Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Zum 70. Geburtstag von Eva Lohse: Eine OB mit bundesweiter Strahlkraft

Engagiert sich für das Filmfestival und hält sich weitgehend heraus aus der aktuellen Politik: Eva Lohse. Bei Parteiveranstaltun
Engagiert sich für das Filmfestival und hält sich weitgehend heraus aus der aktuellen Politik: Eva Lohse. Bei Parteiveranstaltungen ist sie oft anzutreffen, im OB-Wahlkampf zeigte sie Präsenz für die CDU.

Ludwigshafen bleibt untrennbar mit ihrem Namen verbunden. 16 Jahre lang regierte sie die Stadt, als erste direkt gewählte OB. Am 23. Januar wird Eva Lohse 70.

Mehr als anderthalb Jahrzehnte lang – vom 1. Januar 2002 bis 31. Dezember 2017 – hat die Verwaltungsjuristin die Stadt geführt, ihr ein neues Selbstbewusstsein gegeben und sie sichtbar an den Rhein gerückt. So wurde sie zum Gesicht einer Stadt im Wandel – regionaler Star ohne Allüren, politisch hoch angesehen, stets mit dem Blick für das große Ganze. Mit ihrem ausgeprägten Sinn für öffentliche Verantwortung fand Lohse früh ihren Weg in die Kommunalpolitik und wurde zur ersten direkt gewählten OB Ludwigshafens – eine Zäsur, der sie Inhalte folgen ließ.

Unter ihrer Regie veränderte sich das Stadtbild spürbar: Die hochwertige Bebauung am Flussufer, die Rhein-Galerie mit ihrem markanten Dach und die Ansiedlung namhafter Unternehmen wie Vögele, Weltmarktführer für Straßenfertiger, und der Großbäckerei Görtz gaben Ludwigshafen wirtschaftliche Impulse. Ihr größter Coup war die im Herbst 2010 eröffnete Rhein-Galerie direkt am Fluss.

Mit Stolz und Leichtigkeit

Lohse nutzte die Bühne der Stadt – und wusste, wie man sie bespielt. Das Festival des deutschen Films auf der Parkinsel wurde unter ihrer Ägide zum zweitgrößten in der Republik nach der Berlinale. Sie repräsentierte Ludwigshafen mit Stolz und Leichtigkeit, knüpfte Netzwerke und holte überregionale Aufmerksamkeit in die Pfalz. Ihre Strahlkraft reichte weit über die Stadtgrenzen hinaus: Als Präsidentin des Deutschen Städtetags lenkte sie den Blick nach Berlin, war in dieser Zeit so oft im Kanzleramt zu Gast wie kaum ein anderer kommunaler Kopf und machte die Finanznöte mittelgroßer Städte zum bundespolitischen Thema.

Dass sie zeitweise als mögliche Bundespräsidentin gehandelt wurde und theoretisch auch den Weg nach Mainz hätte einschlagen können, spricht für die Anerkennung, die Lohse genoss. Die Vorgängerin von Jutta Steinruck (63, SPD) blieb dennoch immer ihrer Maxime treu: „Mein Platz ist in Ludwigshafen.“ Selbstverständlich für sie: Die Unterstützung des Parteikollegen Klaus Blettner, dem seit 1. Januar amtierenden neuen Stadtoberhaupt.

Nicht frei von Schatten

Lohses Bekenntnis zu Ludwigshafen war verbunden mit klaren Entscheidungen. Als 2005 ein Manager des städtischen Klinikums Millionen veruntreute, riskierte Lohse als Aufsichtsratsvorsitzende mit der konsequenten Trennung den Bruch der Rathauskoalition – und zeigte Haltung. Ebenso 2008, als bei einer Brandkatastrophe neun Menschen türkischer Herkunft starben: Die Umarmung eines Feuerwehrmanns wurde zum Sinnbild ihrer Mitmenschlichkeit und blieb vielen unvergessen. Lohse konnte durchgreifen, aber auch trösten – beides mit einer Authentizität, die ihr Respekt bis in die Reihen politischer Gegner einbrachte.

