Ludwigshafen Zwei Gärten zum Wohlfühlen
«Mutterstadt.» Der Ludwigshafener Verein für Jugendhilfe hat in den vergangenen zwei Jahren kräftig angepackt und in zwei Wohngruppen die Freiflächen auf Vordermann gebracht. Zusammen mit den Kooperationspartnern wurde vergangenen Freitag der Abschluss des Projekts „Wohlfühlort Lebensgarten“ in der Außenwohngruppe in Mutterstadt gefeiert.
„Die Jugendlichen hier, egal woher sie kommen, haben alle traumatische Erlebnisse durchgestanden. Da ist ein Ort zum Entspannen wichtig. Nach einem Streit einfach an die frische Luft zu gehen, durchzuatmen und ein paar Meter zu gehen, hilft ungemein“, sagt Stephan Weigert, der Team-Koordinator in Mutterstadt, beim Fest. Auch seien die Gespräche im Garten bei der gemeinsamen Arbeit immer etwas ganz anderes als die Schreibtischgespräche, ergänzte Sabrina Grimm, Betreuerin der Wohngruppe in der Platenstraße in Ludwigshafen. Auch wenn es für viele Bewohner kein richtiges Zuhause ist, soll der Wohnort doch schön und angenehm sein. Vor der Umgestaltung glich das Gelände in Mutterstadt einem Urwald mit riesigem Komposthaufen. Meterhohe dichte Nadelbäume nahmen das Licht, sie wurden gestutzt. Außerdem wurden Hochbeete angeschafft und mit Gemüse und Kräutern bepflanzt und ein Zelt zum Beisammensitzen aufgestellt. Die Jugendlichen waren von Anfang an dabei, obwohl die Bewohner ständig wechselten. Im April 2017 ist das Projekt mit dem Setzen des ersten Apfelbäumchens gestartet. Dabei holten sich Christian Simon und Christoph Andes, die Geschäftsführer der Jugendhilfe, viele Partner mit ins Boot. Theresia Kiefer, Kuratorin des Wilhelm-Hack-Museums, brachte zum Beispiel ihre Urban-Gardening-Erfahrung aus dem Hackgarten mit ein und stellte Pflanzkisten zur Verfügung. Die Mädchengruppe in Ludwigshafen pflanzte vor allem schöne Blumen und Küchenkräuter. Eine Bewohnerin gehe jeden Morgen nach dem Frühstück raus zum Gießen. Überhaupt werde sich hier sehr intensiv um das Grün gekümmert, erzählen die Betreuer. Es wurden sogar aus Paletten Gartenmöbel gebaut, eine kleine Lounge. Der langgezogene Garten von 15 Metern war zuvor komplett mit Brombeerhecken zugewuchert. Ein Unkrautbeet wurde zum Kräuterbeet. Karola Bolz, Koordinatorin der Arbeitsgemeinschaft Fundraising der Jugendhilfe, versucht, solche und weitere Projekte zu ermöglichen. Fürs Gärtnern bewarb man sich beim BASF-Projekt „Gemeinsam Neues Schaffen“. So erhielt die Jugendhilfe 5000 Euro im ersten Anlauf, um die Gärten auf Vordermann zu bringen. Ein Workshop gehörte ebenfalls dazu. Schließlich gab es im März 2017 dann 2000 Euro als Prämie obendrauf. Neben der Finanzierung stellte die BASF vor allem Arbeitskraft. Zehn Männer schufteten einen ganzen Tag lang, um den Mutterstadter Garten in Form zu bekommen. Nun wird er von der reinen Männerwohngruppe als Platz zum Tischtennis spielen genutzt. Das Rasenmähen macht ihnen Spaß, das Unkrautjäten eher weniger, geben die Jugendlichen zu. Sie müssen ihren Garten nun selbst in Schuss halten und merken, dass eine Menge Verantwortung und Arbeit dahinter steckt, wenn man es schön haben möchte.