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Freitag, 11. Januar 2019 Drucken

Neustadt: Kultur Regional

Ein Stück mit Paprika im Blut

Die Johann-Strauß-Operette-Wien reißt das Publikum im vollbesetzten Saalbau mit ihrem „Zigeunerbaron“ zu viel Beifall hin

Von Andrea Dölle

Nach 25 Jahren kehrt Sandor Barinkay (Dan Chamandy ) aus dem Exil in die ungarische Heimat zurück. Im Schloss seiner Familie trifft er auf die Zigeunerin Czipra (Maida Karisik).

Nach 25 Jahren kehrt Sandor Barinkay (Dan Chamandy ) aus dem Exil in die ungarische Heimat zurück. Im Schloss seiner Familie trifft er auf die Zigeunerin Czipra (Maida Karisik). ( Foto: Mehn)

«Neustadt». Ein rundum gelungenes Operettengastspiel erlebte das Publikum am Mittwoch beim „Zigeunerbaron“ von Johann Strauß, präsentiert von der Wiener Konzertdirektion Schmidtke. Ein vollbesetztes Haus und der lange Beifall am Ende zeigten an, dass die Aufführung für Zuschauer und Veranstalter gleichermaßen erfolgreich war.

Die „leichte Muse“, schon gar, wenn es um Werke von Johann Strauß geht, nimmt man in Wien ebenso ernst wie die große Oper, entsprechend fehlte nichts, weder an der Qualität der Sänger und der Musiker unter Leitung der Dirigentin Petra Giacalone noch an der Ausstattung, die eine Augenweide war mit ihren Rokoko-Kostümen, ungarischen Trachten und Husarenuniformen. Der „Zigeunerbaron“ und seine „Untertanen“ repräsentieren in diesem Stück die „Edlen Wilden“ auf natürliche Art, moralischer, ehrlicher, aber auch gewitzter als die Höflinge, die immer für eine komische Einlage gut sind. Dazwischen bewegt sich der reiche Schweinezüchter Zsupan, auf der einen Seite stets bereit, seinen Vorteil – notfalls durch Übervorteilung – zu suchen, auf der andern Seite kein schlechter Mensch, wenn man ihn an der richtigen Stelle packt, lebensfroh und seiner Familie ergeben.

Die Geschichte spielt zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia im Banat, wo die Türken im Krieg besiegt sind und die wohlhabende Familie Barinkay wegen ihrer Freundschaft mit dem getöteten Pascha ins Exil geschickt wurde. Die Güter der Familie hat sich Zsupan angeeignet, in den Ruinen des Schlosses leben aber Zigeuner, die den Barinkays die Treue halten. Die alte Zigeunerin Czipra hat das Waisenmädchen Saffi aufgenommen und wie ein eigenes Kind aufgezogen.

Nun kommt der junge Sandor Barinkay, vom kanadischen Tenor Dan Chamandy mit viel Kraft in der Stimme als dramatischer Held gesungen und gespielt, zurück, geleitet vom königlichen Kommissär Conte Carnero (Martin Ganthaler), zugleich Vorsitzender einer Kommission zur Erhaltung von Sitte und Moral – was seine Komikerrolle genug beschreibt. Die Zigeuner erkennen Barinkay sofort an – zumal er sich in den vergangenen Jahren wie sie mit Artistenauftritten, Quacksalbereien, Gelegenheitsarbeiten durchschlagen musste. Zsupan (Giorgio Valenta) ist weniger begeistert – es geht schließlich um Geld, das er für seines hält.

Aber unrecht tun will er nicht und unterzeichnet deshalb die Urkunde, die Barinkay wieder einführt, mit drei Kreuzen und singt „Jo, das Schreiben und das Lesen ist nie mein Fach gewesen“. Eine Lösung zeichnet sich ab – seine hübsche Tochter Arsena soll den Barinkay heiraten. Die hat aber keine Lust dazu – sie liebt einen andern. Sandor nimmt Saffi zur Frau – zum Entsetzen Cornaros. Die amerikanische Sopranistin Anna Baxter singt und spielt diese mit ihrer Dramatik und den Koloraturen sehr anspruchsvolle Partie mit so kraftvoller, ausdrucksstarker Stimme, wie man sie sich nur wünschen kann, und sie passt bestens zu Chamandy.

Die verwickelte Handlung führt dann auch noch zu einem Schatz, den Sandors Vater einst eingraben musste. Und es findet sich auch die Ehefrau des Conte – in hinreißender Komik singt und tanzt Mirabella (Stefanie Kopinits), nun Erzieherin Arsenas, was ihr im Lager des türkischen Paschas widerfahren ist. Ein neuer Krieg, dieses Mal in Spanien, klärt alle scheinbar unauflöslichen Verwicklungen – alle Männer werden Soldaten und zeichnen sich aus. Der „Zigeunerbaron“ Sandor wird nun ein echter und kann seine Saffi standesgemäß heiraten, denn die ist in Wirklichkeit die Tochter des Paschas.

In der Musik schafft Johann Strauß eine sehr geschickte und reizvolle Verbindung zwischen ungarisch getönten Melodien und den Wiener Weisen, für die er bereits hoch berühmt war. Jede der Volksgruppen bekommt ihre musikalische Charakteristik, und es gibt reichlich glanzvolle Arien und komödiantische, die die Stimmen erstrahlen lassen und ganz zum Schluss, nach dem Beifall, auch einen Radetzky-Marsch, bei dem Regisseurin Andrea Schwarz das klatschende Publikum dirigierte.

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