Ihr politisches Wirken war jedoch nicht frei von Schatten. Der Schuldenberg der Stadt wuchs während ihrer Amtszeit erheblich an, die Innenstadt blieb ein Problemfall, und manche machten die Rhein-Galerie mitverantwortlich für das Sterben des Einzelhandels. Auf der anderen Seite wären viele Anbieter sonst wohl gar nicht mehr im Zentrum vertreten. Sie verstand es auch, Probleme einfach mal wegzulächeln.

Im OB-Wahlkampf unterstützte Eva Lohse ihren Nachfolger Klaus Blettner (58, CDU).
Im OB-Wahlkampf unterstützte Eva Lohse ihren Nachfolger Klaus Blettner (58, CDU).
OB Eva Lohse im März 2011 an der Rhein-Galerie. Sie rückte die Stadt an den Fluss.
OB Eva Lohse im März 2011 an der Rhein-Galerie. Sie rückte die Stadt an den Fluss.
Ende 2017: Eva Lohse überreicht Nachfolgerin Jutta Steinruck die Ernennungsurkunde.
Ende 2017: Eva Lohse überreicht Nachfolgerin Jutta Steinruck die Ernennungsurkunde.

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Das Jahrhundertprojekt Abriss der Hochstraße Nord – finanziell wie logistisch ein Kraftakt – gab sie an ihre Nachfolgerin weiter. Doch auch hier zeigte sich ihr politischer Instinkt: Fördermittel des Bundes sicherte sie noch rechtzeitig ein und legte damit einen Grundstein für das, was nach ihr kommen sollte. Mitte dieses Jahres soll die neue Hochstraße Süd eröffnet werden, deren Einsturzgefahr 2019 den Ablauf der Trassensanierungen nach der Lohse-Ära veränderte.

Politischer Instinkt

Bemerkenswert war Lohses Abgang: 2016 kündigte sie an, frisch Großmutter geworden, nicht für eine dritte Amtszeit zu kandidieren. Sie entschied ihren Abschied selbst, aus privaten Gründen, und erntete dafür Respekt. Politisch war es das Ende einer Epoche in Ludwigshafen, persönlich der Beginn eines neuen Lebensabschnitts, in dem sie weiterhin Verantwortung übernahm – unter anderem als ehrenamtliche Vorsitzende des Förderkreises des Filmfestivals.

Zum 70. Geburtstag steht eine Bilanz, die sich sehen lassen kann: Eva Lohse hat Ludwigshafen modernisiert, kulturelle Anziehungskraft gegeben und es wirtschaftlich positioniert – mit Mut, Kommunikationsstärke und dem Talent, Menschen und Projekte zusammenzubringen. Sie war Katalysator, Netzwerkerin, Identifikationsfigur. Wer heute auf Ludwigshafen blickt, sieht viele Spuren, die auf ihr Wirken zurückgehen. Und eine Persönlichkeit, die gezeigt hat, dass lokale Verantwortung große Wirkung entfalten kann.

Klare Wahlsiege

Ihre Wahl zur Präsidentin des Deutschen Städtetags am 11. Juni 2015 in Dresden war so etwas wie die Krönung von Lohses politischer Karriere. 2001 (55,5 Prozent) und 2009 (53,7) hat die gebürtige Ludwigshafenerin die OB-Wahl jeweils im ersten Anlauf gegen SPD-Rivalen gewonnen und war als erstes nicht-sozialdemokratisches Stadtoberhaupt seit 1945 lange die Galionsfigur der Ludwigshafener CDU. Von 1994 bis 2001 saß sie im Stadtrat. Bis 2016 führte sie zehn Jahre lang als Vorsitzende den Verband Region Rhein-Neckar.

Lohse, geborene Müller-Tamm, ist mit dem Mediziner Gustav Lohse verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter. Sie wuchs in Oppau und Friesenheim auf, ist die Schwester der Kunstwissenschaftlerin Pia Müller-Tamm sowie der Literaturwissenschaftlerin Jutta Müller-Tamm. Nach ihrem Abitur 1975 am Heinrich-Böll-Gymnasium in Mundenheim studierte sie von 1976 bis 1982 Rechtswissenschaften an den Universitäten Heidelberg, Genf und Freiburg. Sie promovierte 1995.

