Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Zwischen Fußfesseln und Thermomix: Guido Cantz blickt auf „Komische Zeiten“

Auf bewährte Scherze setzt Guido Cantz bei seinem Auftritt im Mannheimer Capitol.
Auf bewährte Scherze setzt Guido Cantz bei seinem Auftritt im Mannheimer Capitol.

Von legalem Kiffen bis vegane Hotdogs: Wie wir diese „Komische Zeiten“ meistern, erklärt der Kölner Comedian und Moderator Guido Cantz im Mannheimer Capitol.

„Der ehemalige französische Staatspräsident Sarkozy trägt Fußfesseln, der ehemalige brasilianische Staatspräsident Bolsonaro sitzt im Knast und der amtierende amerikanische Staatspräsident, der beides gut gebrauchen könnte, läuft frei rum und spielt Golf“, fasst der Komiker zusammen, wie verrückt ihm – und nicht nur ihm – die Weltlage augenblicklich erscheint. Der Klimawandel und die KI, legales Kiffen und vegane Hotdogs, Donald Trump und Friedrich Merz seien nur einzelne Belege dafür, dass wir definitiv in „Komischen Zeiten“ lebten. „Lachen ist die schönste Sprache der Welt“, setzt Guido Cantz dem entgegen. „Bei diesem ganzen Wahnsinn müssen wir ein bisschen gute Laune haben, wir müssen uns selber ein bisschen Spaß machen!“

Ausführlich arbeitet er sich an Schlagzeilen ab. Nicht notgedrungen den neuesten, so dass sein gut gelaunter Vortrag zuweilen wirkt wie ein verspäteter Rückblick auf das nicht erst seit gestern zurückliegende Jahr. Bundeskanzler Olaf Scholz, der Raub der Kronjuwelen im Louvre oder der Bankeinbruch in Gelsenkirchen werden noch einmal hervorgekramt und milde bespöttelt. Den Beschluss des Konklaves im Mai 2025 im Vatikan kommentiert der Katholik mit gemischten Gefühlen. Zu gerne hätte er den umstrittenen Kölner Kardinal Woelki als Nachfolger des verstorbenen Papstes Franziskus gesehen. „Das wäre eine Win-win-Situation geworden: Zum ersten Mal in der Historie wäre „en Kölsche Jung’ Papst geworden und Woelki wäre Luftlinie 1.000 Kilometer von Köln entfernt.“

Politiker ohne Knall? Auf keinen Fall!

Guido Cantz, darf man feststellen, setzt auf Bewährtes. Seine Themen und seine Gags sind, wenn auch beherzt vorgetragen, nicht eben neu. Vielfach vorerprobt und für lustig befunden, neu arrangiert und noch einmal aufgewärmt. Überraschungen kann er auf diese Weise kaum bieten, dafür stabilisierende Zuverlässigkeit im oft unberechenbaren Humorfach.

Ja, die Zeiten seien „komisch“, aber früher sei es nicht besser gewesen, auch wenn es heute danach aussehen mag. So müsse die Mannheimer Innenstadt, meint der Kölner, von einem verhinderten Mathematiker entworfen worden sein, „der sich leicht angetrunken diese Quadrate ausgedacht hat“. Allzu leicht ließen sich etwa A1 bis A5 mit den entsprechenden Autobahnen verwechseln. „Früher war’s nicht besser, aber morgen wird es schön. / Denn dann werden das schlechte, dieses furchtbar ungerechte, triste, trübe Heute anders sehen“, vermittelt er am Keyboard mit einem Lied. „Früher gab’s Politiker, die hatten keinen Knall. / Doch war es wirklich besser? Nein, auf keinen Fall.“

Gilt die erste Hälfte seiner rund zweistündigen Show vorwiegend der Politik und Gesellschaft, widmet er sich in der zweiten den komischen Zeiten, die er in der Familie erlebt. Ein Krisenherd, der in den News so gut wie keine Beachtung findet, und tatsächlich nicht immer lustig ist, besonders wenn man berücksichtigt, dass Cantz’ Vater Otto gerade erst vor drei Wochen verstorben ist. Im Capitol korrigiert der Entertainer sich hin und wieder, wenn er von ihm noch im Präsens spricht.

Von Fußballer zum Thermomixer

Der Fokus gilt aber Guidos Frau Kerstin und ihrem gemeinsamen 15-jährigen Sohn Paul. Paul steckt tief in der Pubertät, Kerstin in den Wechseljahren und er selbst in der Midlife-Crisis, beschreibt der blondeste aller Komiker ein „Bermuda-Dreieck der Emotionen“ zu Hause in Porz. „Wo ist unsere Leidenschaft geblieben?“ fragt Kerstin ihren Mann dort nach 17 Jahren Ehe, und er antwortet: „Keine Ahnung. Du räumst doch immer alles weg.“

54 Jahre alt und ehedem leidenschaftlicher Fußballer, muss er zu seinem eigenen Bedauern feststellen: „Der Lack ist ab. Ich habe angefangen, Golf zu spielen, ich habe einen Thermomix und ich mache Wanderurlaube.“ Was folgt, sind grinsend vorgetragene Schilderungen der altersgemäßen Untersuchungen beim Urologen und Gastroenterologen. Gelächter garantiert.

x