Ludwigshafen „Zum Brotschneiden braucht es keinen Strom“

Placeholder-Image
Alles noch original

Ein Erbstück der Schwiegermutter ist die handbetriebene Brotschneidemaschine von Marianne Konrad aus Mutterstadt. „Wir haben sie schon etwa 35 Jahre“, erzählt die 68-Jährige. Welches Baujahr das praktische Küchenutensil der Marke Alexanderwerke ist, weiß sie nicht. Das Design und die hellgrüne Farbe lassen eventuell auf die 1970er-Jahre schließen. Marianne Konrad ist froh, dass die Brotschneide mit Handkurbel, an der alles – auch das Schneideblatt – im Originalzustand ist, noch tipptop funktioniert. Nie wollte sie eine elektrische Schneide haben: „Mit einer solchen zu schneiden, davor habe ich schon immer ein wenig Angst gehabt“, sagt Marianne Konrad. Für das Erbstück wurde auch extra ein Brotschank mit Schwenkvorrichtung gekauft – beim Öffnen des Schranks fährt eine Vorrichtung samt Brotschneidemaschine heraus. Erbstück von Oma Ziska Auch Dorothea Steiger-Stabenow aus Otterstadt kennt nicht das genaue Alter ihrer handbetriebenen Brotschneidemaschine der Marke Emka, denn auch diese ist ein Erbstück. „Sie stammt von meiner Oma Franziska, die wir immer Oma Ziska nannten“, erzählt die 35-Jährige Mutter von drei Kindern. 2012, als das Haus der Oma verkauft wurde, kam die Schneide in den Besitz der Familie. „Damals fand sie, zusammen mit manch anderem alten Schätzchen, Einzug in unsere Wohnung in Mannheim.“ Bei Dorothea Steiger-Stabenow zu Hause wurde das Brot mit einem großen Messer geschnitten, erzählt sie weiter. Ihr Mann Rolf Stabenow (35) hingegen kannte von Daheim nur eine elektrische Schneide und sei immer genervt gewesen, dass er im gemeinsamen Haushalt das Brot mit der Hand schneiden musste. Und das vorgeschnittene Brot sei immer zu schnell ausgetrocknet. Die manuelle Brotschneide war der ideale Kompromiss: „Mit dieser konnten wir Brot am Stück kaufen und nach Belieben abschneiden – und dazu sah sie auch noch gut aus“, schwärmt Dorothea Steiger-Stabenow. Doch in der Stadtwohnung war kein Platz für das Erbstück, es musste immer wieder weggeräumt werden. Vor etwa zwei Jahren ist die Familie – dazu gehören neben Ehemann Rolf die Kinder Johanna (5), Frieda (7) und Vincent (2) – in die alte Heimat von Dorothea Steiger-Stabenow nach Otterstadt in ein Haus den 1950ern gezogen. „Hier hat die Brotschneidemaschine ihren festen Platz auf einem Küchenwagen. Geschnittenes Brot wird nicht mehr gekauft. Es kommt sogar immer öfter vor, dass wir unser Brot selbst backen“, berichtet sie. Die Brotschneide sei auf jeden Fall ein Hingucker und passe sehr gut zum bunt zusammengewürfelten Interieur, in dem auch andere Gegenstände aus Oma Ziskas’ Haus einen Platz gefunden haben. „Und die Kinder finden es toll, dass wir die Sachen von ihren Urgroßeltern benutzen.“ Fein lackiert und gut arbeitend Walter Pabst aus Böhl-Iggelheim hat zwei der alten Brotschneidemaschinen mit Handkurbel. Eine von den Alexanderwerken aus dem Jahr 1912, die andere von der Firma Pe.De. Während die Alexanderwerke Schneidemaschinen für den verschiedensten Bedarf – zum Beispiel Bohnenschneidemaschinen – hergestellt haben, war die Firma Pe.De. vor allem für den Bau von Kaffeemühlen bekannt, weiß Walter Pabst. Der Senior ist passionierter Sammler von Antiquitäten, geht oft auf Floh- und Sammlermärkten. In seinem Keller und Schuppen hat er liebevoll seine Stücke auf- und ausgestellt, meist sind es alte Küchenutensilien wie Kaffeemühlen, Waagen, Nudelmaschinen, Bohnenschneidemaschinen, Backformen und vieles mehr. Keine Wunder also, dass er mehrere Brotschneidemaschinen mit Kurbel in seinem Fundus hat. Und nicht nur solche, sondern auch die einfachere Version, bei denen das Brot allein durch Druck auf die Schneidevorrichtung geschnitten wurde. „Das ist sicher nichts für frisches Brot, aber früher wurde das Brot ja bald 14 Tage aufgehoben, das war steinhart“, erinnert sich Walter Pabst. Und als Sammler und Kenner hat er sogar einen alten, nachgedruckten Katalog von 1912, wo all die Haushaltsgegenstände aufgezeichnet und aufgelistet sind. Darin sind auch die beiden Versionen der Brotschneidemaschine der Alexanderwerke zu finden und werden ordentlich beworben: „fein lackiert, gut arbeitend, mit besten Stahlmessern, für Brot von 18 Zentimetern Breite und Zwölf Zentimetern Höhe geeignet“, ist unter der Anzeige für die Kurbel-Version zu lesen. Fast alle Antiquitäten von Walter Pabst sehen trotz ihres Alters aus wie neu. Er hat eine Werkstatt, jedes Stück wird je nach Zustand zerlegt, repariert, von Rost befreit, lackiert und aufpoliert. Eine Arbeit, bei der der 81-Jährige regelrecht auflebt. Es geht auch ohne Strom „Zurück zur Einfachheit“, schreibt Marianne Reisner aus Mutterstadt. Sie hat sich vor zehn Jahren bewusst eine Brotschneidemaschine mit Kurbel gekauft. „Um ein Scheibchen Brot abzuschneiden, benötigt man doch eigentlich keinen Strom“, sagt die 66-Jährige. Außerdem können elektrische Schneidemaschinen auch immer kaputt gehen. In einem großen Eisenwarenladen wurde sie fündig, ganz billig sei das gute Stück nicht gewesen, erzählt sie, dafür aber sehr robust. Schon aus ihrer Kindheit kennt sie die Schneidemaschinen mit Kurbel, und was damals funktioniert hat, funktioniert heute auch sehr gut.

x