Klugheit und unter gütiger Mithilfe von Mitmenschen kann sie aber eine für die damalige Zeit beachtliche Karriere hinlegen. ( Fotos: LM-Archiv, frei)

«Elmstein/Neustadt.» „Wenn die Sehnsucht nicht wär“ – nach diesem Anfang der 1960er Jahre entstandenen Schlager von Freddy Quinn hat Paul Theobald seinen zweibändigen Roman betitelt. Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielende Geschichte des Frankenthalers behandelt das Leben von Maria, die in einem armen Arbeiterhaushalt in Elmstein aufwächst. Dank ihrer Klugheit und unter gütiger Mithilfe von Mitmenschen kann sie eine für die damalige Zeit beachtliche Karriere hinlegen – und sich ihren Lebenstraum verwirklichen.

Der Weg dorthin ist allerdings steinig, wie sich schon vor ihrer Geburt zeigt. Die Mutter, die vorher schon neun Kinder zur Welt gebracht hat, ist weit über 40, als sie das Mädchen unter dem Herzen trägt. Mittels Lichtsignalen aus dem eingeschneiten Elmstein muss Hilfe aus Neustadt angefordert werden, als sich die Geburt ankündigt. Im erst fünf Jahre zuvor eingeweihten Hetzelstift erblickt Maria im Januar 1894 das Licht der Welt.

Bereits beim Besuch der Elmsteiner Volksschule zeichnet sich aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Leistungen ab, dass Maria nicht unbedingt Kinder, Küche, Kirche im Sinn hat, sondern sich für Höheres empfiehlt. Zwar war es damals nur wohlhabenden Familien möglich, Mädchen auf eine Höhere Töchterschule zu schicken. Jedoch wurde auch zwei Mädchen aus armen Familien des Bezirks Neustadt ein solcher Schulbesuch dank der finanziellen Unterstützung durch den bayerischen König ermöglicht. Maria besteht die Aufnahmeprüfung als Beste und wechselt auf die 1836 in Betrieb genommene Höhere Töchterschule in Neustadt, aus der sich später das Käthe-Kollwitz-Gymnasium entwickelte.

Sie zieht dazu zur Familie ihres Onkels Paul in der Hintergasse. In der neuen Schule schließt sie Freundschaft mit Gabi aus Lambrecht, dem anderen armen Mädchen, das bei einem begüterten Onkel untergekommen ist. Auch in ihrer neuen Schule ist Maria wieder die Klassenbeste. Oft ist sie zu Gast bei Gabi und ihrem reichen Onkel, der sich eine Haushälterin leisten kann und trotzdem sozialistisch eingestellt ist. Was auf sie nicht befremdlich wirkt, äußert ihr Vater im Kreise der Familie doch die gleichen Gedanken. Damit Maria mit Gabi gemeinsam unterwegs sein kann, schenkt ihr Gabis Onkel auch ein neues Fahrrad. Trotzdem hat Maria immer Sehnsucht nach Elmstein, ihrem Hund Struppi und den Tieren des Waldes, die sie früher oft besuchte.

Der zweite Band beginnt mit dem erfolgreichen Schulabschluss für Maria. Schwierig wird für sie danach das Erreichen des Abiturs, das sie erst 1923 mit 29 Jahren ablegen kann, weil der Erste Weltkrieg dazwischen kommt. Trotzdem hält sie zäh an ihrem Ziel fest, Tiermedizin in München zu studieren. Und auch das erreicht sie nach Überwindung vieler Hindernisse. Wie es mit Maria weitergeht, sei hier jedoch nicht verraten.

Die neue Bahnlinie durchs Speyerbachtal, das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Ludwigshafen – das Buch enthält auch sonst einiges an Lokalkolorit. Die Geschichte wird in einfachen Worten in einem gleichmäßigen Rhythmus erzählt. Eingeflochten sind Ereignisse wie die Explosion im Werk Oppau der BASF 1921 oder der Hitler-Ludendorff-Putsch 1923 in München, mit denen Maria jeweils in Berührung kommt.

Ein Lektorat hätte dem Buch allerdings gutgetan, tauchen doch manchmal Flüchtigkeitsfehler wie „Der Abschied viel ... ihr schwer“ auf. Auch wird Gabis Onkel an einer Stelle als ihr Vater bezeichnet. Ein konkretes historisches Vorbild für Maria gebe es nicht, so der 1950 geborene Autor und Heimatforscher, der früher öfters in Elmstein zu Besuch war und im Roman ganz nebenbei auch die Entstehungsgeschichte des Naturfreundehauses „Harzofen“ erzählt. Was zu Paul Theobald passt, ist er doch Mitglied bei der Naturfreunde-Ortsgruppe Oppau-Edigheim.

Lesezeichen

Paul Theobald: „Wenn die Sehnsucht nicht wär ...“. Rediroma-Verlag, 1. Band 82 Seiten, 2. Band 62 Seiten, Preis je 7,95 Euro.

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