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Montag, 14. Januar 2019 Drucken

Neustadt: Lokalsport

Als Freizeitgruppe im Wettbewerb

Trainingsbesuch: Personalnot bei Basketballerinnen der SG TSG Deidesheim/Neustadt

Von Heike Klein

Basketball-Coach Ricardo Ferre (rechts) legt im Training Wert auf viele Übungen mit dem Ball.

Basketball-Coach Ricardo Ferre (rechts) legt im Training Wert auf viele Übungen mit dem Ball. ( Foto: Mehn)

«Deidesheim/Neustadt.» Wie geht „frau“ mit Niederlagen und mit dauerhafter Personalnot um? Bei den Basketballfrauen der Spielgemeinschaft TSG Deidesheim/Neustadt sind Niederlagen in dieser Saison an der Tagesordnung. Das Team ist in der Landesliga Rheinhessen-Pfalz noch ohne Punkte. Spielführerin und Mannschaftssprecherin Simone Scheuermann lässt deswegen aber nicht den Kopf hängen: „Bei uns passt einfach menschlich alles zusammen. Es gibt eine unheimlich gute Stimmung zwischen uns.“

Die 1,84 Meter große, 48-jährige Grafikerin spielt seit ihrem zwölften Lebensjahr Basketball. Als sie vom Allgäu nach ihrer Hochzeit in die Pfalz gezogen war, gründete sie in Deidesheim die Basketball-Abteilung. Bis 2014 spielten die Deidesheimer Frauen als eigenständiges Team, dann folgte die Spielgemeinschaft mit der TSG Neustadt. „Wir waren vorher schon auf Partnersuche, denn im Damenbereich gibt es wenige Teams. Daher ist die Landesliga auch die niedrigste Liga. Der Unterbau wie A-Klasse oder Bezirksliga löste sich mangels Mannschaften auf“, erklärt Scheuermann. Die Powerfrau jongliert zwischen den Aufgaben als Pressesprecherin, Spielerin, in Familie und Beruf. Doch das Basketball-Gen hat sie bereits weitergegeben. So spielt ihr Sohn Pius im U16-Regionalliga-Team der Towers Speyer und ging im vergangenen Jahr sogar im Bundesliga-Jugendteam der „BIS Speyer“ auf Korbjagd.

Der Trainer der Frauen-Spielgemeinschaft, Ricardo Ferré, ist ein Idealist. Der 52-Jährige weiß seine Damen richtig einzuschätzen. „Wir sind eine Freizeitgruppe, die nebenbei auch im Wettbewerb spielt. Wir haben eine breite Mischung aus jungen, neuen und erfahrenen Spielerinnen. Es ist schwierig, da eine Routine zu erhalten“, betont er.

Er sieht sich als Basketball-Missionar und spürt keinen Druck. „Natürlich würde ich gerne gewinnen, wir haben Potenzial. Aber das Potenzial muss sich erst verwirklichen“, erklärt er. Wenn seine Spielerinnen gereift seien, folge oft der Aderlass. So sei es ein starkes Handicap, dass die jungen Spielerinnen nach ihrem Abitur den Verein verließen, weil sie zum Studium wegzögen. Wenn alle Spielerinnen blieben, hätte er ein Superteam.

Dass sein Training fruchtet, zeigt der Weg von Linda Christ. Sie wechselte in dieser Saison zu den Towers Speyer und spielt jetzt in der Zweiten Bundesliga. „Dort kann sie sich weiter entwickeln, diese Entwicklung soll man nicht verhindern“, so Ferré.

Dass sich die Frauen untereinander wirklich gut verstehen, zeigen die Eindrücke im Training. Die Altersspannbreite geht von der Jüngsten, der 15-jährigen Charlotte Strehle, bis zu 52 Jahren. Strehle allerdings leidet momentan, weil sie wegen eines Bänderrisses nur zuschauen kann. „Es ist echt schlimm, der Mannschaft nicht helfen zu können“, gesteht sie. Sie überbrückt diese Zeit mit Hilfe am Protokolltisch bei den Spielen. Auch die 16-jährige Wilma Koble kann seit September nicht spielen. In einem der ersten Saisonspiele erlitt sie einen Bruch am rechten Fuß. „Das ist besonders doof, weil ich auch in meinem ersten Jahr als Schiedsrichterin eingesetzt werden sollte“, bedauert Koble die Verletzung.

Neu im Team ist Lea Hartig. „Ich wurde hier so nett aufgenommen und fühle mich total wohl“, sagt die 21-jährige Pädagogikstudentin. Teamkollegin Romy Möller ergänzt: „Bei uns herrscht wirklich ein guter Teamgeist. Das sagt jeder, der uns erlebt. Und Basketball bringt uns körperlich viel, auch für den konditionellen Bereich.“

Gefragt, was denn diese besondere Stimmung ausmache, zählt Mannschaftssprecherin Scheuermann einige Punkte auf. Weil die Spiele in Deidesheim absolviert werden, steht traditionsgemäß im Advent ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Programm. Im Sommer folgt ein Kontrastprogramm. Trainiert wird dann im Freibad in Deidesheim auf dem Beach-Basketball-Feld. „Es ist eines der wenigen Felder in der Region. Es ist wahnsinnig anstrengend, macht aber großen Spaß“, betont sie. Jährlich richtet die Spielgemeinschaft ein Mixed-Beach-Basketball-Turnier aus. Der Modus: vier Spieler, davon mindestens zwei Frauen je Team auf dem Feld, je zwei Hälften Spielzeit über fünf Minuten. „Das findet immer zur Zeit des Weinfestes statt. Auf dem Weinfest haben wir auch einen Stand“, erzählt Scheuermann.

Die Spielgemeinschaft freut sich immer über neue Spielerinnen. Mitbringen müssen sie nur eine gewisse Sportlichkeit, Grundkondition, eine gute Hand-Augen-Koordination und Geschicklichkeit. Scheuermann denkt dabei auch an Wiedereinsteigerinnen, die pausiert haben. Das Training ist dabei sehr praxisorientiert. Ferré setzt auf gezielte Bewegungsabläufe, die mit dem Ball an der Hand geprobt werden. Die Dribblings, Laufwege und Spielzüge sollen verinnerlicht werden, Abwechslung ist Trumpf. Zum Erfolg in der Liga fehlt nur eine breitere Bank.

Kontakt

Training: Böbig-Sporthalle, Martin-Luther-Straße in Neustadt: Dienstag 18.30 bis 20 Uhr; Donnerstag 19.30 bis 21 Uhr. Kontakt: Simone Scheuermann, Telefon 0172/7766538, E-Mail simone.scheuermann@freenet.de.

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