Von 1983 bis 1985 machte sie ihr Referendariat im Bezirk Zweibrücken des Oberlandesgerichts. Ihr zweites juristisches Staatsexamen legte sie 1987 ab, nachdem sie ihre beiden Töchter bekommen hatte. Danach trat sie in den Landesdienst bei der Kreisverwaltung Bad Dürkheim ein. Sie war ferner im Mainzer Innenministerium und beim Polizeipräsidium Rheinpfalz in Ludwigshafen tätig. Von 1996 bis 2001 war Lohse Dozentin an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, Fachbereich Arbeitsverwaltung, in Mannheim mit den Fächern Verwaltungs-, Arbeits- und Sozialrecht.

Auch bei Klaus Blettners erstem Neujahrsempfang im Pfalzbau am 7. Januar war Lohse zu Gast. Seine Ansprache kommentierte sie so: „Eine zuversichtliche, den Menschen zugewandte Rede. Man hat gespürt, er hat Lust auf dieses Amt.“ So wie sie selbst über 16 Jahre hinweg.

Zur Sache: Stimmen zu Eva Lohse

Torbjörn Kartes, CDU-Kreisvorsitzender: „Im Namen der CDU, aber auch ganz persönlich, gratuliere ich Eva Lohse auf das Herzlichste. Wir haben ihr als CDU in Ludwigshafen sehr viel zu verdanken und wünschen ihr vor allem Gesundheit, persönliches Wohlergehen und immer auch ein bisschen Glück. Über 16 Jahre war sie das stets sympathische Gesicht unserer Stadt und hat Ludwigshafen mit sehr viel Stil, einer klaren Haltung und Vision, mit hoher Wertschätzung gegenüber ihren Mitmenschen und ausgeprägtem Sachverstand weiterentwickelt. Ihr erster OB-Wahlkampf 2001 ist unvergessen und hat eine Begeisterung in unserer Partei ausgelöst, wie wir es nur sehr selten erlebt haben. Dies war auch mein erster großer Wahlkampf und hat mich maßgeblich dazu motiviert, mich politisch für Ludwigshafen zu engagieren. Auch heute ist sie weiterhin sehr geschätzte Ratgeberin und engagiert sich für ihre Stadt und auch für die CDU.“

Klaus Blettner, Oberbürgermeister: „Eva Lohse hat Ludwigshafen über Jahre mit Weitblick, Entschlossenheit und großem Verantwortungsbewusstsein geprägt. Als erste direkt gewählte OB und Vorsitzende des Deutschen Städtetags vertrat sie unsere Stadt mit fachlicher Brillanz und souveränem Auftreten. In der jüngeren Vergangenheit durfte ich sie als kluge, erfahrene Ratgeberin an meiner Seite wissen. Ihr Stil, geprägt von Eleganz und Menschlichkeit, bleibt beispielhaft. Für ihr langjähriges Wirken danke ich ihr von Herzen und wünsche ihr Gesundheit und Glück.“

Peter Uebel, CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat: „Eva Lohse hat in 16 Jahren als OB große Spuren hinterlassen: In ihre Amtszeit fallen die Planungen zur Helmut-Kohl-Allee mit der grundlegenden Finanzierungsplanung mit Bund und Land sowie maßgebende innerstädtische Entwicklungen, wie die Öffnung der Stadt zum Rhein hin mit Wohnbebauung und Einkaufszentrum, City West oder die Ansiedlung von Vögele. Aber auch Krisen beherrschte Eva Lohse: So die große Flüchtlingskrise in 2015, die unsere Stadt extrem gefordert hatte. In Katastrophen, wie das Explosionsunglück am Landeshafen oder die Gasexplosion in Oppau, blieb sie mit großer Umsicht der ruhende Pol. Die Notwendigkeit einer überregionalen Zusammenarbeit hat sie sehr früh umgesetzt und als Bekenntnis zur Metropolregion den Regionalverband Rhein Neckar mitbegründet. Die Ehre, als Präsidentin des Deutschen Städtetags die kommunale Stimme zu sein, spricht Bände. So wunderte es nicht, dass ihr Name auch für das Amt des Ministerpräsidenten oder sogar Bundespräsidenten gehandelt wurde. Danke, Chapeau, Eva Lohse.“

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