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Freitag, 18. Januar 2019 Drucken

Neustadt

Düngen soll effizienter werden

Forschungsprojekt aus Mußbach setzt auf Satelliten und Sensortechnik zur Unterstützung der Landwirtschaft

Von Kerstin Pingel

Ein Projekt der RLP Agroscience aus Mußbach soll dabei helfen, die Düngung in der Landwirtschaft effizienter und damit umweltverträglicher zu machen.

Ein Projekt der RLP Agroscience aus Mußbach soll dabei helfen, die Düngung in der Landwirtschaft effizienter und damit umweltverträglicher zu machen. ( Foto: KAHNERT/DPA)

Um die Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens einzuhalten, fördert das Bundeslandwirtschaftsministerium Projekte zum klimagerechten Handeln in der Landwirtschaft. Eines davon entwickelt die gemeinnützige Forschungseinrichtung RLP Agroscience aus Mußbach. Das Ziel: In Zukunft sollen verlässliche Daten über die Bodenbeschaffenheit helfen, den Zeitpunkt für die Düngung zu bestimmen.

Wenn ein Landwirt stickstoffhaltigen Dünger, wie zum Beispiel Gülle, ausbringen will, müsse er die Bodenbeschaffenheit genau beobachten, erklärt Projektleiter Matthias Trapp. Sei der Boden sehr verdichtet, könne der Dünger nicht eindringen und werde mit dem nächsten Regen ausgeschwemmt. Schlecht für den Ertrag des Landwirts und schlecht für die umliegenden Gewässer. Auch zu feuchte oder zu trockene Böden seien ungeeignet fürs Düngen. „Unser Ziel ist es, mithilfe von Satelliten- und Wetterdaten, Messwerten aus den Böden und lokalen Sensordaten einen genauen Kartendienst zu entwickeln, der Auskunft geben kann über den aktuellen Zustand des Bodens“, fasst Trapp zusammen.

Genutzt werden die Daten des Erdbeobachtungsprogramms Copernicus der Europäischen Union. Vom Satelliten Sentinel 2 kommen Infrarotbilder, an denen sich vor allem die Vegetationsentwicklung ablesen lässt. „Der Satellit kommt alle fünf Tage vorbei und liefert Daten“, sagt Trapp. „Allerdings ist es in unseren Breitengraden oft bewölkt, sodass wir deutlich weniger verwertbare Aufnahmen bekommen.“

Anders der Satellit Sentinel 1: Dieser sendet Radarwellen, die auch die Wolkendecke durchdringen können. „Die schwer zu interpretierenden Radarbilder müssen wir mit realen Daten abgleichen“, erläutert der Projektleiter. Heißt: Bodenmessstellen und am Projekt beteiligte Landwirte teilen den aktuellen Zustand des Bodens auf den beobachteten Flächen mit, sodass die grauen Radarbilder aus dem All allmählich mit Leben gefüllt werden.

Schließlich kommen auch noch sensorbasierte optische Messsysteme am Traktor selber ins Spiel, die erfassen sollen, wie gut die Bodenbearbeitung und wie effizient die Düngerausbringung war. „Für den Landwirt ist das eine wichtige Information, damit er nicht unnötigerweise nochmal über das Feld fährt und damit Kosten und Umweltschäden verursacht.“

Wichtig sind diese Informationen vor allem für überbetriebliche Maschinenringe und Lohnunternehmer, die immer mehr die Arbeit von Landwirten übernehmen. Wenn ein Lohnunternehmer aus Süddeutschland einen Acker in der Pfalz bearbeiten soll, kennt er die Fläche nicht und verfügt über keinerlei Infos zum Boden. Das geplante Informationssystem soll Abhilfe schaffen.

210.000 Euro Fördergelder hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner dem Mußbacher Forschungsprojekt übergeben, das auf die Synergie von Forschung und Praxis setzt. Denn neben der RLP Agroscience sitzen auch die Bodenkundler der Universität Trier, der Maschinenbetriebsring Trier-Wittlich als Vertreter der Landwirte, das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück und mit dem Unternehmen Premosys ein Spezialist für Sensortechnik mit im Boot.

„Die Idee ist gar nicht so neu, sie konnte nur bislang nicht umgesetzt werden“, sagt Trapp. „Neu ist, dass wir nun alle Informationen über digitale Technologien in Echtheit vernetzen und auswerten können. Mittelfristig möchten wir den Landwirten einen Kartendienst zur Verfügung stellen, der die Düngung effizient und damit umweltverträglich macht.“ Mit ersten Ergebnissen sei in drei Jahren zu rechnen.

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