Ludwigshafen „Wir spielen genauso Polo wie die englische Königsfamilie“

Mannheim. Polo – das Spiel der Könige. In Mannheim fand es seinen festen Platz als Aufwärmprogramm für das Maimarktturnier. Diesmal hat die Torjagd zu Pferd im Reitstadion (24. bis 26. April) einen neuen Sportlichen Leiter: den Düsseldorfer Dirk Baumgärtner (54), Vizepräsident des Deutschen Poloverbandes, ehemaliger Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und mehrmaliger deutscher Meister.

Herr Baumgärtner, in Deutschland ist Polo nicht wirklich ein Steckenpferd der Sportfans, oder?

Dabei ist Polo ist die älteste Mannschaftssportart der Welt, dafür ist es extrem unbekannt. Meistens wird es mit der englischen Königsfamilie in Verbindung gebracht. Doch wir spielen hier genauso Polo wie die Königsfamilie, die aber viel, viel mehr Zuschauer hat, wenn sie da ist – was sie auch für wohltätige Zwecke nutzt. Dann müssen Sie eben mal die Queen einladen … (Lacht) Ich glaube, dann würden wir ein Sicherheitsproblem bekommen. Wie war das mit Polo früher? Polo war fünfmal olympisch, das letzte Mal 1936 in Berlin. 1972 war es in München im olympischen Rahmenprogramm. Im Moment ist es eine vom IOC anerkannte Sportart, aber ob es nochmal olympisch wird? Schwierig. Es gibt gar nicht so viele Nationen, wo es gespielt wird. In Mannheim wird Arena-Polo gespielt. Was ist das? Eine Variante zum Rasenpolo. Das spielt man mit einem deutlich größeren Ball aus Kunststoff. Wir spielen auf einem Sandgeläuf, und der Pferdehuf macht einen Abdruck. Der kleine Holzball des Rasenpolos würde also gleich eingegraben sein und wäre nicht mehr spielfähig. Ein Vorteil ist auch, dass man wetterunabhängiger ist und diese Variante zuschauerfreundlich ist. Der Beobachter ist bei einem kleineren Feld näher dran. Es gibt strenge Regeln. Ja, denn Polo ist eine sehr gefährliche Sportart. Wenn es hier keine Regeln gäbe und auf einen kleinen Ball acht Pferde aus jeder Richtung rennen würden, gäbe es ein Gemetzel. Daher wird Polo mit einer Vorfahrtsregel gespielt. Jeder Spieler darf den Schläger nur in der rechten Hand halten. Neben einigen argentinischen Profis treten in Mannheim ja auch deutsche Topspieler an. Wer zum Beispiel? Thomas Winter ist seit Jahrzehnten der beste deutsche Polospieler. Er leitet in Hamburg eine Poloschule, die sehr viele Talente hervor gebracht hat. Dann haben wir ein Mannheimer Gewächs: Maximilian Singhoff. Erzählen Sie uns doch bitte etwas über die Poloponys. Laut Reglement kann man mit einem Pferd jeglicher Rasse und Größe spielen. Aber ein Kaltblut bietet sich nicht unbedingt an. Das ideale Polopferd ist ein Halb- oder Vollblüter. Ein großer Teil der Polopferde kommt aus Argentinien. Es gibt auch das deutsche Polopferd. Die Tiere sind klein, mit um die 1,55 Meter Stockmaß etwas größer als das klassische Pony. Die Pferde sind relativ kurz und haben einen stabilen Hals, sind extrem hart und mit enormer Spritzigkeit. Sie sind früher Dressur geritten, sogar bis Grand Prix. Es hat lange gedauert, bis ich das Poloreiten verstanden habe. Die Polosaison beginnt jetzt langsam. Was machen die Pferde im Winter? Meine sind auf der Weide, Tag und Nacht. Seit Anfang März sind sie wieder im Training. Ich rechne damit, dass es sechs Wochen dauert, bis sie wieder turnierfertig sind. Arena-Polo legt dank der Böden die Saison weiter nach vorne und im Herbst weiter nach hinten. Mit vier oder fünf Pferden kann man nicht von Mitte April bis Mitte September durchspielen. Die brauchen schon mal zwei Wochen Pause. Was halten Sie eigentlich von Elefantenpolo? Ich habe davon gehört und weiß, dass es Indien gespielt wird. Das Schöne ist: Als Spieler muss man sich nur auf den Schlag konzentrieren, denn es gibt einen Führer, der den Elefanten steuert.

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