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Dienstag, 15. Januar 2019 Drucken

Neustadt Land

Aufatmen am Kurpfalz-Gymnasium

Mannheim: Existenz von ältester Privatschule Mannheims gesichert – Neuer Träger plant Investitionen in Gebäude und Ausstattung

Von Wolf H. Goldschmitt

1872 gegründet: das Kurpfalz-Gymnasium in Mannheim.

1872 gegründet: das Kurpfalz-Gymnasium in Mannheim. ( Archivfoto: Kunz )

Das „Kurpfalz“ ist gerettet. Die Jobs von 68 Lehrern und Angestellten sind für mindestens drei Jahre sicher. Auch die 700 Schüler und deren Eltern atmen auf. Die Bildungsstätte kann nach der Insolvenz im Oktober jetzt schuldenfrei neu starten. Es soll erhebliche Investitionen in die Gebäude sowie in die Ausstattung mit moderner IT-Infrastruktur geben.

Rascher als erwartet hat die staatlich anerkannte Privatschule mit Gymnasium und Realschule einen neuen Träger gefunden: das kirchlich unabhängige Kolping-Bildungswerk Württemberg.

Keine drei Monate nach dem Insolvenzantrag übernimmt einer der größten Bildungsträger in Süddeutschland die 1872 gegründete Einrichtung. Ausschlaggebend für die Entscheidung zugunsten von Kolping seien sowohl finanzielle als auch pädagogische Aspekte, sagte der zuständige Insolvenzverwalter Tobias Wahl gegenüber der RHEINPFALZ.

Die bisherigen Schulleiter, Eva-Maria Kuonath und Florian Schmitt, werden auf Wunsch des neuen Trägers weiterhin an der Spitze des Hauses stehen. Beide hatten von ihrem Vater Gerd Schmitt die Führung der Schule übernommen, an der es bisher übrigens keinen Elternbeirat gibt.

Der Schulbetrieb war während der Insolvenzphase weitergelaufen, die Gehälter der Lehrer waren vom Jobcenter gesichert. Unsicherheit war dennoch im Umfeld der Schule entstanden. Dass Schüler und Eltern dem Haus in schwierigen Tagen das Vertrauen geschenkt hatten, sei bemerkenswert. Nur eine einstellige Zahl an Abmeldungen habe es gegeben, so der Insolvenzverwalter weiter. Kein Lehrer habe die Schule verlassen.

Erste Alarmzeichen für finanzielle Probleme des Kurpfalz-Gymnasiums hatte es bereits zu Beginn des Schuljahres im September gegeben. Die schuleigene Mensa machte aus wirtschaftlichen Gründen dicht. Eine benachbarte Pizzeria sprang als Versorger mit Sonderkonditionen für die Schüler ein. Als Grund für die wirtschaftliche Misere der Privatschule im Quadrat M 3 werden vor allem Verbindlichkeiten aus der Vergangenheit genannt. Es ging in erster Linie um die Höhe der zu zahlenden Betriebsrenten für ehemalige Lehrkräfte. Nachdem Kolping nun mindestens 90 Prozent der Anteile der Schule übernimmt, gehen die Betriebsrenten für frühere Mitarbeiter dann zulasten eines Pensionssicherungsfonds.

Das Kolping-Bildungswerk Württemberg mit Sitz in Stuttgart betreibt mit seinen 30 Tochtergesellschaften Kindertageseinrichtungen, Grundschulen sowie Schulen der Sekundarstufe 1 und 2 und des zweiten Bildungsweges. „Das Kolping-Bildungswerk steht für Kontinuität, Qualität und Weiterentwicklung sowie für ein gutes pädagogisches Konzept. Das ,Kurpfalz’ steht für Wissen – Werte – Tradition. Darin sehe ich eine ideale Ergänzung“, sagte Wahl. Er geht davon aus, dass sich die Schülerzahl mittelfristig erhöht. Der Insolvenzplan wird bald beim Amtsgericht eingereicht. Das bestimme einen Termin für die Gläubigerversammlung, so Wahl. Dieser Termin werde „spätestens im März, vielleicht früher“ sein.

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