Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Mittwoch, 16. Januar 2019 Drucken

Neustadt

Duft und Licht als Waffen

Von Meike Frank

Charakteristisch für männliche Kirschessigfliegen, hier auf einer Traube der Sorte Portugieser, sind die schwarzen Flecken an den Flügel-Enden.

Charakteristisch für männliche Kirschessigfliegen, hier auf einer Traube der Sorte Portugieser, sind die schwarzen Flecken an den Flügel-Enden. ( Foto: dpa)

Das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) kämpft gegen die Ausbreitung der Kirschessigfliege, die bei Obstbauern und Winzern große Schäden anrichtet. Derzeit experimentieren die Forscher mit Duftstoffgemischen und Lichtreizen, um gegen die Insekten vorzugehen. Dass der Befall 2018 relativ gering war, lag aber wohl eher am Wetter.

2011 wurde das Vorkommen der Kirschessigfliege erstmals in Deutschland nachgewiesen. Die Fliege schädigt Obstbäume, -sträucher und Weinreben auch in der Pfalz. Stefanie Alexander vom DLR informierte gestern Morgen bei den 72. Pfälzischen Weinbautagen im Saalbau die Winzer der Region über die Bemühungen des Dienstleistungszentrums, der Plage Herr zu werden. Die milden Winter seien günstig für die Schädlinge gewesen. Da sie allerdings allzu große Hitze nicht vertragen, sei der Befall während des heißen und trockenen Sommers 2018 relativ gering gewesen. Eier habe man immer dann entdeckt, wenn die Temperatur nach einer Hitzewelle wieder für einige Tage sank.

Auswahl zwischen Anlocken und Abweisen

„Die flüchtige Welt der Düfte“ soll helfen, den Insekten Einhalt zu gebieten und die Früchte der Winzer zu schützen. Das DLR experimentiert laut Alexander mit verschiedenen Gemischen und unterscheidet sogenannte Attraktantien, die anziehend auf die Tiere wirken und sie etwa in Fallen locken sollen, und Repellentien – Vergrämungsmittel, die unter anderem aus ätherischen Ölen bestehen. Das funktioniere nicht immer wie gedacht, berichtete Alexander, die im Institut für Phytomedizin arbeitet. So habe sich erwiesen, dass Duftgemische mit Zitronengras- und Orangenöl die Insekten eben nicht vertreiben, sondern im Gegenteil für einen höheren Befall sorgen. Die Vergrämungsmittel sollen nicht nur den Zuflug der Kirschessigfliege verhindern, sondern auch die Eiablage sowie die Paarung.

Konfusionsmittel – Pheromonwolken, die etwa beim Traubenwickler eingesetzt werden und mit großen Mengen Duftstoffen in der Luft verhindern, dass das Männchen zum Weibchen findet – dürften bei der Kirschessigfliege nicht viel helfen, meinte Alexander. Denn diese schlüpfen auf engem Raum: Männchen und Weibchen seien sich so nahe, dass es keiner Geruchsspur bedürfe. Die Fliegen seien bereits 24 Stunden nach dem Schlupf paarungsbereit. Zudem produzierten die Weibchen auch unbefruchtete Eier und legten sie in den Früchten ab.

Erst Anlocken, dann töten

Bei den Lockmitteln sei die Herausforderung, dass das Gemisch aus Duftstoffen auf die weiblichen Fliegen noch anziehender wirken muss als der Geruch der umgebenden reifen Früchte. Gemische mit Essigkomponenten und Wein hätten einige Erfolge gezeigt. Zudem arbeite man mit Licht, um die Fliegen mit einem zweiten Reiz zu locken. „Attract and kill“ heiße die Methode, nach der Insekten erst angelockt, dann getötet werden sollen. Was im Labor funktioniert, muss das noch lange nicht im Feldversuch tun, erklärte die Forscherin. So hätten sich Probleme ergeben, weil sich die Düfte im Freien schnell verflüchtigten.

Alexander betonte die Bedeutung umweltschonender Stoffe, mit denen man den Fliegen beikommen will, und die zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen sollen. Künftig sollen Lockstoffe noch spezifischer auf Kirschessigfliegen angepasst werden, damit möglichst wenig andere Insekten in den Fallen enden.

 

Neustadt-Ticker