Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Zeichner Paco Roca stellt sein Krimi-Abenteuer „Black Swan“ in Mannheim vor

Klare Linie: Ausschnitt aus „Der Schatz der Black Swan“.
Klare Linie: Ausschnitt aus »Der Schatz der Black Swan«. Foto: Pmü

Comic-Künstler auf Lesetour verirren sich selten in die Rhein-Neckar-Region. Jetzt war aber gleich einer der erfolgreichsten spanischen Zeichner an der Mannheimer Uni. Paco Roca hatte seine spannende Geschichte „Der Schatz der Black Swan“ im Gepäck und viel zu erzählen.

María José Carrión, Lektorin am Romanischen Seminar der Schlossuniversität, war als Leserin auf den Comic und den Künstler aufmerksam geworden. „Ich dachte, diese Veranstaltung würde sehr gut in unser Spanisch-Programm passen“, sagte sie. So machte der Spanier während seines Deutschlandbesuchs auch in Mannheim Station in einem hauptsächlich mit Studenten gut gefüllten Hörsaal. María Carrión übersetzte für die des Spanischen nicht mächtigen Zuhörer das Wichtigste ins Deutsche. Doch selbst ohne große Sprachkenntnisse spürte man die Begeisterung des 50-Jährigen für sein Metier.

Pyjama statt Büro

Er habe schon immer leidenschaftlich gezeichnet, erzählte Roca. „Das war eine Berufung.“ Und er wollte schon immer im Pyjama arbeiten, was ihm die freiberufliche künstlerische Tätigkeit erlaubt, meinte er augenzwinkernd. Der Comic sei ein anarchisches Medium, eine demokratische Kunst: Ohne großen finanziellen Aufwand kann sie jeder betreiben. Allerdings ist damit sehr viel Mühe verbunden, wie der Zeichner eindrucksvoll anhand der vielen Arbeitsschritte bis zum gedruckten Werk verdeutlichte.

Roca wurde in Valencia geboren. Für seine später auch verfilmte Erzählung „Kopf in den Wolken“ über eine Alzheimer-Erkrankung erhielt er den Nationalen Comic-Preis. „Die Heimatlosen“ ist eine Geschichte über spanische Freiheitskämpfer, „Der Winter des Zeichners“ handelt von der Comic-Szene Barcelonas zur Zeit der Franco-Diktatur. Man sieht: Zeitgeschichtliche Stoffe haben es ihm angetan. Auf die akribische Dokumentation der Stoffe verwendet er viel Zeit, das mache ihm großen Spaß.

„Tim und Struppi“ als Vorbild

Zu seinem aktuellsten Thema kam er durch Zufall. Guillermo Corral van Damme drängte es ihm bei einem Treffen regelrecht auf, der 1971 geborene Berufsdiplomat wurde Co-Autor. Es geht um den größten Unterwasserschatz, der jemals entdeckt wurde. Ein US-Unternehmen barg Gold- und Silbermünzen im Wert von geschätzten 500 Millionen Dollar aus einem mysteriösen Schiffswrack. Die kommerziellen Schatzsucher beanspruchten den Fund für sich, doch es gab Hinweise, dass es sich um ein spanisches Wrack handelte.

Beruhend auf wahren Begebenheiten und persönlichen Erfahrungen erzählen Corral und Roca vom Kampf um den Schatz. Eine kleine Gruppe von Beamten des spanischen Kulturministeriums will das Kulturerbe verteidigen. Ein jahrelanger Rechtsstreit beginnt. Dass daraus ein packendes Krimi-Abenteuer wird, obwohl sich die Handlung zumeist in Büroräumen und weniger auf Hoher See abspielt, spricht für das erzählerische Talent der Autoren. Die Zeichnungen im Stil der klaren Linie weisen auf „Tim und Struppi“ hin, Paco Rocas frühen Lieblings-Comic, der Einfluss des großen Künstlers Hergé ist unverkennbar. „Dadurch habe ich die Magie der Comics entdeckt“, sagt der Spanier, der inzwischen selbst das Medium meisterlich beherrscht.

Lesezeichen

Guillermo Corral, Paco Roca: „Der Schatz der Black Swan“, 214 Seiten, Reprodukt-Verlag.

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